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Vitamine und Ernährung haben Einfluss auf das Asthmarisiko
Jatros
30
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06.10.2016
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<p class="article-intro">Die weltweit hohe Asthmaprävalenz bereitet Sorgen. Studien zu Risikofaktoren und deren Management wurde daher im Rahmen des ERS Kongresses in London große Aufmerksamkeit geschenkt. </p>
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<p class="article-content"><p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2016_Jatros_Pneumo_1605_Weblinks_seite14.jpg" alt="" width="621" height="355" /></p> <p>Vitamin D reduziert Asthmaanfälle. Dieser immer wieder vermutete und heftig umstrittene Befund ist nun sozusagen von höchster Evidenzinstanz abgesegnet. Ein im Rahmen des ERS-Kongresses in London präsentierter Cochrane-Review bestätigt auf Basis mehrerer randomisierter, kontrollierter Studien, dass die Einnahme von Vitamin D in Kombination mit üblicher Asthmamedikation schwere Asthmaanfälle verhindert. Interesse an Vitamin D zur Behandlung von Asthma wurde geweckt durch epidemiologische Untersuchungen, die bei Asthmapatienten aller Altersgruppen niedrige Vitamin-D-Spiegel zeigten. Auf einen Zusammenhang von Asthma und Vitamin-D-Mangel kam man durch Studien, die niedrige Vitamin-D-Spiegel mit Infektionen des Respirationstraktes und damit mit Asthmaexazerbationen in Verbindung bringen. In der Folge wurde der Einfluss von Vitamin D auf Asthma in einer Vielzahl kleiner Studien untersucht, die auf den ersten Blick keine schlüssigen Ergebnisse bringen. Die systematische Aufarbeitung dieser Resultate in Form eines Cochrane Reviews zeigt nun: Adäquate Supplementation mit Vitamin D reduziert schwere Asthmaanfälle sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit Asthma.<sup>1</sup><br /> <br /> Insgesamt wurden in der Metaanalyse 7 Studien mit insgesamt 435 Kindern und 2 Studien mit 658 Erwachsenen ausgewertet. Die Studien wurden in Kanada, Indien, Japan, Polen, dem UK und den USA durchgeführt und untersuchten damit eine ethnisch sehr diverse Population. Die meisten Studienpatienten litten unter leichtem bis moderatem Asthma und nahmen in der Regel ihre gewohnte Medikation auch während der Studie weiterhin ein. Die Dauer der Studien lag zwischen 6 und 12 Monaten. Die Auswertung ergab, dass die Einnahme von oralem Vitamin D das Risiko schwerer Asthmaanfälle, die eine Hospitalisierung erforderlich machen, von 6 % auf 3 % reduzierte. Auch die Notwendigkeit des Einsatzes systemischer Steroide wurde durch Vitamin D reduziert, wobei dieser Befund vor allem aus Studien mit Erwachsenen stammt. Eine Verbesserung der Lungenfunktion oder der alltäglichen Symptomatik konnte nicht demonstriert werden. „Nicht zuletzt zeigen die Daten aber auch, dass bei den eingesetzten Do­sen von Vitamin D die Reduktion der schwe­ren Asthmaanfälle ohne Nebenwirkungen erreicht wurde“, kom­men­tiert Prof. Dr. Adrian Martineau vom Asthma UK Centre for Applied Research der Queen Mary University of London und weist zugleich auf Limitationen der Arbeit hin. So zeigt sich die Heterogenität der ursprünglichen Studien auch im Review. Die Ergebnisse zu den schweren Asthmaanfällen stammen aus nur 3 Studien, in die vorwiegend Erwachsene mit leichtem oder moderatem Asthma eingeschlossen waren. Die Autoren fordern nun prospektive Studien mit Kindern und Erwachsenen mit schwerem Asthma, um zu untersuchen, ob diese Patientengruppe, bei der ja besonderer Bedarf an einer Verbesserung der Therapie bestünde, ebenfalls von Vitamin D profitiert. Auch ist unklar, ob nur Personen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln von der Supplementation profitieren oder das gesamte Kollektiv. „Weitere Analysen der verfügbaren Daten werden gegenwärtig durchgeführt und die Ergebnisse sollten in den kommenden Monaten verfügbar sein“, erläuterte der Experte.</p> <h2>Stillen senkt Asthmarisiko durch epigenetische Veränderung</h2> <p>Besonderes Interesse gilt gegenwärtig auch genetischen und Umweltfaktoren, die das Asthmarisiko erhöhen. Zwischen diesen beiden Aspekten des individuellen Risikos bestehen auch komplexe Verbindungen, wie eine Studie der Universität Basel zeigte, in der eine epigenetische Wirkung des Stillens nachgewiesen wurde.<sup>2</sup> Die Gruppe untersuchte Kinder mit 17q21, einer Mutation am Chromosom 17, die mit erhöhtem Asthmarisiko assoziiert ist, und fand bei Kindern, die gestillt wurden, ein um 27 % reduziertes Risiko für respiratorische Symptome. Dies betraf besonders Kinder mit den mit dem höchsten Risiko assoziierten Single-Nucleotid-Polymorphismen (SNP) (rs7216389, AA and rs4795405, CC). Statistische Tests zeigten signifikante Interaktionen zwischen diesen beiden SNP und dem Stillen. Allerdings hat die Studie mit dem relativ kurzen Beobachtungszeitraum von 1 Jahr einige Schwächen. So wurde in der Gesamtpopulation zwar ein Trend zu einem erhöhten Asthmarisiko gefunden, der jedoch nicht signifikant war.<br /> <br /> Auch für einen seit Langem diskutierten protektiven Effekt von natürlicher Geburt im Vergleich zur Sectio wurde im Rahmen des ERS 2016 neue Evidenz präsentiert. Eine europäische Studie mit Daten aus 9 prospektiven Geburtskohorten mit mehr als 60.000 Personen weist nun genau in diese Richtung.<sup>3</sup> Eine elektive Sectio bei zum Termin geborenen Kindern war mit einer Erhöhung des Risikos, in der Kindheit Asthma zu entwickeln, um rund 50 % assoziiert (aRR: 1,49; 95 % CI: 1,13–1,97). Für Kaiserschnitte aus medizinischer Indikation wurde keine entsprechende Assoziation gefunden. Die Autoren unterstreichen die Größe der von ihnen untersuchten Population und fordern, dass ihre Daten Einfluss auf die Praxis nehmen und zu einem vorsichtigeren Einsatz der elektiven Sectio führen sollten.</p> <h2>Die ewige Frage: Beeinflusst das Körpergewicht das Asthmarisiko?</h2> <p>Zusammenhänge zwischen Körpergewicht und Asthma werden seit Längerem diskutiert. Man kennt das Adipositas-assoziierte Asthma, von dem schwerst Übergewichtige betroffen sind, aber auch ein moderat zu hoher BMI könnte das Risiko beeinflussen. Nun zeigt eine dänische Studie auf Basis zweier großer Register mit mehr als 300.000 Kindern und 5 Mio. Personenjahren, dass der BMI im Alter von 7 bis 13 Jahren mit dem Risiko einer Krankhauseinlieferung wegen Asthma im frühen Erwachsenenalter korreliert – und das in geschlechtsspezifischer Weise.<sup>4</sup> Während bei Mädchen Übergewicht das Risiko erhöht, sind bei den Buben eher die Untergewichtigen gefährdet, im späteren Leben Asthma zu entwickeln. Die Risikoerhöhungen waren signifikant mit einer Hazard-Ratio (HR) von bis zu 1,39 (95 % CI: 1,20–1,60) für übergewichtige Mädchen und einer HR von bis zu 1,24 (95 % CI: 1,03–1,49) für unterwichtige Buben. <br /> <br /> Die Zusammenhänge zwischen dem Körpergewicht und dem Asthmarisiko reichen bis in die Zeit vor der Geburt zurück. Laut Daten aus einer schottischen Kohorte von rund 2.000 werdenden Müttern zeigen Kinder, die als Föten im ersten und zweiten Trimester (T1, T2) eine geringe Größe hatten, im Alter zwischen 5 und 15 Jahren eine reduzierte Lungenfunktion sowie ein erhöhtes Asthmarisiko.<sup>5</sup> Auch nach unterschiedlichen statistischen Korrekturen ergaben die Auswertungen: Wer im ersten Trimester klein war, hatte in der Kindheit und Jugend eine schlechtere Lungenfunktion und ein höheres Asthmarisiko. Jede Größenzunahme des Fötus im ersten Trimenon um einen z-Score führte zu einer Reduktion des Risikos im Alter zwischen 5 und 15 um 22 % (OR 0,78; 95 % CI: 0,63–0,97; p=0,025; n=619). Zunehmende Größe des Fötus war auch mit besserer Lungenfunktion in der Kindheit assoziiert. Auch dieses Ergebnis blieb in der multivariaten Analyse stabil.</p></p>
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<p><strong>1</strong> Martineau AR et al: Vitamin D for the management of asthma: Cochrane systematic review and meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 3. Art. No.: CD011511. DOI: 10.1002/14651858.CD011511 <strong>2</strong> Gorlanova O et al: Interaction of 17q21 variants with breast­feeding in relation to respiratory symptoms in infancy. ERS-Abstract PA1215 <strong>3</strong> Rusconi F et al: Mode of delivery and asthma at school age in nine European birth cohorts. ERS-Abstract OA3299 <strong>4</strong> Suppli Ulrik C et al: Body mass index at school age and hospital admissions for asthma in early adulthood: A prospective study of 321,830 children. ERS Abstract OA3315 <strong>5</strong> Turner S et al: Fetal origins of persistent childhood asthma. ERS Abstract OA3302</p>
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