Zwischen Ambulanz, Bettenstation und wissenschaftlichen Projekten
Dr. Victoria Konzett
Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Klinische Abteilung für Rheumatologie
E-Mail:
victoria.konzett@meduniwien.ac.at
Das Interview führte Clara Fruhmann, MA
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Als Assistenzärztin für Rheumatologie erlebt Dr. Victoria Konzett, Wien, täglich, wie eng Forschung und Patientenversorgung miteinander verbunden sind. Ihr wissenschaftlicher Fokus liegt auf der rheumatoiden Arthritis und Psoriasisarthritis. Im Interview erzählt sie, was sie an diesem Zusammenspiel fasziniert und warum man in der Forschung vor allem zwei Dinge braucht: Neugier und einen langen Atem.
Wie würden Sie Ihre Forschung in drei Sätzen beschreiben?
Ich beschäftige mich vor allem mit klinischen Forschungsthemen in der rheumatoiden Arthritis und Psoriasisarthritis – zwei chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen. Hier arbeiten wir unter anderem mit Registerdaten und Studiendaten und bewerten bzw. definieren Outcome-Parameter für klinische Studien sowie für die Anwendung im klinischen Alltag. Darüber hinaus etablieren wir derzeit eine prospektive Kohortenstudie, in deren Rahmen wir den Beginn und die Frühphasen der Psoriasisarthritis untersuchen.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Als Assistenzärztin für Rheumatologie arbeite ich meist entweder in unserer rheumatologischen Ambulanz oder auf der rheumatologischen Bettenstation. Am Nachmittag kommen dann oft noch interdisziplinäre Boards, Fortbildungen oder Besprechungstermine für wissenschaftliche Projekte hinzu. Darüber hinaus haben wir auch Zeit für die eigenständige Arbeit an wissenschaftlichen Projekten. Diese abwechslungsreiche Tätigkeit macht den Alltag am Uniklinikum für mich sehr interessant.
Sehen Sie Ihre Forschung im klinischen Alltag abgebildet? In welcher Form?
Klinische Forschung ist unmittelbar mit der Patientenversorgung verbunden. Wir generieren unsere Daten aus der Routineversorgung sowie aus klinischen Studien, und die klinische Tätigkeit inspiriert die Fragen und Anforderungen, die wir an unsere Forschung stellen. Natürlich arbeiten wir dann auch daran, die Forschungsergebnisse in den klinischen Alltag zu bringen und damit zur Verbesserung der Patientenversorgung beizutragen. Gerade dieser Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung bringt jedoch oft zahlreiche Herausforderungen mit sich, die sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus klinischer Perspektive nicht immer einfach zu lösen sind – was ihn aber nicht weniger wichtig oder interessant macht.
Woran forschen Sie gerade?
Unter anderem beschäftigen wir uns derzeit intensiv mit der Transition von der Psoriasis zur Psoriasisarthritis. Um die Krankheitsentwicklung und insbesondere jene Veränderungen, die während des Übergangs von der Haut- zur Gelenkerkrankung auftreten, besser zu verstehen, führen wir an der Medizinischen Universität Wien und der Medizinischen Universität Innsbruck eine prospektive, translationale Beobachtungsstudie durch. Derzeit sind über 300 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen und werden in jährlichen bzw. halbjährlichen Abständen an den beiden Zentren untersucht. Dabei erfassen wir neben klinischen Daten, Ultraschall und Laborparametern auch molekulare, genetische und epigenetische Marker sowie Daten zum Mikrobiom von Haut und Stuhl. Im weiteren Verlauf sollen diese multidimensionalen Daten von Patientinnen und Patienten, die eine Psoriasisarthritis entwickeln, mit jenen von Patientinnen und Patienten ohne Gelenkbeteiligung verglichen werden. Ziel ist es, potenzielle Marker der Transition zu identifizieren und dadurch sowohl die Früherkennung einer Psoriasisarthritis zu verbessern als auch mögliche Ansatzpunkte für präventive bzw. frühzeitige Interventionen zu identifizieren.
Welchen Tipp würden Sie anderen jungen Forschenden mit auf den Weg geben?
Heureka-Moment:
Junge Forschende stellen sich vor
Dr. Victoria KonzettZunächst einmal sind Freude und Neugier an der Forschung essenziell. Ich würde raten, immer Augen und Ohren zu öffnen, zuzuhören und sich inspirieren zu lassen, aber sich auch einmal etwas zu trauen, sich mit Ideen einzubringen und Neues auszuprobieren. Man darf wirklich keine Angst davor haben, dass etwas nicht auf Anhieb funktioniert oder auch einmal scheitert. Und dann noch: In der Forschung brauchen viele Dinge Zeit. Sowohl die Projekte als auch die eigenen Fähigkeiten entwickeln sich nicht über Nacht, und man braucht Geduld und einen langen Atem. Diese Erkenntnis kann einem dann aber viel Ruhe geben und dabei helfen, nicht nur das Ziel im Blick zu haben, sondern auch Freude am Prozess zu finden – und gerade das macht die Forschung wirklich interessant und spannend.
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