Biologikaauswahl bei Kindern mit Asthma
Bericht: Reno Barth
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Die Wahl eines konkreten Biologikums in der Behandlung von schwerem Asthma kann herausfordernd sein – insbesondere bei pädiatrischen Patient:innen. Eine internationale Befragung von Expert:innen ergab dazu nur wenig Übereinstimmungen.
Für die Behandlung von Kindern mit schwerem Asthma sind derzeit in der EU drei Biologika zugelassen (Omalizumab, Mepolizumab, Dupilumab), Tezepelumab zudem für Jugendliche ab 12 Jahren. Die meisten davon richten sich gegen Typ-2-Signalwege, direkte Vergleichsstudien fehlen, wie Dr. Marielle Pijnenburg von der Erasmus-Universität in Rotterdam erklärte. Wenn es um die Wahl eines konkreten Wirkstoffs geht, fehlten oftmals die Anhaltspunkte. Das konkrete Vorgehen werde daher aus den Guidelines für Erwachsene abgeleitet. Anmerkung: Die deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. (GPP) hat 2025 mit österreichischer Beteiligung S1-Empfehlungen zum Management von schwierigem und schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen publiziert.1
Indikationen für Biologika
Mit einem Literatur-Review wurde erhoben, welche Prädiktoren für ein Ansprechen in klinischen Studien beschrieben wurden. Diese waren für Omalizumab, Dupilumab, Mepolizumab und Tezepelumab ähnlich, nämlich für Mepolizumab eine Eosinophilenzahl im Blut (BEC) von >300/μl, für Dupilumab BEC >150–300/μl und ein FeNO>20ppb, für Tezepelumab BEC >150–300/μl, FENO>25ppb und häufige Exazerbationen. Für Omalizumab gibt es zusätzlich zu BEC>300/μl (bzw. 2%), FeNO>20ppb und häufigen Exazerbationen noch Prädiktoren von Ansprechen wie z.B. weibliches Geschlecht, höherer BMI, multiple allergische Sensibilisierung oder Ekzem.
Da immer mehr Biologika verfügbar sind, es jedoch für die pädiatrische Population keine internationalen Empfehlungen gibt, welche wann vorzuziehen sind, wurde eine Delphi-Befragung im Rahmen von SPACE (The Severe Paediatric Asthma Collaborative in Europe) gestartet. Sie verfolgte das Ziel, in zwei wichtigen Fragen Konsens zu erreichen. Erstens: Welche Biologika sind unter welchen Umständen am besten für die Behandlung von Kindern ab sechs Jahren sowie von Jugendlichen geeignet. Und zweitens: Wann und wie sollen Biologika bei Kindern ab sechs Jahren sowie bei Jugendlichen mit schwerem Asthma wieder abgesetzt werden? Die Frage nach dem Absetzen sei wichtig, weil viele Kinder die Biologika-Therapie mit regelmäßigen Injektionen als belastend empfinden.
Komorbiditäten als Entscheidungshilfe
Für die Befragung wurden 21 Statements zur Biologika-Wahl und 17 zum Absetzen von Biologika abgefragt. Es nahmen 59 Expert:innen teil, vorwiegend Pneumo-log:innen mit Schwerpunkt Pädiatrie – 42 aus Europa, 17 aus den USA und Kanada. Die Mehrzahl der Befragten arbeitet in Zentren, in denen eine größere Zahl von Kindern mit schwerem Asthma betreut wird. Die Befragung begann im Mai 2025, die Auswertung war im Juni 2026 abgeschlossen. Zustimmung bedeutete, dass mindestens 75% der Befragten mit „stimme zu“ oder „stimme sehr zu“ antworteten.
Das höchste Maß an Zustimmung wurde bei Fragen zur Bedeutung von Komorbiditäten bei der Wahl des Biologikums erreicht. So stimmten die meisten dafür, bei komorbider atopischer Dermatitis, eosinophiler Ösophagitis oder Nasenpolypen Dupilumab einzusetzen. Bei IgE-mediierter Nahrungsmittelallergie oder chronischer idiopathischer Urtikaria gab die große Mehrheit Omalizumab den Vorzug. Ebenso fand das Statement, dass die Wahl des Biologikums gemeinsam mit Kindern und Eltern getroffen werden solle, mehrheitlich Zustimmung. Eine große Mehrheit unterstützte auch die Ansicht, dass bei der Wahl des Biologikums das Alter des Kindes, Biomarker, Verfügbarkeit, Kostenerstattung, Häufigkeit der Injektionen und Präferenzen der Patient:innen berücksichtigt werden sollen. Kein Konsens wurde z.B. in der Frage erreicht, welchem Biologikum bei eosinophilem, nicht allergischem Asthma der Vorzug zu geben ist. Hier lagen Mepolizumab und Dupilumab in etwa gleich auf. Generell gab es in der Bewertung von Asthmaphänotypen und Biomarkern wenig Übereinstimmung. Dazu gab Pijnenburg zu bedenken, dass Biomarker möglicherweise generell nicht besonders hilfreich bei der Auswahl des Biologikums sein könnten, da es sich bei schwerem Asthma fast immer um T2-Asthma handle.
In den Fragen nach dem Absetzen von Biologika wurde kaum Übereinstimmung erreicht. Konsensfähig war nur das Statement, dass ein Absetzen bei guter Asthmakontrolle nach frühestens einem Jahr in Betracht gezogen werden sollte. Viele Befragte waren der Ansicht, dass es mindestens zwei Jahre sein sollten. Auch war eine Mehrzahl der Expert:innen der Ansicht, dass eine Biologika-Therapie bei Kindern nicht unbegrenzt weitergeführt werden soll. Keine Übereinstimmung wurde in den Fragen zur Beendigung einer Biologika-Therapie (abrupt, Dosisreduktion, Verlängerung der Dosisintervalle) erreicht.
Quelle:
„Biologics in children: expert consensus on choosing and stopping“; Vortrag von Dr. Marielle Pijnenburg, Rotterdam, am 8. September 2026 im Rahmen des ERS Congress in Barcelona
Literatur:
1 Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. (GPP): Management von schwierigem und schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/026-027 ; zuletzt aufgerufen am 10.9.2026
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