Inhalative Therapie bei COPD und Asthma
Bericht: Mag. Andrea Fallent
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Rezente Daten unterstreichen den Stellenwert inhalativer Kombinationstherapien: Bei unzureichend kontrollierter COPD kann die Eskalation zur inhalativen Triple-Therapie mit messbaren Verbesserungen von Lungenfunktion, Symptomen und Exazerbationen einhergehen, beim unkontrollierten Asthma bestätigt sich der Nutzen von Dreifachkombinationen nicht nur spirometrisch.
Bei COPD zeigen mehrere Real-World- und Interventionsstudien Verbesserungen von Lungenfunktion, Symptomatik und Exazerbationsrisiko. Bei Patient:innen mit Hyperinflation und eingeschränkter linksventrikulärer Funktion könnte eine duale Bronchodilatation sogar die Herzleistung unter Belastung verbessern. Gleichzeitig liefert ein neuer inhalativer PDE3/4-Hemmer erste positive Phase-II-Daten. Beim Asthma bestätigen aktuelle Studien den Benefit der Triple-Therapie insbesondere für Lebensqualität und Krankheitskontrolle.
COPD: bessere Lungenfunktion nach Eskalation auf Triple-Therapie
Die Optimierung der Lungenfunktion ist ein zentrales Ziel bei COPD, um Symptome zu lindern und das Risiko von Exazerbationen zu senken. Wie sich die Umstellung von einer dualen auf eine Triple-Therapie unter Alltagsbedingungen auf die Lungenfunktion auswirkt, untersuchte die RESPONSE-Studie bei 2217 Patient:innen mit unzureichend kontrollierter moderater bzw. schwerer COPD. In der 26-Wochen-Studie wurde der Wechsel auf Beclometasondipropionat/Formoterol/Glycopyrronium (BDP/FF/G; 88/5/9μg) mit extrafeiner Formulierung im Pulverinhalator an vier europäischen Studienzentren beobachtet.1
Nach 26 Wochen war die FEV1 in beiden Schweregradgruppen signifikant gestiegen (Abb.1): bei moderater COPD im Mittel um 80ml, bei schwerer COPD um 170ml. Damit fiel der Zugewinn bei stärkerer Obstruktion numerisch etwa doppelt so hoch aus; dort lag die mittlere Verbesserung auch oberhalb der zugrunde gelegten Schwelle für klinische Relevanz. Der Effekt zeigte sich unabhängig davon, ob zuvor eine LABA/LAMA- oder ICS/LABA-Therapie eingesetzt worden war.
Abb. 1: Die Eskalation von einer Zweifach- auf die Dreifachtherapie BDP/FF/G führte in beiden Patient:innengruppen zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Lungenfunktion (modifiziert nach Boda A et al. 2026)1
Auch eine italienische retrospektive Analyse spricht dafür, dass Triple-Therapie mehrere Krankheitsdimensionen gleichzeitig beeinflussen kann.2 86 COPD-Hochrisiko-Patient:innen erhielten über 12 Monate einmal täglich Fluticasonfuroat/Umeclidinium/Vilanterol (FF/UMEC/VI; 92/ 55/22μg) im Single-Inhaler. Die FEV1 stieg von 1,46 auf 1,61L, das Residualvolumen sank von 2,90 auf 2,50L, und auch die Diffusionskapazität nahm zu. Parallel verbesserte sich der Score des COPD Assessment Test (CAT) von 26,0 auf 22,9 Punkte; die Zahl moderater oder schwerer Exazerbationen ging im Vergleich zum Vorjahr von durchschnittlich 1,08 auf 0,15 zurück. Insgesamt erreichten 72% der Patient:innen die vordefinierte kombinierte Krankheitsstabilität (Symptomatik, Lungenfunktion, keine Exazerbationen).
Doppelte Bronchodilatation: Nutzen für die Herzfunktion?
Ein ungewöhnlicher Endpunkt wurde in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie aus Madrid gewählt: Untersucht wurden COPD-Patient:innen mit deutlicher Hyperinflation und gleichzeitig eingeschränkterlinksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) unter 50%.3 Nach zweiwöchiger Wash-out-Phase erhielten sie jeweils 14 Tage lang die bronchodilatatorische Wirkstoffkombination Umeclidinium/Vilanterol 55/22μg oder Placebo, die Behandlungsphasen waren durch eine weitere Wash-out-Phase getrennt.
54 der 63 eingeschlossenen Patient:innen konnten ausgewertet werden. Unter UMEC/VI stieg der echokardiografisch bestimmte Velocity-Time-Integral(VTI)-Quotient unter maximaler Belastung gegenüber dem Ausgangswert auf 1,51, unter Placebo auf 1,21; die Differenz war mit 0,30 statistisch signifikant (p<0,001). Gleichzeitig wurden eine Abnahme der Hyperinflation und Dyspnoe sowie Verbesserungen von Belastungsparametern beobachtet. Die Daten unterstützen damit die physiologische Hypothese, dass eine Entblähung der Lunge nicht nur die Atmung erleichtert, sondern über eine günstigere kardiale Füllung auch das Herz-Kreislauf-System entlasten kann. Wegen der kleinen Patient:innenzahl und der kurzen Behandlungsdauer sind größere Studien mit klinischen Endpunkten erforderlich.
Neuer PDE3/4-Hemmer ergänzt bestehende Bronchodilatation
Mit HSK39004 wurde ein neuer inhalativer PDE3/4-Hemmer in einer vierwöchigen Phase-II-Dosisfindungsstudie bei 195 COPD-Patient:innen geprüft.4 Die Teilneh-mer:innen erhielten zusätzlich zu einer bestehenden einfachen oder dualen Bronchodilatation HSK39004 in einer Dosis von 0,75mg beziehungsweise 1,5mg oder Placebo. Beide Dosierungen verbesserten die FEV1AUC0–12h („area under the curve of change from baseline in FEV1 from 0 to 12 hours post-dose“) in Woche 4 gegenüber Placebo signifikant um 116 beziehungsweise 127ml (Abb.2). Bei Patient:innen unter einfacher Bronchodilatation betrugen die Differenzen 164 und 189ml, unter bereits bestehender dualer Bronchodilatation 74 und 75ml. Das Sicherheitsprofil war in dieser kurzen Studie günstig: In der 0,75-mg-Gruppe wurden keine therapiebezogenen unerwünschten Ereignisse berichtet, in der 1,5-mg-Gruppe lag die Rate bei 6,1% gegenüber 7,9% unter Placebo.
Abb. 2: HSK39004: mittlere Veränderung der FEV₁-AUC0–12h gegenüber dem Ausgangswert in Woche 4 in der Gesamtpopulation und in den Subgruppen (modifiziert nach Luo F et al. 2026)4
Asthma: Triple-Therapie verbessert Lebensqualität im Praxisalltag
Derzeit bilden inhalative ICS/LABA-Kombinationen die Grundlage der Therapie für Patient:innen mit mittelschwerem bis schwerem Asthma. Die Dreifach-Fixdosiskombination mit einem zusätzlichen LAMA wird danneingesetzt, wenn die Erkrankung trotz einer dualen Therapie nicht unter Kontrolle ist.
In der globalen, offenen randomisierten PERFORM-Studie erhielten 619 Personen mit Asthma eine inhalative FF/UMEC/VI-Kombination und 617 eine ICS/LABA-Kombination. Bemerkenswert ist, dass die Population zwar klinisch unkontrolliertes Asthma aufwies, die mittlere Ausgangs-FEV1 mit rund 86% des Sollwerts aber nur wenig eingeschränkt war. Die primären Endpunkte der 52-wöchigen Studie waren Wirksamkeit und Sicherheit der Triple-Therapie im Vergleich zur Zweifachkombination. Zu den sekundären Endpunkten zählten die Veränderung der Scores von AQLQ12+ (Asthma Quality of Life Questionnaire ab 12 Jahren) und WPAI:Asthma (Work Productivity and Activity Impairment Questionnaire:Asthma) in Woche 24 gegenüber dem Ausgangswert.
Das Ergebnis: Die Triple-Therapie zeigte umfangreichere Verbesserungen im Gesamtscore des WPAI:Asthma sowie des AQLQ12+ , und hier speziell bei den darin enthaltenen Parametern Symptome und Aktivität. Die Ergebnisse sprechen somit dafür, den Therapieerfolg nicht allein an der Lungenfunktion zu messen.5
Zwei Triple-Therapien im Vergleich
Eine randomisierte indische Studie mit 336 Proband:innen verglich zwei Triple-Kombinationen direkt miteinander: FF/UMEC/VI (200/62,5/25μg) 1xtäglich versus Indacaterol/Glycopyrronium/Mometason (IND/GLY/MF; 150/50/160μg) 1xtäglich.6 Nach 12 Wochen nahm die FEV1 um durchschnittlich 0,4 bzw. 0,3 Liter zu, die Kriterien für Nichtunterlegenheit waren erfüllt. Die Verbesserungen von FVC, Post-dose-FEV1 und Lebensqualität (AQLQ) in Woche 12 waren ebenfalls vergleichbar. Moderate oder schwere Asthmaexazerbationen und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden während der Studie nicht berichtet. Die Studie belegt damit vor allem eine vergleichbare Wirksamkeit der beiden Triple-Regime, nicht die Überlegenheit eines Präparats.
Quelle:
ERS Congress 2026, 5.–9. September 2026, Barcelona
Literatur:
1 Boda A et al.: Lung function improvement in patients with moderate-to-severe COPD switching to extrafine BDP/FF/G DPI: results from the RESPONSE study. ERS 2026, Abstract #128424, Poster #352 2 Lupia C et al.: Impact of single-inhaler triple therapy FF/UMEC/VI on disease stability in COPD: a real-world 12-month analysis. ERS 2026, Abstract #128165 3 Puente Maestu L et al.: Late Breaking Abstract: Phase IV, single-center, double-blind, randomized, placebo-controlled, crossover clinical trial designed to evaluate the effect of double bronchodilation with umeclidinium/vilanterol in patients with COPD, hyperinflation, and heart failure. ERS 2026, Abstract #131754, Poster #394 4 Luo F et al.: Late Breaking Abstract: A dose-ranging study of the novel PDE3/4 inhibitor HSK39004 in patients with COPD receiving maintenance single or dual bronchodilators. ERS 2026, Abstract #131555, Poster #2562 5 Crawford J et al.: Quality of life improvements with FF/UMEC/VI versus ICS/LABA usual care in patients with uncontrolled asthma: secondary outcomes of PERFORM, a pragmatic randomised controlled trial. ERS 2026, Abstract #128633, Poster #357 6 Sonawane D et al.: A phase III, randomized, multicentre, active controlled study to evaluate fluticasone furoate, umeclidinium and vilanterol in uncontrolled asthma management. ERS 2026, Late Breaking Abstract #131788, Poster #3729
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