Gelenke im Fokus: Rheumatologie praxisnah erleben
Autor:
Dr. Philipp Hoffmann
Landesklinikum Stockerau II. Medizinische Abteilung Niederösterreichisches Zentrum für Rheumatologie
E-Mail: p.hoffmann98@gmx.at
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Gelenkstatus, muskuloskelettaler Ultraschall und die klinische Einordnung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen: Die Rheuma Summer School 2026 in Saalfelden bot angehenden Ärzt:innen einen praxisnahen Zugang zu einem Fachgebiet mit zahlreichen Berührungspunkten zur Orthopädie. Besonders die Arbeit in Kleingruppen und an Ultraschallgeräten machte deutlich, wie wichtig der geschulte klinische Blick beim Bewegungsapparat ist.
Ich hatte noch keine Erfahrung mit Summer Schools. Es stellte sich am Ende als eine bereichernde und motivierende Erfahrung heraus, die mir Spaß bereitet und mir ungezwungen exklusive Einblicke in das Fach Rheumatologie gebracht hat. Ich würde die Rheuma Summer School allen Studierenden empfehlen, die motiviert sind, ein neues Fach kennenzulernen.
Ankommen und Kennenlernen
Die Rheumatologie Summer School 2026 war die erste Summer School, die ich besucht habe. Aus diesem Grund wusste ich nicht genau, was auf mich zukommen würde, war aber offen, mich auf etwas Neues einzulassen. Da ich parallel zum Studium in einer rheumatologischen Ordination gearbeitet hatte, hatte ich bereits den einen oder anderen Berührungspunkt mit dem Fach. Während meines KPJ-Abschnitts in Stockerau habe ich dann von der Rheuma Summer School erfahren.
Der erste Abend in Saalfelden begann mit einem „Get-together“ und einem Abendessen gemeinsam mit anderen Teilnehmer:innen und Organisator:innen. Schnell stellte sich eine angenehme und leichte Atmosphäre ein, welche das gesamte Wochenende anhielt. Besonders schön war es, das eine oder andere bekannte Gesicht aus dem Studium in Wien wiederzuerkennen.
Zu meiner Überraschung hatten viele meiner Kolleg:innen noch sehr wenig Berührung mit der Rheumatologie und wollten dieses Fach hier näher kennenlernen. Dafür ist die Summer School genau das Richtige. Im Studium wird die Rheumatologie leider ein wenig stiefmütterlich behandelt, doch hier wurde es einem leicht gemacht, in das Thema einzutauchen, und man musste noch kein Experte, kein:e Expert:in sein, um von der Summer School zu profitieren.
Ein abwechslungsreiches Programm
An den nächsten Tagen folgte ein dichtes Programm. Insgesamt war es inhaltlich sehr abwechslungsreich und spannend. Kurze Frontalvorträge wechselten sich mit Kleingruppenübungen ab, woran man merkte, dass das Programm bereits über Jahre optimiert worden war. Immerhin war dies die zehnte Rheuma Summer School.
In den Vorträgen wurden die großen Kategorien der Krankheitsbilder vorgestellt, wie zum Beispiel die axiale Spondyloarthritis, die rheumatoide Arthritis oder Fiebersyndrome, und in den Kleingruppen anhand konkreter Fälle besprochen. Die Kleingruppenseminare waren sehr hilfreich, weil individuell auf Fragen eingegangen werden konnte. Es wurde hier kein Wissen vorausgesetzt und es gab keine „zu dummen“ Fragen.
In einem Kleingruppenseminar hatten wir beispielsweise die Möglichkeit, die Bestimmung des Gelenkstatus und andere klinische Untersuchungstechniken aneinander zu üben. Generell fand ich den Aufbau des Programms sehr angenehm gestaltet.
Besonders beeindruckend waren außerdem die zahlreichen internationalen Vortragenden sowie die Mitwirkenden von der EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology). Ihre Begeisterung und vor allem ihre Leidenschaft für das Fach Rheumatologie waren berührend und mitreißend. Das hat mich motiviert, mehr darüber lernen zu wollen, auch wenn ich bereits wusste, dass ich Rheumatologe werden wollte.
Persönlicher Austausch und Einblicke in den Berufsweg
Nach dem Programm an den Vormittagen hatten wir während des Mittag- und Abendessens die Möglichkeit, auch mit den Vortragenden zu sprechen. Der Austausch mit Studierenden und Vortragenden zeigte mir neue Perspektiven und gleichzeitig war es eine tolle Möglichkeit, mit erfahrenen Ärzt:innen sowie Professor:innen persönlich ins Gespräch zu kommen.
Eindrücke von erfahrenen Fachärzt:innen im persönlichen Gespräch sind meiner Meinung nach das Wichtigste im Entscheidungsprozess bei der Facharztwahl jede:r Jungmediziner:in und jedes Jungmediziners. Genau diese Einblicke in das Fach Rheumatologie konnte man an diesem Wochenende gewinnen. Man konnte hier jede Frage stellen und auch ehrliche Einblicke in das Leben im niedergelassenen Bereich bekommen.
Was ich persönlich als besonders wichtig empfand, waren die Vorträge am Ende des Programms. Hier wurde der mögliche persönliche Werdegang als Rheumatologe/Rheumatolog:in mit oder ohne Forschung vorgestellt und es wurden Tipps gegeben, wann man welche Schritte im Werdegang einleiten sollte. Es wurde besprochen, warum und wann man eine Professur anstreben sollte und was man dafür zu welchem Zeitpunkt am besten tun sollte. Außerdem wurde thematisiert, inwiefern die Rheumatologie mit Familienplanung vereinbar ist und welche größeren Spitäler mit einer rheumatologischen Abteilung es in Österreich gibt.
Da diese Themen im Studium meist zu kurz kommen bzw. es schwer sein kann, an solche Informationen zu kommen, war es, denke ich, für viele Teilnehmende hilfreich, davon zu hören.
Sehr interessant für mich persönlich war auch das kleine Update zu den wissenschaftlichen Arbeiten des Jahres 2026. Eine Fachärztin aus dem AKH stellte hier die wichtigsten Publikationen aus dem Jahr 2026 in der Rheumatologie vor und fasste die Studien kurz zusammen. Somit haben wir einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung bekommen.
Ultraschall und praktische Übungen
Das größte Highlight für uns Studierende waren jedoch die Übungen mit den Ultraschallgeräten. Hier durften wir die Grundlagen des Gelenkultraschalls üben und sogar selbstständig die Schnittbilder einstellen. Da der Ultraschall ein so wichtiges diagnostisches Hilfsmittel ist, hat uns das Üben sehr viel Spaß gemacht. Spannend war es auch, einmal die eigenen Gelenke im Ultraschall sehen zu können. Auch hier wurden wir engmaschig betreut und keine Frage blieb unbeantwortet.
Zusätzlich wurden uns 3D-Brillen zur Verfügung gestellt, mit denen wir zum Beispiel die Wirbelsäule von gesunden Patient:innen im Vergleich zu Wirbelsäulen von Patient:innen mit axialer Spondyloarthritis ansehen konnten.
Rahmenprogramm und Atmosphäre
Außerhalb des medizinischen Programms gab es ein breites Angebot, um keine Langeweile aufkommen zu lassen: morgendliche Laufeinheiten mit Vortragenden, einen Pool mit Spa-Bereich und einen Außenpool, Tischtennis und ein Fitnessstudio. Hier konnte sich jede:r aussuchen, was ihm/ihr gefiel. Besonders spannend war das Kleinfeldfußballspiel zwischen Vortragenden und Studierenden. Außerdem unternahmen wir eine Wanderung auf eine kleine Almhütte und am letzten Tag wurde sogar eine kleine Party in einer renovierten Stallhütte veranstaltet.
Die Atmosphäre war das ganze Wochenende sehr entspannt und man hatte die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit allen Organisator:innen zu reden. Die Unterkunft in Saalfelden war absolut traumhaft, mit wunderschöner Aussicht, bester Verpflegung und moderner Ausstattung.
Resümee
Insgesamt würde ich die Rheuma Summer School allen Studierenden empfehlen, die offen sind, sich über drei Tage auf ein Fach der Medizin einzulassen, welches sie vielleicht noch nicht gut kennen. Ich denke, es war für alle Teilnehmer:innen eine bereichernde Erfahrung.
Auch für angehende Rheumatolog:innen, die sich also bereits für das Fach entschieden haben, bietet sich hier die Möglichkeit, spezielle Fragen in einem Kleingruppenformat zu besprechen und die wichtigsten Vertreter:innen der Rheumatologie aus Österreich kennenzulernen.
Insgesamt hat mir die Rheuma Summer School sehr viel Spaß bereitet und gezeigt, wie vielfältig und dynamisch die Rheumatologie ist. Sie hat mich darin bestärkt, meinen Weg in der Rheumatologie weiterzuverfolgen, und ich habe viele nette Kolleg:innen aus ganz Österreich kennenlernen dürfen.
Quelle:
10. Rheuma Summer School, 4.–7. Juli 2026, Saalfelden
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