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ERS 2016

Vitamine und Ernährung haben Einfluss auf das Asthmarisiko

<p class="article-intro">Die weltweit hohe Asthmaprävalenz bereitet Sorgen. Studien zu Risikofaktoren und deren Management wurde daher im Rahmen des ERS Kongresses in London große Aufmerksamkeit geschenkt. </p> <hr /> <p class="article-content"><p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2016_Jatros_Pneumo_1605_Weblinks_seite14.jpg" alt="" width="621" height="355" /></p> <p>Vitamin D reduziert Asthmaanf&auml;lle. Dieser immer wieder vermutete und heftig umstrittene Befund ist nun sozusagen von h&ouml;chster Evidenzinstanz abgesegnet. Ein im Rahmen des ERS-Kongresses in London pr&auml;sentierter Cochrane-Review best&auml;tigt auf Basis mehrerer randomisierter, kontrollierter Studien, dass die Einnahme von Vitamin D in Kombination mit &uuml;blicher Asthmamedikation schwere Asthmaanf&auml;lle verhindert. Interesse an Vitamin D zur Behandlung von Asthma wurde geweckt durch epidemiologische Untersuchungen, die bei Asthmapatienten aller Altersgruppen niedrige Vitamin-D-Spiegel zeigten. Auf einen Zusammenhang von Asthma und Vitamin-D-Mangel kam man durch Studien, die niedrige Vitamin-D-Spiegel mit Infektionen des Respirationstraktes und damit mit Asthmaexazerbationen in Verbindung bringen. In der Folge wurde der Einfluss von Vitamin D auf Asthma in einer Vielzahl kleiner Studien untersucht, die auf den ersten Blick keine schl&uuml;ssigen Ergebnisse bringen. Die systematische Aufarbeitung dieser Resultate in Form eines Cochrane Reviews zeigt nun: Ad&auml;quate Supplementation mit Vitamin D reduziert schwere Asthmaanf&auml;lle sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit Asthma.<sup>1</sup><br /> <br /> Insgesamt wurden in der Metaanalyse 7 Studien mit insgesamt 435 Kindern und 2 Studien mit 658 Erwachsenen ausgewertet. Die Studien wurden in Kanada, Indien, Japan, Polen, dem UK und den USA durchgef&uuml;hrt und untersuchten damit eine ethnisch sehr diverse Population. Die meisten Studienpatienten litten unter leichtem bis moderatem Asthma und nahmen in der Regel ihre gewohnte Medikation auch w&auml;hrend der Studie weiterhin ein. Die Dauer der Studien lag zwischen 6 und 12 Monaten. Die Auswertung ergab, dass die Einnahme von oralem Vitamin D das Risiko schwerer Asthmaanf&auml;lle, die eine Hospitalisierung erforderlich machen, von 6 % auf 3 % reduzierte. Auch die Notwendigkeit des Einsatzes systemischer Steroide wurde durch Vitamin D reduziert, wobei dieser Befund vor allem aus Studien mit Erwachsenen stammt. Eine Verbesserung der Lungenfunktion oder der allt&auml;glichen Symptomatik konnte nicht demonstriert werden. &bdquo;Nicht zuletzt zeigen die Daten aber auch, dass bei den eingesetzten Do&shy;sen von Vitamin D die Reduktion der schwe&shy;ren Asthmaanf&auml;lle ohne Nebenwirkungen erreicht wurde&ldquo;, kom&shy;men&shy;tiert Prof. Dr. Adrian Martineau vom Asthma UK Centre for Applied Research der Queen Mary University of London und weist zugleich auf Limitationen der Arbeit hin. So zeigt sich die Heterogenit&auml;t der urspr&uuml;nglichen Studien auch im Review. Die Ergebnisse zu den schweren Asthmaanf&auml;llen stammen aus nur 3 Studien, in die vorwiegend Erwachsene mit leichtem oder moderatem Asthma eingeschlossen waren. Die Autoren fordern nun prospektive Studien mit Kindern und Erwachsenen mit schwerem Asthma, um zu untersuchen, ob diese Patientengruppe, bei der ja besonderer Bedarf an einer Verbesserung der Therapie best&uuml;nde, ebenfalls von Vitamin D profitiert. Auch ist unklar, ob nur Personen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln von der Supplementation profitieren oder das gesamte Kollektiv. &bdquo;Weitere Analysen der verf&uuml;gbaren Daten werden gegenw&auml;rtig durchgef&uuml;hrt und die Ergebnisse sollten in den kommenden Monaten verf&uuml;gbar sein&ldquo;, erl&auml;uterte der Experte.</p> <h2>Stillen senkt Asthmarisiko durch epigenetische Ver&auml;nderung</h2> <p>Besonderes Interesse gilt gegenw&auml;rtig auch genetischen und Umweltfaktoren, die das Asthmarisiko erh&ouml;hen. Zwischen diesen beiden Aspekten des individuellen Risikos bestehen auch komplexe Verbindungen, wie eine Studie der Universit&auml;t Basel zeigte, in der eine epigenetische Wirkung des Stillens nachgewiesen wurde.<sup>2</sup> Die Gruppe untersuchte Kinder mit 17q21, einer Mutation am Chromosom 17, die mit erh&ouml;htem Asthmarisiko assoziiert ist, und fand bei Kindern, die gestillt wurden, ein um 27 % reduziertes Risiko f&uuml;r respiratorische Symptome. Dies betraf besonders Kinder mit den mit dem h&ouml;chsten Risiko assoziierten Single-Nucleotid-Polymorphismen (SNP) (rs7216389, AA and rs4795405, CC). Statistische Tests zeigten signifikante Interaktionen zwischen diesen beiden SNP und dem Stillen. Allerdings hat die Studie mit dem relativ kurzen Beobachtungszeitraum von 1 Jahr einige Schw&auml;chen. So wurde in der Gesamtpopulation zwar ein Trend zu einem erh&ouml;hten Asthmarisiko gefunden, der jedoch nicht signifikant war.<br /> <br /> Auch f&uuml;r einen seit Langem diskutierten protektiven Effekt von nat&uuml;rlicher Geburt im Vergleich zur Sectio wurde im Rahmen des ERS 2016 neue Evidenz pr&auml;sentiert. Eine europ&auml;ische Studie mit Daten aus 9 prospektiven Geburtskohorten mit mehr als 60.000 Personen weist nun genau in diese Richtung.<sup>3</sup> Eine elektive Sectio bei zum Termin geborenen Kindern war mit einer Erh&ouml;hung des Risikos, in der Kindheit Asthma zu entwickeln, um rund 50 % assoziiert (aRR: 1,49; 95 % CI: 1,13&ndash;1,97). F&uuml;r Kaiserschnitte aus medizinischer Indikation wurde keine entsprechende Assoziation gefunden. Die Autoren unterstreichen die Gr&ouml;&szlig;e der von ihnen untersuchten Population und fordern, dass ihre Daten Einfluss auf die Praxis nehmen und zu einem vorsichtigeren Einsatz der elektiven Sectio f&uuml;hren sollten.</p> <h2>Die ewige Frage: Beeinflusst das K&ouml;rpergewicht das Asthmarisiko?</h2> <p>Zusammenh&auml;nge zwischen K&ouml;rpergewicht und Asthma werden seit L&auml;ngerem diskutiert. Man kennt das Adipositas-assoziierte Asthma, von dem schwerst &Uuml;bergewichtige betroffen sind, aber auch ein moderat zu hoher BMI k&ouml;nnte das Risiko beeinflussen. Nun zeigt eine d&auml;nische Studie auf Basis zweier gro&szlig;er Register mit mehr als 300.000 Kindern und 5 Mio. Personenjahren, dass der BMI im Alter von 7 bis 13 Jahren mit dem Risiko einer Krankhauseinlieferung wegen Asthma im fr&uuml;hen Erwachsenenalter korreliert &ndash; und das in geschlechtsspezifischer Weise.<sup>4</sup> W&auml;hrend bei M&auml;dchen &Uuml;bergewicht das Risiko erh&ouml;ht, sind bei den Buben eher die Untergewichtigen gef&auml;hrdet, im sp&auml;teren Leben Asthma zu entwickeln. Die Risikoerh&ouml;hungen waren signifikant mit einer Hazard-Ratio (HR) von bis zu 1,39 (95 % CI: 1,20&ndash;1,60) f&uuml;r &uuml;bergewichtige M&auml;dchen und einer HR von bis zu 1,24 (95 % CI: 1,03&ndash;1,49) f&uuml;r unterwichtige Buben. <br /> <br /> Die Zusammenh&auml;nge zwischen dem K&ouml;rpergewicht und dem Asthmarisiko reichen bis in die Zeit vor der Geburt zur&uuml;ck. Laut Daten aus einer schottischen Kohorte von rund 2.000 werdenden M&uuml;ttern zeigen Kinder, die als F&ouml;ten im ersten und zweiten Trimester (T1, T2) eine geringe Gr&ouml;&szlig;e hatten, im Alter zwischen 5 und 15 Jahren eine reduzierte Lungenfunktion sowie ein erh&ouml;htes Asthmarisiko.<sup>5</sup> Auch nach unterschiedlichen statistischen Korrekturen ergaben die Auswertungen: Wer im ersten Trimester klein war, hatte in der Kindheit und Jugend eine schlechtere Lungenfunktion und ein h&ouml;heres Asthmarisiko. Jede Gr&ouml;&szlig;enzunahme des F&ouml;tus im ersten Trimenon um einen z-Score f&uuml;hrte zu einer Reduktion des Risikos im Alter zwischen 5 und 15 um 22 % (OR 0,78; 95 % CI: 0,63&ndash;0,97; p=0,025; n=619). Zunehmende Gr&ouml;&szlig;e des F&ouml;tus war auch mit besserer Lungenfunktion in der Kindheit assoziiert. Auch dieses Ergebnis blieb in der multivariaten Analyse stabil.</p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Martineau AR et al: Vitamin D for the management of asthma: Cochrane systematic review and meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 3. Art. No.: CD011511. DOI: 10.1002/14651858.CD011511 <strong>2</strong>&nbsp;Gorlanova O et al: Interaction of 17q21 variants with breast&shy;feeding in relation to respiratory symptoms in infancy. ERS-Abstract PA1215 <strong>3</strong> Rusconi F et al: Mode of delivery and asthma at school age in nine European birth cohorts. ERS-Abstract OA3299 <strong>4</strong> Suppli Ulrik C et al: Body mass index at school age and hospital admissions for asthma in early adulthood: A prospective study of 321,830 children. ERS Abstract OA3315 <strong>5</strong> Turner S et al: Fetal origins of persistent childhood asthma. ERS Abstract OA3302</p> </div> </p>
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