Aktive Überwachung beim Prostatakarzinom: Sicherheit über 25 Jahre
Autor:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
Leiter Comprehensive Cancer Center Vienna
Universitätsklinik für Urologie
Medizinische Universität Wien
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Die verlängerte Nachbeobachtung der Göteborg-1-Studie liefert die bislang längsten prospektiven Daten zur aktiven Überwachung bei screen-detektiertem Prostatakarzinom.
In die Göteborg-1-Studie wurden 488 Männer mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko eingeschlossen. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18 Jahren betrug das prostatakarzinomspezifische Überleben nach 25 Jahren 94%. Nach Risikogruppen lag es nach 24 Jahren bei 99% für Very-low-Risk-, 92% für Low-Risk- und 85% für Intermediate-Risk-Tumoren. Diese Ergebnisse bestätigen, dass Active Surveillance bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit niedrigem Risiko auch über Jahrzehnte eine sichere Strategie darstellt. Gleichzeitig darf die Studie nicht als Argument für eine weniger intensive Nachsorge verstanden werden: 232 Patienten beendeten die aktive Überwachung, und die therapiefreie Überlebensrate betrug nach 22 Jahren nur noch 38%. Nahezu die Hälfte aller Therapieversagen trat erst mehr als zehn Jahre nach der Diagnose auf. Eine Gleason-Score-7-Erkrankung, ein höheres klinisches Stadium und eine erhöhte PSA-Dichte waren mit einem deutlich höheren Versagensrisiko verbunden.
Wesentlich ist der historische Kontext: Die Studie untersuchte Screen-detektiertes Prostatakarzinom in der Prä-MRT-Ära, überwiegend diagnostiziert mittels Sextantenbiopsie und ohne standardisiertes Surveillance-Protokoll. Moderne MRT, gezielte Biopsien und Biomarker dürften die Patientenselektion verbessern, langfristige Daten hierzu fehlen jedoch noch.
Patienten mit niedrigem Risiko können heute darüber informiert werden, dass die Sicherheit der aktiven Überwachung durch bis zu 25 Jahre Nachbeobachtung gestützt wird. Dies gilt jedoch nur bei sorgfältiger Risikoselektion, konsequenter Adhärenz und lebenslanger Überwachung. Insbesondere beim intermediären Risiko bleiben eine zurückhaltende Auswahl und eine engmaschige Verlaufskontrolle entscheidend.
Literatur:
1 Palmstedt E et al.: Active surveillance for screen-detected low- and intermediate-risk prostate cancer: extended follow-up up to 25 years in the GÖTEBORG-1 trial. European Urology 2025; 88(4): 373-80
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