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Flexible Problemlösungsansätze

Ich weiß nicht, warum das nicht schmeckt

Die aufmerksame Beobachterin und der aufmerksame Beobachter merken schnell: In der österreichischen Gesundheitspolitik werden Ideen geboren, es wird geplant, implementiert und kommentiert. Bei näherer Betrachtung erscheint aber nicht jeder Gedanke zu Ende gedacht, „aus-gedacht“ eben.

Ein armer Talmudstudent ist einmal in der Woche bei einem reichen Mann des Dorfes zum Essen eingeladen. Dieser möchte den Studenten auf diese Weise unterstützen. Eines Tages wird zum Dessert ein Kuchen serviert, den der Student ganz wunderbar findet. Er bittet die Hausfrau um das Rezept. Zu Hause angekommen gibt er es seiner Frau und erzählt: Ich habe heute einen so tollen Kuchen bekommen, den musst du uns bitte unbedingt auch machen.

Die Frau nimmt das Rezept und geht damit in die Küche. Dort liest sie: 160g Marzipanmasse. Sie findet, dass das viel zu teuer sei und im Dorfladen wahrscheinlich ohnehin nicht vorrätig. Statt der Mandeln werde sie das Innere von Marillenkernen hacken. Statt der Butter werde sie Margarine nehmen, statt der 10 Eier, weil die viel zu teuer wären, nur fünf. Weizenmehl könnten sie sich ohnehin nicht leisten, da müsste Roggenmehl genügen. Und statt Backpulver müsst es auch Natron tun.

Sie mischt den Teig, gießt ihn in eine Form, bäckt den Kuchen, lässt ihn auskühlen und kostet. Dann schüttelt sie den Kopf und sagt: Ich weiß nicht, was er an dem so toll findet?

Statt der fehlenden Lehrkräfte sollen jetzt Soldaten mit Lehrerausbildung, aber noch ohne Praxis in den Schulen aushelfen, die Lehrerausbildung soll um ein Jahr verkürzt werden. „Learning by doing“ – fehlende Praxis soll durch höheres Engagement und unverbrauchte Energien ersetzt werden.

Roggenmehl statt Weizen.

Um dem Ärztemangel abzuhelfen, sollen laut Gesundheitsminister Rauch zusätzlich 100 Kassenvertragsstellen geschaffen werden, obwohl derzeit 200 derartige Stellen unbesetzt sind.

Nehmen wir halt Marillenkerne, weil Mandeln bekommen wir ohnehin nicht.

Die Apotheken werden Blutdruck messen und Laboruntersuchungen machen. Was dann dort geschieht, wenn ein Wert stark abweicht und man die kranke Person nicht kennt (Rettung rufen und ab ins Spital, mit entsprechender Verzögerung in die Arztpraxis schicken, selbst behandeln???), ist noch nicht geklärt.

Natron statt Backpulver.

Es sollen wegen des Mangels an psychiatrischen Sachverständigen stattdessen (und nicht zusätzlich) Psycholog:innen in Strafverfahren über die Zurechnungsfähigkeit und Einweisung entscheiden können. Da das Einweisungskriterium sehr oft eine psychiatrische Krankheit oder Störung ist, wird es interessant sein zu lesen, wie sich diese Berufsgruppe zu den Wirkmöglichkeiten differenzierter medikamentöser Therapien äußern wird. Das ist anscheinend das Gelbe von fünf Eiern.

Ich weiß nicht, was sie an diesen Rezepten so toll finden!

PS: Im Ranking des persönlichen Vertrauens in verschiedene Berufsgruppen findet man die Ärzteschaft mit 86% auf Platz 3 nach Feuerwehrleuten und Apothekern. Politiker stehen auf Platz 24 (18%) zwischen Fußballprofis und Werbefachleuten. Mit den genannten Rezepten unterstützen sie, die Ärztekammern, sich um ein paar Plätze zu verschlechtern. Mit den genannten Rezepten unterstützen sie (gemeint sind Politiker:innen) die Ärztekammer in ihrer Bemühung, sich um ein paar Plätze zu verschlechtern. Ob sie sich selbst ihrem Ziel, weiter nach oben zu kommen, annähern – man wird merken, wie es den Bürger:innen schmeckt.

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