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Wirtschaft

Brauchen wir alternative Honorierungsmodelle?

<p class="article-intro">Mein Thema der vergangenen Ausgaben war der finanzielle Aufbau der allgemeinmedizinischen Ordinationen in Österreich. Zusammenfassend kann man Folgendes sagen: Ein großer organisatorischer Aufwand in den Ordinationen sorgt dafür, dass in Summe ein enormer Umsatz erwirtschaftet werden muss, um als Allgemeinmediziner ein adäquates Einkommen zu erzielen – von dem man jedoch bei Weitem nicht reich wird.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die Abrechnungsmodalit&auml;ten der Kassen sorgen zus&auml;tzlich daf&uuml;r, dass f&uuml;r das Erreichen dieses Umsatzes unz&auml;hlige minimal entlohnte Einzelleistungen abgerechnet werden m&uuml;ssen, was auch den hohen internen Aufwand erkl&auml;rt. Diese Interaktion f&uuml;hrt dazu, dass viele typische allgemeinmedizinische Leistungen auf der Strecke bleiben, denn sie werden nicht kostendeckend entlohnt. Also k&ouml;nnen sie in einer allgemeinmedizinischen Ordination aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht durchgef&uuml;hrt werden.<br /> &Ouml;sterreich hat in diesem Zusammenhang mehrere Probleme: Einerseits werden unz&auml;hlige Leistungen aus diesen Gr&uuml;nden entweder gar nicht geleistet oder sie werden auf Ebenen verlagert, auf die sie nicht hingeh&ouml;ren. Und beides macht das Gesamtsystem irrsinnig teuer. Sei es durch Behandlungen am falschen Ort, wo allgemeinmedizinische Leistungen korrekt durchgerechnet dann locker einmal mindestens das Zehnfache kosten. Oder sei es durch Folgesch&auml;den aufgrund von notwendigen, aber nicht durchgef&uuml;hrten allgemeinmedizinischen Behandlungen, die dann ebenfalls teuer in den Spit&auml;lern nachbehandelt werden m&uuml;ssen, wenn es nicht mehr vermeidbar ist.<br /> Ein Folgeproblem ist der mangelnde &Auml;rztenachwuchs. Die Standespolitik predigt seit Jahrzehnten, dass ein Mangel an Jung&auml;rzten im System droht. Und das, obwohl wir in &Ouml;sterreich ausreichend &Auml;rztinnen und &Auml;rzte ausbilden. Leider reduziert die Politik das &auml;rztliche Dasein auf &bdquo;Geldverdienen&ldquo; und macht sich keinerlei Gedanken &uuml;ber die W&uuml;nsche und vor allem die Ziele der Jung&auml;rzteschaft. Wenn man sich f&uuml;r diesen Beruf entschieden hat, dann hat das seine Gr&uuml;nde. Unter anderem weil man Menschen helfen m&ouml;chte, und zwar mit dem, was man gelernt hat. Man m&ouml;chte seiner Ausbildung und seinen medizinischen Neigungen entsprechend arbeiten k&ouml;nnen.<br /> Wer sich jedoch unser System ansieht und die politischen Diskussionen verfolgt, der erkennt ganz schnell, dass das System in Schieflage geraten ist. Die Allgemeinmediziner sind l&auml;ngst zu reinen Kostenfaktoren degradiert, die in der t&auml;glichen Praxis viel mehr zu tun haben, als f&uuml;r eine vern&uuml;nftige Prim&auml;rversorgung zu sorgen. Daran &auml;ndern auch die teilweise schon er&ouml;ffneten, mit Geld und Sondervereinbarungen subventionierten, sogenannten Prim&auml;rversorgungszentren nichts. Ein junger Allgemeinmediziner m&ouml;chte das tun, was er gelernt hat. Er m&ouml;chte Prim&auml;rversorgung betreiben.<br /> Daher m&uuml;ssen wir daf&uuml;r sorgen, dass im System echte Prim&auml;rversorgung m&ouml;glich ist, und zwar fl&auml;chendeckend. Damit w&uuml;rden wir einige der bestehenden Probleme l&ouml;sen. Wie geht das? In einer allgemeinmedizinischen Ordination soll all das kostendeckend gemacht werden, was dort aus fachlicher und technischer Sicht gemacht werden kann. Zu diesem Zweck muss der Leistungskatalog dramatisch vereinfacht werden, wobei die &auml;rztliche T&auml;tigkeit entweder an Pauschalen, die &auml;rztliche Arbeitszeit oder an ein cleveres Mischsystem angelehnt werden muss. Parallel dazu m&uuml;ssen &auml;rztliche Kooperationsformen &ndash; auch die Anstellung von &Auml;rzten bei &Auml;rzten &ndash; im Rahmen des Kassensystems erlaubt werden bzw. viel einfacher m&ouml;glich sein.<br /> Um diese Fantasien wahr werden zu lassen, bedarf es leider zweier Grundvoraussetzungen: Einerseits ben&ouml;tigen wir mindestens doppelt so viele Allgemeinmediziner im Rahmen des Kassensystems als derzeit. Die gibt es schlicht und einfach nicht. Andererseits brauchen wir clevere Steuerungsmechanismen. Eine strikte Trennung des Spitalsbereichs vom niedergelassenen Bereich ist n&auml;mlich kontraproduktiv im Sinne einer echten Prim&auml;rversorgung.</p></p>
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