©
Getty Images/iStockphoto
„Bei Fortbildungen kompensieren wir ein Systemversagen“
Jatros
30
Min. Lesezeit
16.05.2019
Weiterempfehlen
<p class="article-intro">In einem Gespräch zum Thema, weshalb die pharmazeutische Industrie Fortbildungen für Ärzte unterstützt, betont der Generalsekretär der Pharmig, dass sich die Industrie an klare Linien solcher Fortbildungen halten muss und auch hält. Aus seiner Sicht wird Fortbildung aufgrund der immer komplexer werdenden Medizin auch zunehmend an Bedeutung gewinnen.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p><strong>Die Pharmaindustrie in Österreich unterstützt eine Vielzahl von Fortbildungen für Ärzte. Warum ist aus Ihrer Sicht diese Fortbildung so wichtig?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Aus unserer Sicht ist es essenziell, dass Ärzte über neue Entwicklungen und Innovationen, die von der pharmazeutischen Industrie betrieben und beforscht werden, auf dem Laufenden sind. Man kann das mit einer Produktschulung, wie sie auch in anderen Bereichen erfolgt, vergleichen. So müssen beispielsweise auch Auto- oder Flugzeughersteller verschiedene Personen zu ihren Produkten schulen und auf dem aktuellen Stand halten. Der Hersteller weiß, wie man mit dem Produkt umgeht, wie man es appliziert, wo man es anwendet und wo nicht. Er weiß auch, was die zum Teil langjährige Forschung ergeben hat.</p> <p><strong>&Welche sind die wichtigsten Richtlinien, die Unternehmen, Vortragende und Veranstalter unterstützter Fortbildungen einhalten müssen?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Akademie der Ärzte regeln die Zusammenarbeit zwischen Sponsoren und Fortbildungsanbietern zur Erlangung von DFPPunkten sehr genau. Insbesondere muss diese offengelegt werden. Zusätzlich haben wir in der pharmazeutischen Industrie bzw. Pharmig auch unseren eigenen Verhaltenskodex. So dürfen Fortbildungsveranstaltungen keinen wie auch immer gearteten Freizeitcharakter haben. Weiters darf ein Sponsor Fortbildungsunterlagen, die an Ärzte ausgegeben werden, inhaltlich nicht gestalten und beeinflussen. Darüber hinaus darf die Fortbildung keinen Marketingcharakter haben und nur Forschungsergebnisse vermitteln. Basierend unter anderem auf diesen Informationen entscheidet aber letztlich der Arzt, welche Therapie für welchen Patienten die richtige ist. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die Industrie ein Systemversagen kompensiert. Sie unterstützt die Ärzte in der Fortbildung, weil es sonst keiner macht.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Diabetes_1902_Weblinks_a4-1.jpg" alt="" width="592" height="465" /></p> <p><strong>Aber muss diese Fortbildung gratis sein, damit sie angenommen wird?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Ärzte verdienen, gemessen am allgemeinen Durchschnittseinkommen, in der Regel zwar gut, dennoch kann man ihnen nicht zumuten, die Teilnahme an allen Veranstaltungen und Fortbildungen selbst zu bezahlen, da diese mitunter sehr teuer sind. Sie verdienen auch nicht so gut, dass sie sich auf allen Gebieten, die für den Beruf notwendig sind, ständig weiterbilden könnten. Zudem hat sich die Medizin im Laufe der Zeit immer weiter spezialisiert, sodass Fortbildungen zu bestimmten Indikationen zum Teil im kleinen Spezialistenkreis in dislozierten Gegenden der Welt stattfinden. Dennoch benötigen wir als Gesellschaft dieses Wissen und es kostet den einzelnen Arzt viel Geld, dieses Wissen zu erwerben. Daher unterstützt die Industrie dies sehr gerne. Dies hilft dem Arzt im Kontakt mit den Patienten, was auch im Interesse der Industrie ist, denn diese arbeitet ausschließlich patientenorientiert. Zugegebenermaßen könnten auch der Staat oder andere Institutionen diese Fortbildung übernehmen. Da dies aber keiner in dieser Breite macht, springt die Industrie ein.</p> <p><strong>Neben unterstützten Fortbildungsformen gibt es eine steigende Zahl an Angeboten, für die Ärzte etwas bezahlen müssen. Wo sehen Sie die Vorteile solcher Angebote gegenüber konventionellen Formen?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Ich sehe dabei keinen Vorteil. Es ist aber das gute Recht, eine Fortbildung anzubieten, bei der Ärzte für die Teilnahme bezahlen müssen. Hinterfragen würde ich, ob eine solche Veranstaltung an Orten stattfinden muss, die einen hohen Freizeitcharakter haben. Es kann natürlich ein Zusatznutzen für Ärzte sein, wenn das eine oder andere Freizeitprogramm in nicht allzu großer Reichweite ist, es ist aber nicht das, was die Industrie unter Weiterbildungsveranstaltungen versteht. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass nur Veranstaltungen unterstützt werden, die frei von jedem Freizeit- oder Unterhaltungsprogramm sind. Es gibt diesbezüglich strenge Regeln, an die sich Unternehmen halten müssen, wenn sie eine Veranstaltungen unterstützen wollen. Das Arzneimittelgesetz und unser Verhaltenscodex sprechen da eine ganz klare Sprache.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Diabetes_1902_Weblinks_a4-2.jpg" alt="" width="596" height="424" /></p> <p><strong>In welche Richtung wird sich die Ärztefortbildung entwickeln?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Die Ärztefortbildung wird immer ein relevanter Teil sein, denn die pharmazeutische Industrie forscht unermüdlich. Derzeit wird sehr stark im onkologischen Bereich geforscht, weil noch ein weitgehend unerforschtes Gebiet vor uns liegt. Außerdem gibt es vonseiten der Patienten und der Familien der Patienten eine sehr große Nachfrage und einen hohen Erfolgsdruck auf die Industrie. Daher sind auch entsprechende Weiterbildungsveranstaltungen sinnvoll und notwendig. Fortbildungsmaßnahmen werden auch durch die zunehmende Spezialisierung der Ärzte immer wichtiger.</p> <p><strong><em>Vielen Dank für das Gespräch!</em></strong></p></p>
Das könnte Sie auch interessieren:
Wie oft wird Diabetes nicht oder spät erkannt?
Im Allgemeinen wird von einer hohen Dunkelziffer an Personen mit undiagnostiziertem Typ-2-Diabetes ausgegangen. Ein Teil davon sind von Ärzten „übersehene“ Fälle. Eine von der University ...
Neue Studiendaten zu Typ-2-Diabetes und Lebensstil
Dass gesunde Ernährung und Bewegung das Diabetesrisiko sowie verschiedene Risiken von Patienten mit Diabetes senken, ist seit Langem bekannt. Und das Detailwissen zur Bedeutung von ...
Diabetes erhöht das Sturzrisiko deutlich
Eine dänische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl Patienten mit Typ-1- als auch Patienten mit Typ-2-Diabetes öfter stürzen und häufiger Frakturen erleiden als Menschen aus einer ...