Highlights aus der Uroonkologie vom ASCO 2026
Bericht: Dr. Ine Schmale
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Am diesjährigen ASCO-Kongress wurden zahlreiche spannende Daten zu urologischen Tumoren präsentiert. Wir besprechen in diesem Artikel zwei davon, weitere können Sie in anderen Artikeln vom ASCO lesen.
Urothelkarzinom
Adjuvantes Pembrolizumab beeinflusst Lebensqualität nicht
Hochrisikopatient:innen mit muskelinvasivem Urothelkarzinom haben ein 60- bis 70%iges Risiko, nach radikaler Operation ein Rezidiv zu erleiden. In der Phase-III-Studie AMBASSADOR wurde bei insgesamt 702 Patient:innen die adjuvante Therapie mit Pembrolizumab (200mg, q3w, für 1 Jahr) versus Beobachtung geprüft. Die dualen primären Endpunkte waren das DFS und das OS. Eine Verdopplung des DFS von 14,2 Monaten unter Beobachtung auf 29,6 Monate mit Pembrolizumab wurde bereits veröffentlicht (siehe Apolo AB et al.)1. Beim ASCO-Kongress wurden nun Ergebnisse zu Auswertungen der Fragebögen EORTC QLQ-C30, BLM30 und EQ5D-5L zur Lebensqualität der Patient:innen präsentiert.2
Das mediane Alter der Erkrankten betrug 67 bzw. 68 Jahre. Etwa drei Viertel waren Männer. Die primäre Tumorlokalisation war bei 23% bzw. 21% der Patient:innen im oberen und bei 77% bzw. 79% im unteren Harntrakt. 65% bzw. 63% hatten bereits eine neoadjuvante Therapie erhalten. Im Ergebnis wurde der Schwellenwert für eine spürbare und damit klinisch relevante Verschlechterung unter Pembrolizumab im Vergleich zur Beobachtung für Dyspnoe und das Rollenverhalten berichtet. Zu keinem Zeitpunkt signifikant, aber nach 24 Monaten klinisch relevant verschieden waren die Verschlechterungen der Fatigue und körperlicher Funktionen. Weder signifikant noch klinisch relevant verschieden waren Beeinträchtigungen durch Übelkeit und Erbrechen, Harnwegssymptome, sexuelle Funktionen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität oder die gesamte Lebensqualität.
Fazit
Die adjuvante Therapie mit Pembrolizumab nach radikaler Operation war mit erhöhter Fatigue und Dyspnoe assoziiert, wodurch die körperliche Funktion und das Rollenverhalten leicht beeinträchtigt wurden. Insgesamt wurde aber kein Unterschied bezüglich der gesundheitsbezogenen oder der gesamten Lebensqualität festgestellt.
Prostatakarzinom
Beeinflussung kognitiver Funktionen unter Darolutamid versus Enzalutamid
Strukturelle Unterschiede und präklinische Studien geben Hinweise auf eine geringere Blut-Hirn-Penetration mit Darolutamid im Vergleich zu Enzalutamid, was zu einer Reduktion der Beeinflussung der kognitiven Leistungsfähigkeit unter der Therapie führen könnte. Die Phase-II-Studie ARACOG wurde durchgeführt, um prospektiv die objektive und subjektive kognitive Funktion bei Patient:innen zu untersuchen, die mit Darolutamid versus Enzalutamid behandelt wurden.3 Insgesamt 111 Patient:innen erhielten Darolutamid oder Enzalutamid und konnten nach 12 oder 24 Wochen in den jeweils anderen Studienarm wechseln. Dazu musste der Wechsel gewollt sein und eines der folgenden Ereignisse stattgefunden haben:
-
≥30% Abfall in einem der CANTAB-Module,
-
≥10 Punkte Abfall im FACT-Cog-Fragebogen,
-
Stürze oder erhöhtes Risiko für Stürze nach Einschätzung des Behandelnden,
-
neurologische Toxizität ≥Grad 2.
Mit dem CANTAB („Cambridge neuropsychological test automated battery“) MCCD („maximally changed cognitive domaine“) wurde ein computergestützter Test zur Messung der kognitiven Leistungsfähigkeit verwendet, um die kognitive Veränderung von Therapiebeginn bis zu Woche 24 zu messen. Die CANTAB-Module wurden ausgewählt, weil sie Bereiche abdecken, die während der Androgendeprivationstherapie (ADT) beeinflusst werden könnten:
-
exekutive Funktion,
-
visuelles Gedächtnis,
-
Arbeitsgedächtnis,
-
Aufmerksamkeit.
5 Module mit übergreifenden Funktionen aus jeweils zwei Bereichen wurden ausgewertet.
Nach 24 Wochen Behandlungszeit wurde unter Enzalutamid ein größerer Abfall der MCCD beobachtet im Vergleich zu Darolutamid (p=0,009). Unter Darolutamid waren die auffälligsten Änderungen in den überschneidenden Bereichen visuelles Gedächtnis und exekutive Funktion, unter Enzalutamid in den überschneidenden Bereichen Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktion. Nach 24 Wochen waren 4 von 5 Modulen im Vergleich der Studienarme statistisch unterschiedlich, mit einem Vorteil für Darolutamid.
Als weiterer Test zur Einschätzung der kognitiven Funktion wurde die Lernfähigkeit innerhalb der CANTAB-Module untersucht. Patient:innen, die mit Darolutamid behandelt wurden, zeigten eine erhaltene Lernfähigkeit oder stabile Funktionen, während mit Enzalutamid behandelte Patient:innen stabile Funktionen oder eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen aufwiesen.
Nach 12 Wochen wechselten 52% und nach 24 Wochen 71% der Patient:innen, die die Crossover-Kriterien erfüllten, von Enzalutamid zu Darolutamid. Es wechselte keine:r der Patient:innen, die die Cross-over-Kriterien erfüllten, von Darolutamid zu Enzalutamid. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass die ARACOG-Studie in den USA durchgeführt wurde und Patient:innen Darolutamid gestellt bekamen, während Enzalutamid nur über das Gesundheitssystem, gegebenenfalls mit Zuzahlungen, zu beziehen war.
Fazit
Unter Enzalutamid wurde ein signifikant größerer Abfall der kognitiven Funktionen gegenüber der Darolutamid-Behandlung objektiv nachgewiesen.
Quelle:
Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026, 29. Mai bis 2. Juni, Chicago, USA
Literatur:
1 Apolo AB et al.: Adjuvant pembrolizumab versus observation in muscle-invasive urothelial carcinoma. NEngl J Med 2025; 392: 45-55 2 Chen RC et al.: Health-related quality of life with pembrolizumab or observation for high-risk muscle invasive urothelial carcinoma after surgery: Results from the AMBASSADOR randomized trial (Alliance A031501). ASCO 2026; Abstr. #4513 3 Morgans AK et al.: Cognitive effects of darolutamide vs enzalutamide: Results of ARACOG (AFT-47), a randomized clinical trial from the Alliance for Clinical Trials in Oncology. ASCO 2026; Abstr. #5005 02
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