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Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen!
DAM
Autor:
Dr. Christian Euler
Präsident des ÖHV<br> E-Mail: ch.euler@a1business.at
30
Min. Lesezeit
13.10.2016
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<p class="article-intro">„Guat is gangen, nix is gschehn“, damit soll nun Schluss sein.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) über die Anfechtung der Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten hat in mehreren Wellen für Unerwartetes gesorgt, eines aber jedenfalls gezeigt: Es soll Schluss sein mit dem urösterreichischen „Guat is gangen, nix is gschehn“. Irgendwo muss eine Grenze sein für die eigenmächtige Abweichung von gültigen Rechtsnormen und geduldete Schlamperei, besonders wenn staatsnahe Institutionen agieren, die mit ihrem Handeln ein Beispiel für tadellose Gesetzestreue sein müssen. <br />Das beliebte und allzu oft bewährte „Schaffen Sie Fakten!“, verbunden mit der Hoffnung, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen sich dann diesen Fakten anpassen werden, beruht auf der gleichen Selbstgerechtigkeit, die im Volksmund „Wer lang fragt, geht weit irr“ heißt. <br />Bei den Gesundheitsreformern scheinen die Botschaft der VfGH-Entscheidung und deren Folgen jedenfalls bis jetzt nichts bewirkt zu haben. Es werden unverzagt Steuergelder ungenannten Ausmaßes in ELGA, deren Rechtsgrundlage auf Sand gebaut sein könnte, investiert. Auch wenn seit Monaten verschleppt und unbearbeitet, liegt doch ein fundierter Antrag auf Aufhebung des ELGA-Gesetzes beim VfGH, der darüber irgendwann entscheiden wird müssen. Es ist unverständlich, dass diese Entscheidung in einer Sache, die täglich Tausende Euro verschlingt, nicht von allen Betroffenen vehement eingefordert wird. <br />ELGA ist das unbestritten vorrangige gesundheitspolitische Anliegen bereits mehrerer Regierungen. Können sich die Verantwortlichen diese offenen rechtlichen Fragen leisten? Handeln sie wirklich mit der Mentalität eines Schrebergärtners, der seine Hütte um 50cm breiter baut als in der Bauordnung festgeschrieben und hofft, es kommt keiner drauf, es zeigt ihn keiner an, und wenn doch, so lässt ihn niemand seinen Zubau wieder wegreißen? – „Schaffen Sie Fakten!“ <br />Dieselbe Schrebergartenmentalität dürfte die „Primary Health Care Center“(PHC)-Fanatiker befallen haben. Die Basis für bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen dieser mit Heilsversprechen überladenen primären Versorgungszentren lässt auf sich warten. Das stört profilierungssüchtige Lokalkaiser aus Politik und Medizin wenig. Sie bauen an ihren der Primärversorgung gewidmeten Schrebergartenhütten mit selbstgerechtem Sendungsbewusstsein. Abgesegnet von den Landeshauptleuten degeneriert eine bundesweit gedachte Idee zu mehrfacher lokaler Engstirnigkeit. <br />Als deklarierte Skeptiker gegenüber ELGA und primären Versorgungszentren könnten wir uns freuen, denn mit dem hier beschriebenen Geist werden die Misserfolgsgeschichten mit Sicherheit fortgeschrieben. Als Bürger aber muss es uns stören, dass nicht kritische Vernunft, sondern unkritische Selbstgefälligkeit den Sand ins Getriebe der Reformideen rieseln lässt. Auch stört uns, dass Rechtssicherheit untergraben wird und sich deshalb große Investitionssummen aus Steuergeldern nur allzu rasch als verlorenes Risikokapital entpuppen könnten.</p></p>
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