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«Wo es hakt, wird sich zeigen»
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22.11.2018
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<p class="article-intro">Prof. Dr. med. Marten Trendelenburg engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der translationalen SLE-Forschung und ist Mitbegründer der Schweizerischen SLE-Kohortenstudie.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p><strong>Herr Professor Trendelenburg, was halten Sie von den neuen Klassifikationskriterien?</strong><br /> <strong>M. Trendelenburg:</strong> Prinzipiell finde ich jede Bestrebung gut, die Kriterien für die Diagnose eines SLE zu verbessern. Ob die neuen Kriterien – wenn sie denn eingeführt werden – aber einen spürbaren Fortschritt bringen und wo es hakt, wird sich erst in weiteren Studien und im Alltag zeigen.</p> <p><strong>In Amsterdam war von einem «Paradigmenwechsel » die Rede: Die neuen Kriterien würden die Weise ändern, wie man über die Krankheit denkt. Sehen Sie das auch so?</strong><br /> <strong>M. Trendelenburg:</strong> Einen wesentlichen Wechsel sehe ich darin, dass nun für die Diagnose eines SLE die antinukleären Antikörper (ANA) positiv sein müssen. Damit könnten wir frühzeitig die Patienten identifizieren, die keinen SLE haben – weil sie keine ANA haben. Lassen sich anders herum bei einem Patienten ANA nachweisen und vermutet man klinisch einen SLE, müssten sich an die ANA-Testung die gleichen weiteren Untersuchungen anschliessen wie bisher, ausser dass die Ergebnisse für die Kriterien anders gewichtet werden.</p> <p><strong>Wie ist das bisher?</strong><br /> <strong>M. Trendelenburg:</strong> Bei Nachweis eines der Kriterien gibt es dafür bisher 1 Punkt, und alle Kriterien haben dabei gleiches Gewicht. Zum Beispiel bedeuten Aphten im Mund 1 Punkt, genauso wie wir bei Lupusnephritis 1 Punkt vergeben. Mit den neuen Kriterien bekommt die Lupusnephritis mehr Gewicht als die Hautprobleme. Einige Kriterien sind neu – etwa das Delir, das in den ACR-Kriterien noch nicht vorkommt – und andere sind herausgefallen, zum Beispiel die Mononeuritis multiplex. Die unterschiedliche Gewichtung halte ich für eine gute Entwicklung und sie ergibt Sinn, macht den Score aber auch in der Handhabung etwas mühsamer. Denn die Punkte hat man in der Regel nicht auswendig im Kopf. Im Alltag handhaben wir das mit der unterschiedlichen Gewichtung aber jetzt oft auch schon so. Ich sehe die Entscheidung, ob SLE ja oder nein, nur basierend auf einem ANA-Test aber auch problematisch. Denn wir haben die Pathophysiologie des SLE noch nicht verstanden und abgesehen davon wissen wir, dass Labortests selten eine hundertprozentige Verlässlichkeit bieten.</p> <p><strong>Was bringen die neuen Kriterien für die Praxis?</strong><br /> <strong>M. Trendelenburg:</strong> Zunächst sehe ich die klare Vorgabe eines Nachweises von ANA als Grundvoraussetzung für die Diagnose. Das macht es Kollegen, die erstmals den Verdacht auf das Vorliegen eines SLE hegen, leichter, mithilfe dieses eher einfachen Tests herauszufinden, ob ein Patient eine weitere Abklärung hinsichtlich SLE braucht oder ob man in eine andere Richtung weitersuchen sollte. Darüber hinaus lassen sich möglicherweise mit den neuen Kriterien mehr Patienten frühzeitig und korrekt identifizieren als bisher. Für die Mehrheit der Patienten dürfte das eine günstige Entwicklung sein.</p> <p><strong>Ist es schwierig, einen SLE zu diagnostizieren?</strong><br /> <strong>M. Trendelenburg:</strong> Aufgrund der Heterogenität der Erkrankung, die sich oft erst über Jahre entwickelt, ist die frühe Diagnosestellung eines SLE in der Tat eine Herausforderung. Bei Verdacht auf SLE ist ein Screening mithilfe eines ANA-Tests eine einfache und vermutlich auch kosteneffiziente Methode, um Patienten zu identifizieren, die vermutlich eine andere Erkrankung haben als einen SLE. Beim Nachweis von ANA mit klinischem Verdacht auf einen SLE oder Unsicherheiten bezüglich der Diagnose sollte man den Patienten lieber früher als später einem SLE-Spezialisten zuweisen. Aber auch mit den besten Kriterien wird es in Zukunft Patienten geben, bei denen die Diagnose schwierig zu stellen ist und es lange dauert – dafür ist der SLE einfach zu komplex.</p> <p>Lesen sie auch: <a href="1000001082">Neue Kriterien für die Klassifikation in Arbeit</a></p></p>
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