Schweres Asthma: ernüchternde Registerdaten aus Europa
Bericht: Reno Barth
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Die Forschungskooperation SHARP publizierte kürzlich Registerdaten von mehr als 13.000 Patient:innen mit schwerem Asthma. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Obwohl die große Mehrheit der Betroffenen mit Biologika behandelt wird, ist die Krankheitskontrolle suboptimal und Komorbiditäten sind häufig.
SHARP ist eine klinische Forschungskooperation in der Indikation schweres Asthma, die Patient:innen, Kliniker:innen, Wissenschaftler:innen und die pharmazeutische Industrie zusammenbringt. Am zentralen SHARP-Register nehmen 17 europäische Länder teil, weitere 8 sind über ihre nationalen Register verbunden.
Schweres Asthma wurde von der europäischen (European Respiratory Society; ERS) und amerikanischen (American Thoracic Society; ATS) Fachgesellschaft definiert als Asthma, das mit hoch dosierten inhalativen Kortikosteroiden (ICS) plus einem zweiten Controler (und/oder systemischen Kortikosteroiden) behandelt werden muss, um nicht „unkontrolliert“ zu werden oder trotz der genannten Therapien unkontrolliert bleibt.
Einsatz von Biologika
Biologika haben die therapeutischen Optionen beim schweren Asthma deutlich verbessert, wie eine Metaanalyse von 48 randomisierten, kontrollierten Studien mit 16350 Patient:innen zeigt. Insgesamt wurde eine Reduktion der annualisierten Exazerbationsrate um signifikante 44% sowie der Hospitalisierungen um 60% nachgewiesen. Hinzu kommen Verbesserungen der Lungenfunktion (FEV1), der Asthmakontrolle und der Lebensqualität.1 Die Vermeidung von Exazerbationen ist wichtig für die längerfristige Prognose, erklärte Assoc.-Prof. Dr. Apostolos Bossios, PhD, Karolinska-Institut in Stockholm. Denn Langzeitdaten über 20 Jahre zeigen, dass bei Patient:innen unter 40 Jahren die Zahl der jährlichen Exazerbationen mit Verlust an Lungenfunktion assoziiert ist. Diese Relation löst sich erst im Alter jenseits der 40 auf, da sich die Lungenfunktion bei Patient:innen in dieser Altersgruppe auch ohne Exazerbationen verschlechtert.2 Daraus lasse sich schließen, dass besonders bei jungen Patient:innen die Prävention von Exazerbationen von entscheidender Bedeutung ist. Leider zeigen die Daten, dass dieses Ziel auch mit Biologika nur zu weniger als 50% erreicht wird. Bossios: „Die Entzündung ist immer noch vorhanden.“
Registerdaten zum schweren Asthma aus 22 Ländern
Die kürzlich publizierte Studie der SHARP-Kollaboration3, basierend auf europäischen Registerdaten, verfolgte mehrere Ziele. Unter anderem sollten die Häufigkeit und die Charakteristika von schwerem Asthma quantifiziert werden, ebenso sollte die Prävalenz von Komorbiditäten sowie ihre Assoziation mit verschiedenen Biomarkern erhoben werden, mit dem Ziel, bestimmte Muster innerhalb der Diagnose schweres Asthma zu erkennen und zukünftige Interventionen und Strategien zu entwickeln.
Insgesamt wurden Daten aus 22 Ländern mit 13.455 Patient:innen in den Registern ausgewertet. Die Auswertung ergab eine leichte Mehrheit an Frauen (59%) und einen mit fast 34 Jahren späten Asthmabeginn (82% mit Adult-onset-Asthma). Die Teilnehmer:innen litten seit mehr als 20 Jahren unter Asthma. Bei 59% der Patient:innen wurde Atemwegsobstruktion diagnostiziert, 62% zeigten ein FEV1 von weniger als 80% vom Soll, Exazerbationen waren ebenso häufig wie Eosinophilie. Für Bossios ein alarmierendes Ergebnis, das zeige, dass rund 60% der Patient:innen in den Registern in mehreren Parametern unkontrolliert oder schlecht kontrolliert sind. Und das, obwohl 79% mit Biologika behandelt wurden und 18% systemische Kortikosteroide erhielten.
Die Daten zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen teilnehmenden Ländern. So gaben 85% der spanischen und 23% der schwedischen Teilnehmer:innen einen Asthmabeginn im Alter von >40 (Late-onset-Asthma) an. Komorbiditäten waren häufig. Bis zu 40% litten unter Komorbiditäten mit T2-Inflammation, wie etwa allergischer Rhinitis oder Nasenpolypen.
Komorbiditäten treten oft gehäuft auf und lassen sich clustern
Bossios wies auf eine weitere Registerstudie hin, die zeigt, dass Patient:innen mit schwerem Asthma häufig unter mehreren Komorbiditäten leiden und diese Komorbiditäten in Clustern gruppiert werden können (Abb.1).4 Nasenpolypen und Sinusitis bilden dabei einen T2-Cluster, der sich von den übrigen Komorbiditäten absetzt (Cluster 3). Am anderen Ende des Spektrums stehen steroidbedingtes Übergewicht, Adipositas und Osteoporose (Cluster 1). Dazwischen und teilweise mit Cluster 1 (nicht jedoch mit Cluster 3) überlappend liegt Cluster 2 mit Ekzemen, psychologischen Auffälligkeiten, gastroösophagealem Reflux (GERD) etc. Rhinitis fällt in Cluster 2, kann also durchaus vergesellschaftet mit z.B. Adipositas oder GERD auftreten.4
Abb. 1: Komorbiditätscluster der SHARP-Patient:innen mit schwerem Asthma nach vier europäischen Regionen (a), Euler-Diagramm der Patient:innenzahlen nach ihrem Multimorbiditätsprofil (b), die drei Komorbiditätscluster, die in allen vier Regionen Europas durchgängig festgestellt wurden (c); (modifiziert nach Freeman A et al. 2026)4
Die Daten zeigen auch, dass eine Mehrheit der Patient:innen unter T2-high-Asthma leidet, dass jedoch keineswegs alle T2-Biomarker (Eosinophilenzahl, FeNO, IgE) gleichzeitig erhöht sein müssen. Bossios gab jedoch zu bedenken, dass es unwahrscheinlich ist, bei schwerem Asthma keinen T2-Biomarker zu finden. In solchen Fällen wird empfohlen, die Steroide zu reduzieren und die Tests zu wiederholen. Generell verschieben sich die Biomarkerprofile unter Therapie mit Steroiden oder Biologika. Dies müsse bedacht werden, wenn die Befunde behandelter Patien-t:innen evaluiert werden sollen. SHARP hat eine „Heatmap“ erstellt, die die Korrelationen zwischen den einzelnen Biomarkern und den Charakteristika von schwerem Asthma auflistet.3
Quelle:
„Real-world severe asthma in adults: insights from SHARP“; Vortrag von Assoc.-Prof. Dr. Apostolos Bossios, PhD, Stockholm, im Rahmen des ERS Congress 2026 am 8. September in Barcelona
Literatur:
1 Kyriakopoulos C et al.: Biologic agents licensed for severe asthma: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Eur Respir Rev 2024; 33(172): 230238 2 Soremekun S et al.: Asthma exacerbations are associated with a decline in lung function: a longitudinal population-based study. Thorax 2023; 78(7): 643-52 3 Fouka E et al.: Severe asthma and remission prospects in Europe (SHARP): insights from a multicentre observational study based on the European Severe Asthma Registry. Lancet Respir Med 2026; 14(8): 659-72 4 Freeman A et al.: Multimorbidity phenotypes and associated characteristics in severe asthma: an observational study of European severe asthma registries. Lancet Reg Health Eur 2026; 63: 101600
Das könnte Sie auch interessieren:
Remission bei Asthma
Asthmaremission wurde im Biologika-Zeitalter als ehrgeiziges Therapieziel etabliert – der Begriff ist allerdings nach wie vor nicht einheitlich definiert. Offene Fragen bestehen auch im ...
Semaglutid: weniger Exazerbationen bei Asthma und COPD?
Eine große britische Real-World-Analyse deutet darauf hin, dass eine Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten bei Atemwegserkrankungen mit einer Abnahme der Zahl an akuten Exazerbationen ...