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Es gibt noch viel zu tun
Leading Opinions
Autor:
Dr. Corina Ringsell
30
Min. Lesezeit
07.12.2017
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<p class="article-intro">Die Zeiten, in denen Patienten den Ratschlägen und Anweisungen ihrer Ärzte «blind» gefolgt sind, sind vorbei. Das Internet bietet jedem die Möglichkeit, sich über seine Krankheit und die möglichen Therapien zu informieren. Allerdings ist es nicht immer einfach, seriöse und valide Informationen von unlauteren Angeboten zu unterscheiden. Wie eine gute Patienteninformation aussehen sollte, haben mehrere Arbeitsgruppen untersucht, ihre Ergebnisse haben sie in Lugano vorgestellt.</p>
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<p class="article-content"><p>Wissenschaftler des Kantonsspitals St. Gallen untersuchten die Lesbarkeit der Patienteninformationen, die von der European Society of Urology (EAU) im Internet bereitgestellt werden. Die Ergebnisse präsentierte Dr. Patrick Zumstein. Er erklärte, dass die US-amerikanischen Institutes of Health (NIH) empfehlen, Patienteninformationen so zu formulieren, dass Schüler der 7. bis 8. Klasse sie verstehen können. Die American Medical Association (AMA) geht sogar von dem Level der 6. Klasse aus. Das Team aus St. Gallen fand 17 Hauptthemen von EAU-Patienteninformationen, wobei es bei 14 neben Basisinformationen auch tiefergehende Inhalte gab. Alle wurden anhand verschiedener Instrumente beurteilt. Zwar waren die EAU-Informationen im Vergleich zu jenen anderer urologischer Gesellschaften besser lesbar, erfüllten jedoch nicht die US-Empfehlungen. Die Basisinformationen befanden sich in Bezug auf Verständlichkeit auf der Stufe der Klasse 7 bis 13, die weitergehenden setzten sogar ein noch umfassenderes Leserverständnis voraus. Es gibt also in Sachen Patienteninformation noch viel zu tun. Allerdings gab es auch positive Beispiele.<br />René Schaffert, ZHAW – Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, stellte die Onlineplattform «prostata-information.ch» vor, die sich an Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom richtet. Ziel des 2014 begonnenen Projekts war es, eine Onlineplattform zu entwickeln und zu testen, die Betroffene informieren und die Kommunikation mit dem Arzt beim Therapieentscheid unterstützen sollte. In die Entwicklung wurden zwei Fokusgruppen aus sechs Urologen und fünf Patienten einbezogen. Anschliessend wurde die Plattform in einem Feldtest mit Patienten überprüft. Daran nahmen 56 Patienten aus acht urologischen Kliniken teil. Sie wurden vier Wochen nach dem erstmaligen Einloggen und drei Monate nach dem Therapieentscheid befragt. 88 % der Nutzer beurteilten die Webseite als «verständlich», «umfassend», «neutral» und «leicht zu nutzen». Sie fühlten sich gut auf die Therapieentscheidung vorbereitet und gaben nur geringe Werte für Entscheidungskonflikte an. Die Initiatoren empfehlen daher die weitere Nutzung der neu entwickelten Webseite.<br />Um die Entwicklung und Validierung einer Broschüre für Patienten, die eine Harnleiterschiene erhalten, bemühte sich ein Team des Kantonsspitals St. Gallen. Präsentiert wurde die Arbeit von Dr. Dominik Abt. Er verwies auf Studien, die zeigten, dass eine umfassende und verständliche Patienteninformation die Morbidität beim Einsetzen einer Harnleiterschiene senken kann. Die Broschüre entstand in einem mehrstufigen Prozess. Ihren Inhalt validierten zehn externe Berater. Verständlichkeit, Klarheit und Lesbarkeit des Textes wurden anhand von semistrukturierten Patienteninterviews beurteilt. Auf Basis der Ergebnisse entwickelte eine Konsensusgruppe einen finalen Entwurf, der 44 Patienten zur Validierung vorgelegt wurde. Anhand des Consumer Information Rating Form (CIRF) beurteilten sie Verständlichkeit, Nützlichkeit und Qualität des Designs. Werte über 80 % bedeuteten «gut» bis «sehr gut». Im Mittel vergaben die Befragten einen Wert von 97,7 % . Dies zeige, dass der mehrstufige Entwicklungsprozess funktionell und einfach auszuführen sei und auch auf Broschüren zu anderen Krankheiten übertragen werden könne, so Abt. Die so entstandene Patienteninformation erreiche zudem sehr gute Validierungswerte.</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: 73. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie, 6.–8. September 2017, Lugano
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