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Berufsdermatosen

Prävention statt Pension

<p class="article-intro">Berufsdermatosen sind zumeist Kontaktekzeme, hinter denen sich häufig eine Allergie verbirgt. Eine Primärprävention besteht nicht so sehr aus Verboten, sondern aus Informationen zum sicheren Umgang mit Gefahren am Arbeitsplatz.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Ein Bauarbeiter mit Ende 40, der allergisch auf das im Zementstoff enthaltene Chromat reagiert: Der Allergenkontakt sei nicht zu vermeiden und eine Umschulung nicht sinnvoll, hie&szlig; es noch vor wenigen Jahrzehnten. Als einziger Ausweg blieb meist nur die Invalidit&auml;tspension. Vieles hat sich seitdem ge&auml;ndert: Bauarbeiter tragen Handschuhe, der Zement ist Chromat-arm und Schutz- und Pflegema&szlig;nahmen werden vom Arbeitgeber ergriffen. Die Meldungen von berufsbedingten Krankheiten erfolgt meist fr&uuml;her, die AUVA bietet Schulungen an, nimmt Betriebs- und Arbeitsplatzbesichtigungen vor und ber&auml;t &uuml;ber bessere organisatorische Abl&auml;ufe. Auch das soziale Netz ist dichter. Dennoch ist ein berufsbezogenes Risikoverhalten, etwa das Arbeiten mit nacktem Oberk&ouml;rper bei starker Sonnenexposition, nach wie vor wahrzunehmen.</p> <h2>Zweith&auml;ufigste Berufserkrankung</h2> <p>Nach der L&auml;rmschwerh&ouml;rigkeit, die meist im Alter manifest wird, sind Berufsdermatosen die zweith&auml;ufigste Berufserkrankung. Sie betreffen h&auml;ufig junge Menschen, Umschulungen sind problematisch. Bestimmte Berufe sind von Hauterkrankungen st&auml;rker betroffen: Friseure 27 % , Metall- 15 % , Lebensmittel-, Gastro- 11 % , Bau- 10 % , Gesundheits- 9 % , Reinigungsberufe 6 % , sonstige Berufe 22 % (Quelle: AUVA).</p> <p>&bdquo;Berufsdermatologen k&ouml;nnen mit einer korrekten Diagnostik und Beratung Hilfe beim sicheren Arbeiten geben&ldquo;, erkl&auml;rt Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer, Universit&auml;tsklinik f&uuml;r Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universit&auml;t Graz. Das illustriert auch ein zweites Beispiel: Eine 21-j&auml;hrige Hilfsk&ouml;chin hatte ein Handekzem. Ihre Job Description beinhaltete putzen, Salat waschen und mit Fleisch bzw. Fisch &bdquo;hantieren&ldquo;. Eine umfassende Diagnostik ergab eine Allergie auf Meeresfr&uuml;chte. &bdquo;Fortan wurde der Kontakt mit Meeresfr&uuml;chten vermieden, mit dem Resultat, dass die Patientin beschwerdefrei ist und ihren Beruf weiter ohne Probleme aus&uuml;ben kann&ldquo;, so Aberer. Der Arbeitgeber ist zur Beachtung des allgemeinen Arbeitsschutzes verpflichtet, dazu geh&ouml;rt die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Arbeitsorganisation, das Bereitstellen geeigneter Arbeitsmittel und die Begrenzung der Gefahrstoffe. Mit Methoden wie St&auml;rkung der Motivation und der Gesundheitskompetenz kann gesundheitssch&auml;dliches Verhalten reduziert bzw. gesundheitsf&ouml;rderliches Verhalten unterst&uuml;tzt werden. Auch der Gesetzgeber kann durch Gesetze und Vorschriften, Sanktionsma&szlig;nahmen sowie Anreiz- und Bestrafungssysteme das Verhalten des Einzelnen beeinflussen.</p> <h2>Gesundheitserhaltende Rahmenbedingungen schaffen</h2> <p>Herrschte fr&uuml;her die allgemeine Ansicht, dass das Thema Pr&auml;vention nicht ins Krankenhaus geh&ouml;rt, hat sich heute das Thema &bdquo;Prophylaxe&ldquo; mit Medikamenten, Impfungen und Screenings als neuer medizinischer Markt etabliert. &bdquo;Aber einer wirklich effizienten Pr&auml;vention, n&auml;mlich der Schaffung gesundheitserhaltender Rahmenbedingungen, einem gesundheitsf&ouml;rdernden Umfeld, der Investition in die Bildung im Bereich der Gesundheitskompetenz, einer gesunden Arbeitswelt und einem fairen Einkommen wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt&ldquo;, kritisiert Aberer.<br /> Die Zahlen scheinen das zu best&auml;tigen: Im Jahr 2012 betrugen die Gesundheitsausgaben in &Ouml;sterreich 32,3 Milliarden Euro (Quelle: Statistik Austria), Tendenz seither steigend. Der &uuml;berwiegende Anteil in der Vorsorge geht in die sekund&auml;re (Fr&uuml;herkennung und Impfprogramme) und in die terti&auml;re Pr&auml;vention (Rehabilitation und Kuren) sowie in die Verwaltung.</p> <p>&bdquo;Allein durch Beratung und Pr&auml;vention k&ouml;nnen zahlreiche Krankenst&auml;nde vermieden werden, was mit einer dramatischen Kostensenkung einhergeht&ldquo;, sagt Aberer. Viele k&ouml;nnen dadurch ihren Beruf weiterhin aus&uuml;ben, was ihnen ansonsten nicht gel&auml;nge, wie auch eine Studie unter Friseurinnen und Friseuren zeigen konnte.<sup>1</sup><br /> Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden &ndash; beginnend 2015 in der Steiermark und seit 2018 fl&auml;chendeckend in ganz &Ouml;sterreich &ndash; Hautsprechstunden mit Dermatologen und Arbeitsmedizinern als &bdquo;Anlaufstellen&ldquo; f&uuml;r alle dermatologischen Fragestellungen eingerichtet. Daneben werden &bdquo;Intensivseminare&ldquo; mit Impulsvortr&auml;gen, Kleingruppenarbeiten und individuellen Beratungsgespr&auml;chen angeboten. Ebenfalls 2015 wurde in der Rehaklinik Tobelbad in Graz eine dermatologische Einrichtung, in der Diagnostik, Gesundheitsf&ouml;rderung und Simulationstraining mit Schutzausr&uuml;stung angeboten werden, er&ouml;ffnet.<sup>2</sup></p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), 29. November bis 1. Dezember 2018, Innsbruck </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Wulfhorst B et al.: Int Arch Occup Environ Health 2010; 83(2): 165-71 <strong>2</strong> Wilfinger D, Aberer W: Curriculum Berufsdermatologie &ndash; Neues Pr&auml;ventionsmodell in &Ouml;sterreich. J Deutsch Dermatol Ges 2017; 15(5): 591-3</p> </div> </p>
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