Was kann man aus Kliniksuche.at lernen?
Autoren:
Dr. Stephan Brönimann
Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Mesut Remzi, F.E.B.U.
Universitätsklinik für Urologie
Medizinische Universität Wien
Das Projekt „Kliniksuche.at“ entstand aus der Gesundheitsreform 2013 und wird durch die Abteilung für Qualität im Gesundheitssystem und Gesundheitssystemforschung des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gepflegt, welche für die Bereitstellung der Inhalte und die Pflege der Website verantwortlich zeichnet.
Keypoints
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Kliniksuche.at hat das Ziel, eine verständlich aufbereitete Form für die Veröffentlichung von Qualitätsdaten zu finden.
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Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige sollen in die Lage versetzt werden, in Eigenverantwortung zu agieren und sich bestmöglich auf einen bevorstehenden Krankenhausaufenthalt vorzubereiten.
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Kliniksuche.at enthält Informationen zu 45 verschiedene Leistungen und Diagnosen, welche zusammen circa zwei Drittel des operativen Leistungsgeschehens abbilden.
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In der Urologie sind momentan die Eingriffe TUR-B, radikale Zystektomie, Nephrektomie, URS zur Steinsanierung und radikale Prostatektomie verfügbar.
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Aktuell werden lediglich quantitative, nicht jedoch qualitative Daten veröffentlicht.
Die Gesundheitsreform hat neue Schwerpunkte gesetzt, insbesondere im Bereich der Qualitätsmessung und Qualitätsverbesserung. Im Jahr 2010 wurde eine gesamtösterreichische Qualitätsstrategie entwickelt,2012 wurden die operativen Ziele zur Umsetzung der Qualitätsstrategie beschlossen und konkrete Umsetzungsschritte festgelegt. Hierdurch wurde die Möglichkeit geschaffen, bundeseinheitliche Vorgaben für die Erbringung von Gesundheitsleistungen zu entwickeln und umzusetzen. Durch das daraus entstandene Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten (KAKuG, BGBl I Nr. 2011/147) wurden die Teilnahme an der regelmäßigen,österreichweiten Qualitätsberichterstattung und die dafür erforderliche Datenmeldung gesetzlich verankert. Die Grundprinzipien, welche zur Verabschiedung des Gesetzes führten, sind Patientensicherheit, Patientenorientierung, Transparenz und Effizienz sowie Effektivität.
Zudem wurden das Thema Ergebnisqualitätsmessung im Zuge der Gesundheitsreform durch die rechtliche Verankerung des Systems A-IQI („Austrian Inpatient Quality Indicators“) entscheidend vorangetrieben. In A-IQI werden Qualitätsdaten in Krankenhäusern erhoben und jährlich österreichweit veröffentlicht. Es erfolgt jedoch keine Veröffentlichung der Daten getrennt nach Krankenhäusern und Abteilungen, sondern auf Kliniksuche.at werden lediglich quantitative Daten präsentiert. Bei statistischen Auffälligkeiten wird ein Team von Ärztinnen und Ärzten, sogenannten Peers, in das betroffene Krankenhaus gesandt, welches Fälle analysiert und diskutiert, um im Anschluss über Verbesserungsmöglichkeiten mit den Ärztinnen und Ärzten vor Ort (Peer-Review-Verfahren) zu diskutieren. Als weiterer wichtiger Schritt zum Thema Qualität und Transparenz wurde aus den politischen Gremien der Gesundheitsreform der Auftrag erteilt, für die Bevölkerung eine verständlich aufbereitete Form für die Veröffentlichung der Daten zu finden. Dieser Auftrag führte zum Projekt Kliniksuche.at .
Das Ziel war es, Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige in die Lage zu versetzen, in Eigenverantwortung zu agieren und sich bestmöglich auf einen bevorstehenden Krankenhausaufenthalt vorzubereiten. Über diese neutrale Plattform sollen sie zudem bei der Entscheidungsfindung unterstützt werden. Des Weiteren soll die Plattform Impulse setzen und auch die Leistungserbringer dazu anregen, sich noch intensiver mit Qualitätsthemen auseinanderzusetzen. Die Zielgruppe der Homepage sind jedoch die Bürger, wohingegen sich der A-IQI-Bericht und der Qualitätserstattungsbeicht an Experten und Zielsteuerungspartner richten.
Informationen zu Leitungen und Diagnosen
Derzeit werden auf der Homepage Informationen zu 45 verschiedenen Leistungen und Diagnosen gelistet, welche zusammen circa zwei Drittel des operativen Leistungsgeschehens abbilden (Abb.1). Für Eingriffe, die nicht veröffentlicht wurden, besteht die Möglichkeit für Patienten, die Daten anzufragen.
Abb. 1: Auf Kliniksuche.at sind Informationen zu 45 verschiedenen Leistungen und Diagnosen gelistet
Die Datengrundlage hierzu bilden die Krankenhausroutinedaten (LKF) und Daten aus der Plattform „Qualitätsberichterstattung“ und aus dem österreichischen Spitalskompass. In der Urologie sind momentan die Eingriffe TUR-B, radikale Zystektomie, Nephrektomie, URS zur Steinsanierung und radikale Prostatektomie abrufbar. Der Median der Aufenthaltsdauer wird in Tagen angegeben. Als Vergleichswert für den Median ist der bundesweite Vergleichswert angegeben. Zusätzlich werden Angaben dazu gemacht, wie lange der Großteil (80%) der Patienten in Bezug auf den ausgewählten Behandlungsanlass im Krankenhaus verbringt.
Allgemeine Kriterien
Auf Kliniksuche.at werden ebenso 7 allgemeine Kriterien aufgelistet, welche ausgewählte Instrumente zur Qualitätssicherung widerspiegeln. Die Datenquelle hierzu ist die Plattform „Qualitätsberichterstattung“, die alle österreichischen Krankenhäuser in regelmäßigen Abständen mit Informationen ausstatten:
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Patientenorientierung: Ist die Thematik Patientinnen-/Patientenorientierung im ausgewählten Krankenhaus ausreichend im Arbeitsalltag verankert? (Z.B. regelmäßige Befragungen, barrierefreier Zugang, Unterstützung der Gesundheitskompetenz)
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Beschwerde-/Feedbackmanagement: Gibt es ein strukturiertes Beschwerde-/Feedbackmanagement?
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Patientensicherheit/Risikomanagement: Gibt es ein strukturiertes Vorgehen im Umgang mit Risiken, kritischen Ereignissen und Fehlern (Risikomanagement) und werden mehrere unterschiedliche Instrumente dafür eingesetzt?
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Entlassungsmanagement: Ist ein Entlassungsmanagement implementiert?
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Sicherheit im OP: Kommen ausgewählte Qualitätsstandards zum Einsatz, die die Patientensicherheit rund um eine Operation erhöhen? (Qualitätsstandards Patient Blood Management/präoperative Diagnostik)
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Krankenhaushygiene: Ist das Thema Krankenhaushygiene im Arbeitsalltag ausreichend verankert? (Z.B. System zur Überwachung von im Krankenhaus erworbenen Infektionen, Umsetzung des Qualitätsstandards Krankenhaushygiene, regelmäßige Treffen der Expertinnen-/Expertengruppen)
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Mindestanforderungen an Qualitätsmanagement: Werden die festgelegten Mindestanforderungen an Qualitätsmanagement erfüllt? (Insgesamt 36, z.B. regelmäßige Mitarbeiterinnen-/Mitarbeiterbefragung, festgelegte Qualitätsstrategie)
Der Erfüllungsgrad wird je Kriterium und insgesamt dargestellt. Die Farbabstufungen mit den zugehörigen Grafiken zeigen die einzelnen Kriterien an. Im angeführten Beispiel werden die Kriterien „erfüllt“ (dunkelblau), 2 „teilweise erfüllt“ (hellblau) und 1 Kriterium „nicht erfüllt“ (weiß) vergeben. Als erfüllt (z.B. 6 von 7 erfüllt) werden die Erfüllungsgrade „erfüllt“ und „teilweise erfüllt“ gewertet (Abb. 2).
Zudem wird auf der Homepage die Anzahl an durchgeführten Operationen pro Jahr für den ausgewählten Behandlungsanlass angeführt. Für die Einstufung werden alle leistungserbringenden Krankenhäuser mit Ausnahme jener unter 10 Fällen in 4 Quartile unterteilt. Bei einer Fallzahl von unter 10 Fällen wird nicht die genaue Zahl, sondern „<10“ angegeben. Hierdurch ergibt sich im Vergleich zur bundesweiten Bandbreite eine Einstufung in eine der folgenden vier Kategorien:
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nicht bewertbar (bei unter 10 Fällen)
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unter der bundesweiten Bandbreite
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innerhalb der bundesweiten Bandbreite
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über der bundesweiten Bandbreite
Zusätzlich erfolgt die Bearbeitung einzelner Themengebiete in zwei jährlich festgelegten Schwerpunkten. Dieses Peer-Review-Team besteht aus 3 bis 5 Peers aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Herzstück des Verfahrens sind hierbei die gemeinsame Diskussion der Einzelfälle mit den Primarärztinnen und -ärzten vor Ort und eine anschließend gemeinsame Festlegung von Verbesserungsmaßnahmen. Im Jahr 2022 waren dies Insulte und Gynäkologie/Geburtshilfe, im Jahr 2023 werden Herzinsuffizienz und Viszeralchirurgie untersucht. Die gesamten Ergebnisse aus den Verfahren werden jedes Jahr im Herbst im Peer-Review-Follow-up gemeinsam mit allen Entscheidungsträgern, Betroffenen und wissenschaftlichen Gesellschaften diskutiert und bundesweite Verbesserungsmaßnahmen festgelegt.
Literatur:
bei den Verfassern
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