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Prävention statt Pension
Jatros
30
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14.03.2019
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<p class="article-intro">Berufsdermatosen sind zumeist Kontaktekzeme, hinter denen sich häufig eine Allergie verbirgt. Eine Primärprävention besteht nicht so sehr aus Verboten, sondern aus Informationen zum sicheren Umgang mit Gefahren am Arbeitsplatz.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Ein Bauarbeiter mit Ende 40, der allergisch auf das im Zementstoff enthaltene Chromat reagiert: Der Allergenkontakt sei nicht zu vermeiden und eine Umschulung nicht sinnvoll, hieß es noch vor wenigen Jahrzehnten. Als einziger Ausweg blieb meist nur die Invaliditätspension. Vieles hat sich seitdem geändert: Bauarbeiter tragen Handschuhe, der Zement ist Chromat-arm und Schutz- und Pflegemaßnahmen werden vom Arbeitgeber ergriffen. Die Meldungen von berufsbedingten Krankheiten erfolgt meist früher, die AUVA bietet Schulungen an, nimmt Betriebs- und Arbeitsplatzbesichtigungen vor und berät über bessere organisatorische Abläufe. Auch das soziale Netz ist dichter. Dennoch ist ein berufsbezogenes Risikoverhalten, etwa das Arbeiten mit nacktem Oberkörper bei starker Sonnenexposition, nach wie vor wahrzunehmen.</p> <h2>Zweithäufigste Berufserkrankung</h2> <p>Nach der Lärmschwerhörigkeit, die meist im Alter manifest wird, sind Berufsdermatosen die zweithäufigste Berufserkrankung. Sie betreffen häufig junge Menschen, Umschulungen sind problematisch. Bestimmte Berufe sind von Hauterkrankungen stärker betroffen: Friseure 27 % , Metall- 15 % , Lebensmittel-, Gastro- 11 % , Bau- 10 % , Gesundheits- 9 % , Reinigungsberufe 6 % , sonstige Berufe 22 % (Quelle: AUVA).</p> <p>„Berufsdermatologen können mit einer korrekten Diagnostik und Beratung Hilfe beim sicheren Arbeiten geben“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz. Das illustriert auch ein zweites Beispiel: Eine 21-jährige Hilfsköchin hatte ein Handekzem. Ihre Job Description beinhaltete putzen, Salat waschen und mit Fleisch bzw. Fisch „hantieren“. Eine umfassende Diagnostik ergab eine Allergie auf Meeresfrüchte. „Fortan wurde der Kontakt mit Meeresfrüchten vermieden, mit dem Resultat, dass die Patientin beschwerdefrei ist und ihren Beruf weiter ohne Probleme ausüben kann“, so Aberer. Der Arbeitgeber ist zur Beachtung des allgemeinen Arbeitsschutzes verpflichtet, dazu gehört die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Arbeitsorganisation, das Bereitstellen geeigneter Arbeitsmittel und die Begrenzung der Gefahrstoffe. Mit Methoden wie Stärkung der Motivation und der Gesundheitskompetenz kann gesundheitsschädliches Verhalten reduziert bzw. gesundheitsförderliches Verhalten unterstützt werden. Auch der Gesetzgeber kann durch Gesetze und Vorschriften, Sanktionsmaßnahmen sowie Anreiz- und Bestrafungssysteme das Verhalten des Einzelnen beeinflussen.</p> <h2>Gesundheitserhaltende Rahmenbedingungen schaffen</h2> <p>Herrschte früher die allgemeine Ansicht, dass das Thema Prävention nicht ins Krankenhaus gehört, hat sich heute das Thema „Prophylaxe“ mit Medikamenten, Impfungen und Screenings als neuer medizinischer Markt etabliert. „Aber einer wirklich effizienten Prävention, nämlich der Schaffung gesundheitserhaltender Rahmenbedingungen, einem gesundheitsfördernden Umfeld, der Investition in die Bildung im Bereich der Gesundheitskompetenz, einer gesunden Arbeitswelt und einem fairen Einkommen wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt“, kritisiert Aberer.<br /> Die Zahlen scheinen das zu bestätigen: Im Jahr 2012 betrugen die Gesundheitsausgaben in Österreich 32,3 Milliarden Euro (Quelle: Statistik Austria), Tendenz seither steigend. Der überwiegende Anteil in der Vorsorge geht in die sekundäre (Früherkennung und Impfprogramme) und in die tertiäre Prävention (Rehabilitation und Kuren) sowie in die Verwaltung.</p> <p>„Allein durch Beratung und Prävention können zahlreiche Krankenstände vermieden werden, was mit einer dramatischen Kostensenkung einhergeht“, sagt Aberer. Viele können dadurch ihren Beruf weiterhin ausüben, was ihnen ansonsten nicht gelänge, wie auch eine Studie unter Friseurinnen und Friseuren zeigen konnte.<sup>1</sup><br /> Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden – beginnend 2015 in der Steiermark und seit 2018 flächendeckend in ganz Österreich – Hautsprechstunden mit Dermatologen und Arbeitsmedizinern als „Anlaufstellen“ für alle dermatologischen Fragestellungen eingerichtet. Daneben werden „Intensivseminare“ mit Impulsvorträgen, Kleingruppenarbeiten und individuellen Beratungsgesprächen angeboten. Ebenfalls 2015 wurde in der Rehaklinik Tobelbad in Graz eine dermatologische Einrichtung, in der Diagnostik, Gesundheitsförderung und Simulationstraining mit Schutzausrüstung angeboten werden, eröffnet.<sup>2</sup></p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie
und Venerologie (ÖGDV), 29. November bis
1. Dezember 2018, Innsbruck
</p>
<p class="article-footer">
<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Wulfhorst B et al.: Int Arch Occup Environ Health 2010; 83(2): 165-71 <strong>2</strong> Wilfinger D, Aberer W: Curriculum Berufsdermatologie – Neues Präventionsmodell in Österreich. J Deutsch Dermatol Ges 2017; 15(5): 591-3</p>
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