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Brennpunkt Ernährung

<p class="article-intro">Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fertigprodukten und der Zunahme von Unverträglichkeiten in der Allgemeinbevölkerung? Wie sinnvoll ist generell der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln? Diesen und anderen Fragen der Ernährungswissenschaft widmete sich ein prominent besetztes Symposium im Wiener Billrothaus.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Nahrungsunvertr&auml;glichkeiten</h2> <p>&bdquo;Gibt es einen Zusammenhang zwischen der momentan grassierenden Welle an Nahrungsmittelunvertr&auml;glichkeiten und der zunehmenden Verwendung von Fertigprodukten in unserer Ern&auml;hrung?&ldquo;, so die einleitende Frage von Univ.-Prof. Dr. Ludwig Kramer, Krankenhaus Wien-Hietzing. Die Inzidenzraten von Unvertr&auml;glichkeiten stiegen mit der Industrialisierung auf das Dreifache an. Offensichtlich gehen mit dem Prozess der Industrialisierung Faktoren einher, die das Auftreten von Unvertr&auml;glichkeiten bis hin zu Darmerkrankungen beg&uuml;nstigen. Dieser Trend ist etwa am Beispiel der Z&ouml;liakie erkennbar. In den letzten 50 Jahren kam es in unterschiedlichen Weizensorten zu einem Anstieg auf das 10-Fache des urspr&uuml;nglichen Glutenwerts. Dies geschah vor allem im Interesse einer besseren Verarbeitbarkeit beim Backen (Klebereiwei&szlig;) und f&uuml;hrte zu einem drastischen Zuwachs an Glutenunvertr&auml;glichkeiten. Gluten selbst verbessert die L&ouml;slichkeit der Nahrung und kann in manchen F&auml;llen die biologisch dichte Darmbarriere angreifen und aufbrechen. Letzteres ist bei Z&ouml;liakiepatienten der Fall, kann aber auch bei Gesunden mit Unvertr&auml;glichkeiten auftreten.</p> <p>Daneben ist in den letzten Jahrzehnten auch ein Anstieg der Zahl der Unvertr&auml;glichkeiten von Fruktose zu verzeichnen. Dies korreliert vor allem mit dem zunehmenden Einsatz von industriell hergestellter Fruktose, die immer h&auml;ufiger in Lebensmitteln wie in Tiefk&uuml;hlnahrung, Ketchup oder diversen Softdrinks zu finden ist. So f&uuml;hrten in Untersuchungen bereits etwa 25&ndash;50mg industrielle Fruktose bei 50 % der Probanden zu Bauchbeschwerden. Hier korreliert die Malabsorption des Fruchtzuckers mit der verzehrten Menge. Auch andere industrielle Faktoren werden verd&auml;chtigt, im Hinblick auf Unvertr&auml;glichkeiten eine tragende Rolle zu spielen. Zu diesen z&auml;hlen neben Gluten und Fruktose auch Laktose, Tenside, F&uuml;ll- und Farbstoffe, Antibiotika (in der Tierzucht), genmanipulierte Organismen (GMO) und Auswirkungen von K&uuml;hlung und Lagerung.</p> <p>Rund 20&ndash;30 % der Bev&ouml;lkerung leiden laut eigenen Angaben an einer Nahrungsunvertr&auml;glichkeit; Tendenz steigend. Oft sind Mediziner allerdings mit Patienten konfrontiert, die sich mit selbst angeeignetem Wissen oder Selbstmedikation an sie wenden, was eine genaue Diagnose und Behandlung zus&auml;tzlich erschweren kann.</p> <h2>Nahrungserg&auml;nzungsmittel (NEM) &ndash; Sinn oder Unsinn?</h2> <p>Entgegen anderslautenden Meinungen sind Nahrungserg&auml;nzungsmittel nicht vorrangig ein sportmedizinisches Problem. Knapp 30 % der Kinder in Industriel&auml;ndern erhalten vorbeugende Pr&auml;parate wie Eiwei&szlig;e, Vitamine und hom&ouml;opathische Mittel. Sowohl im Sport als auch im allt&auml;glichen Leben sind Kraft- und Ausdaueraufbau und der Versuch, das Krankheitsrisiko zu minimieren, die Motivation f&uuml;r die Einnahme solcher NEM. Vor allem Vitaminpr&auml;parate und Molkenproteine sind beliebt. Verschrieben werden diese haupts&auml;chlich von Trainern bzw. ohne Arztkonsultation als Selbstmedikation. Allerdings gibt es kaum Studien, die eine leistungssteigernde Wirkung von NEM belegen w&uuml;rden.</p> <p>Wie Univ.-Prof. Dr. Peter Schober, Leiter der Sportmedizinischen Untersuchungsstelle des Landes Steiermark, betonte, ist der Einsatz von NEM erst dann sinnvoll, wenn der Bedarf an N&auml;hrstoffen durch die nat&uuml;rliche Kost nicht mehr abgedeckt werden kann. Denn der Bedarf sollte bei richtiger Ern&auml;hrung optimal gedeckt sein, was die zus&auml;tzliche Einnahme von NEM &ndash; au&szlig;er aus medizinischen Gr&uuml;nden &ndash; nicht sinnvoll erscheinen l&auml;sst.</p> <p>So war es das Ziel einer umfassenden Metaanalyse, die im &bdquo;Journal of Applied Physiology&ldquo; publiziert wurde, die Wirksamkeit von NEM zu quantifizieren. Dabei wurde eruiert, welche der 250 getesteten NEM, die in einem Zeitraum von 35 Jahren (1967&ndash;2002) untersucht worden waren, eine Zunahme an Muskelmasse und Kraft bewirkt hatten. Das Ergebnis: Mit nur 6 NEM waren mehr als 2 Studien durchgef&uuml;hrt worden und nur ein einziges NEM erwies sich als wirksam (Keratin).</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: „Fisch ist nicht Fisch und Fleisch ist nicht Fleisch – über den Stellenwert der Qualität in der Ernährung“, 29. Oktober 2014, Gesellschaft der Ärzte in Wien, Billrothhaus </p>
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