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Brennpunkt Ernährung
DAM
Autor:
Christa Preschitz
Quelle: „Fisch ist nicht Fisch und Fleisch ist nicht Fleisch – über den Stellenwert der Qualität in der Ernährung“, 29. Oktober 2014, Gesellschaft der Ärzte in Wien, Billrothhaus
30
Min. Lesezeit
11.12.2014
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<p class="article-intro">Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fertigprodukten und der Zunahme von Unverträglichkeiten in der Allgemeinbevölkerung? Wie sinnvoll ist generell der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln? Diesen und anderen Fragen der Ernährungswissenschaft widmete sich ein prominent besetztes Symposium im Wiener Billrothaus.</p>
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<p class="article-content"><h2>Nahrungsunverträglichkeiten</h2> <p>„Gibt es einen Zusammenhang zwischen der momentan grassierenden Welle an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und der zunehmenden Verwendung von Fertigprodukten in unserer Ernährung?“, so die einleitende Frage von Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer, Krankenhaus Wien-Hietzing. Die Inzidenzraten von Unverträglichkeiten stiegen mit der Industrialisierung auf das Dreifache an. Offensichtlich gehen mit dem Prozess der Industrialisierung Faktoren einher, die das Auftreten von Unverträglichkeiten bis hin zu Darmerkrankungen begünstigen. Dieser Trend ist etwa am Beispiel der Zöliakie erkennbar. In den letzten 50 Jahren kam es in unterschiedlichen Weizensorten zu einem Anstieg auf das 10-Fache des ursprünglichen Glutenwerts. Dies geschah vor allem im Interesse einer besseren Verarbeitbarkeit beim Backen (Klebereiweiß) und führte zu einem drastischen Zuwachs an Glutenunverträglichkeiten. Gluten selbst verbessert die Löslichkeit der Nahrung und kann in manchen Fällen die biologisch dichte Darmbarriere angreifen und aufbrechen. Letzteres ist bei Zöliakiepatienten der Fall, kann aber auch bei Gesunden mit Unverträglichkeiten auftreten.</p> <p>Daneben ist in den letzten Jahrzehnten auch ein Anstieg der Zahl der Unverträglichkeiten von Fruktose zu verzeichnen. Dies korreliert vor allem mit dem zunehmenden Einsatz von industriell hergestellter Fruktose, die immer häufiger in Lebensmitteln wie in Tiefkühlnahrung, Ketchup oder diversen Softdrinks zu finden ist. So führten in Untersuchungen bereits etwa 25–50mg industrielle Fruktose bei 50 % der Probanden zu Bauchbeschwerden. Hier korreliert die Malabsorption des Fruchtzuckers mit der verzehrten Menge. Auch andere industrielle Faktoren werden verdächtigt, im Hinblick auf Unverträglichkeiten eine tragende Rolle zu spielen. Zu diesen zählen neben Gluten und Fruktose auch Laktose, Tenside, Füll- und Farbstoffe, Antibiotika (in der Tierzucht), genmanipulierte Organismen (GMO) und Auswirkungen von Kühlung und Lagerung.</p> <p>Rund 20–30 % der Bevölkerung leiden laut eigenen Angaben an einer Nahrungsunverträglichkeit; Tendenz steigend. Oft sind Mediziner allerdings mit Patienten konfrontiert, die sich mit selbst angeeignetem Wissen oder Selbstmedikation an sie wenden, was eine genaue Diagnose und Behandlung zusätzlich erschweren kann.</p> <h2>Nahrungsergänzungsmittel (NEM) – Sinn oder Unsinn?</h2> <p>Entgegen anderslautenden Meinungen sind Nahrungsergänzungsmittel nicht vorrangig ein sportmedizinisches Problem. Knapp 30 % der Kinder in Industrieländern erhalten vorbeugende Präparate wie Eiweiße, Vitamine und homöopathische Mittel. Sowohl im Sport als auch im alltäglichen Leben sind Kraft- und Ausdaueraufbau und der Versuch, das Krankheitsrisiko zu minimieren, die Motivation für die Einnahme solcher NEM. Vor allem Vitaminpräparate und Molkenproteine sind beliebt. Verschrieben werden diese hauptsächlich von Trainern bzw. ohne Arztkonsultation als Selbstmedikation. Allerdings gibt es kaum Studien, die eine leistungssteigernde Wirkung von NEM belegen würden.</p> <p>Wie Univ.-Prof. Dr. Peter Schober, Leiter der Sportmedizinischen Untersuchungsstelle des Landes Steiermark, betonte, ist der Einsatz von NEM erst dann sinnvoll, wenn der Bedarf an Nährstoffen durch die natürliche Kost nicht mehr abgedeckt werden kann. Denn der Bedarf sollte bei richtiger Ernährung optimal gedeckt sein, was die zusätzliche Einnahme von NEM – außer aus medizinischen Gründen – nicht sinnvoll erscheinen lässt.</p> <p>So war es das Ziel einer umfassenden Metaanalyse, die im „Journal of Applied Physiology“ publiziert wurde, die Wirksamkeit von NEM zu quantifizieren. Dabei wurde eruiert, welche der 250 getesteten NEM, die in einem Zeitraum von 35 Jahren (1967–2002) untersucht worden waren, eine Zunahme an Muskelmasse und Kraft bewirkt hatten. Das Ergebnis: Mit nur 6 NEM waren mehr als 2 Studien durchgeführt worden und nur ein einziges NEM erwies sich als wirksam (Keratin).</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: „Fisch ist nicht Fisch und Fleisch ist nicht Fleisch –
über den Stellenwert der Qualität in der Ernährung“,
29. Oktober 2014, Gesellschaft der Ärzte in Wien, Billrothhaus
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