<p class="article-intro">Die Schweiz ist eines der wenigen Länder in Europa mit einer Eliminationsstrategie für Hepatitis C (HCV). Diese wurde nicht wie sonst üblich von den Gesundheitsbehörden initiiert, sondern zivilgesellschaftlich. Wie der aktuelle Stand ist, welche Ziele verfolgt werden und welche Hürden auf dem Weg dahin zu überwinden sind, erklärt PD Dr. med. Philip Bruggmann, Chefarzt Innere Medizin am Arud Zentrum für Suchtmedizin, Zürich.</p>
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<p class="article-content"><p><strong>Wie ist der derzeitige Stand bei der HCV-Elimination in der Schweiz?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Bei der HCV-Elimination läuft vieles sehr gut. Wir haben mit unserem breit aufgestellten Netzwerk bereits viele Ziele erreicht, etwa unlimitierten Zugang zur Behandlung, Gründung einer Patientenorganisation, vermehrte Medienpräsenz sowie politische Unterstützung über alle Parteifarben hinweg. Aber wir wissen natürlich, dass ein solcher Prozess viel Zeit braucht. Woran wir noch arbeiten müssen, ist die Identifikation der Betroffenen. Bei der Testung auf Hepatitis C gibt es noch Lücken, aber auch bei der Versorgung von Patienten, die bereits diagnostiziert sind und der Therapie zugeführt werden sollten. Eine Situationsanalyse, die vom Bundesamt für Gesundheit 2016 beauftragt wurde, geht von etwa 40 000 Betroffenen aus. Davon ist schätzungsweise ein Drittel nicht getestet.</p>
<p class="article-intro">Die Schweiz ist eines der wenigen Länder in Europa mit einer Eliminationsstrategie für Hepatitis C (HCV). Diese wurde nicht wie sonst üblich von den Gesundheitsbehörden initiiert, sondern zivilgesellschaftlich. Wie der aktuelle Stand ist, welche Ziele verfolgt werden und welche Hürden auf dem Weg dahin zu überwinden sind, erklärt PD Dr. med. Philip Bruggmann, Chefarzt Innere Medizin am Arud Zentrum für Suchtmedizin, Zürich.</p>
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<p class="article-content"><p><strong>Wie ist der derzeitige Stand bei der HCV-Elimination in der Schweiz?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Bei der HCV-Elimination läuft vieles sehr gut. Wir haben mit unserem breit aufgestellten Netzwerk bereits viele Ziele erreicht, etwa unlimitierten Zugang zur Behandlung, Gründung einer Patientenorganisation, vermehrte Medienpräsenz sowie politische Unterstützung über alle Parteifarben hinweg. Aber wir wissen natürlich, dass ein solcher Prozess viel Zeit braucht. Woran wir noch arbeiten müssen, ist die Identifikation der Betroffenen. Bei der Testung auf Hepatitis C gibt es noch Lücken, aber auch bei der Versorgung von Patienten, die bereits diagnostiziert sind und der Therapie zugeführt werden sollten. Eine Situationsanalyse, die vom Bundesamt für Gesundheit 2016 beauftragt wurde, geht von etwa 40 000 Betroffenen aus. Davon ist schätzungsweise ein Drittel nicht getestet.</p> <p><strong>Die Schweiz hat eine Strategie zur Hepatitis-C-Elimination entwickelt. Mit welchen Methoden und in welchem Zeitrahmen wird dies angestrebt?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Unser Ziel ist, die Ansteckungsrate, die Morbidität und Mortalität bis 2030 gegen null zu bringen. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Handlungsfelder. Eine zentrale Rolle spielen die Aufklärung und Schulung nicht nur der Allgemeinbevölkerung, sondern auch der Ärzteschaft, der Behörden und der Politik. Es ist leider trotz erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit noch immer zu wenig bekannt, was die HCV-Infektion für die Betroffenen und die Gesellschaft insgesamt bedeutet.</p> <p><strong>Welche Hürden sind zu überwinden? Wer sind die Unterstützer der Strategie?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Anders als die meisten anderen Gesundheitsstrategien, die von den Behörden in die Wege geleitet werden, ist die Schweizer Hepatitis-Strategie zivilgesellschaftlich initiiert. So haben wir seitens der Behörden noch nicht die Unterstützung, die wir uns erhoffen, zum Beispiel bei der Finanzierung der Programme. Auch Aufklärung und Prävention sind eigentlich Aufgaben der Behörden. Die Unterstützer der Schweizer Hepatitisstrategie kommen aus dem Netzwerk: 80 Persönlichkeiten aus den verschiedenen Bereichen, die mit Hepatitis C zu tun haben – Medizin, Wissenschaft, Patientenorganisationen, Versicherungen, NGOs, Pharmafirmen. Alle Beteiligten arbeiten dabei ehrenamtlich, angetrieben von der Motivation, die Strategie zur HCV-Elimination zum Erfolg zu führen. Deshalb können wir auch mit relativ begrenzten Mitteln viel erreichen.</p> <p><strong>Welche Rolle nehmen die verschiedenen Stakeholder bei der HCV-Elimination in der Schweiz ein? Oder welche Rolle sollten sie einnehmen?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Es ist noch viel Aufklärungsarbeit darüber zu leisten – sowohl bei den Bundes- wie auch bei den kantonalen Behörden –, welche Belastung die Hepatitis C für die öffentliche Gesundheit bedeutet. Aber es bewegt sich etwas, denn wir treffen zunehmend auf offene Ohren, zum Beispiel bei Politikern: Wenn sie die Fakten erfahren, dann erleben wir grosse Unterstützung.</p> <p><strong>Wie werden Hausärzte in die Eliminationsstrategie eingebunden?</strong><br /> <strong>P. Bruggmann:</strong> Es gibt Bestrebungen, die Hausärzte verstärkt in die Versorgung der Patienten einzubinden. Sie sollen in Zukunft eine zentrale Rolle beim Testen und Behandeln der Patienten spielen. Die Therapien sind bereits so vereinfacht worden, dass sie nicht mehr in spezialisierten Zentren erfolgen müssen. In diesem Zusammenhang haben wir das Hep- Care-Projekt (Details auf www.hepcare. ch) lanciert. Es ermöglicht Hausärzten, ihre HCV-Patienten zu behandeln. Dazu haben wir ein Netzwerk von Spezialisten aufgebaut, die auf Basis eines Aktenkonsils die Therapie für die Hausärzte verschreiben. Die Resonanz auf das Programm ist bisher sehr gut.</p></p>