Vorsichtige Entwarnung für Kinder und Jugendliche
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Schwere Covid-19-Erkrankungen hinterlassen bei einem erheblichen Teil der erwachsenen Betroffenen Schädigungen der Lunge, die auch Monate nach der Krankheit noch nachweisbar sind. Doch mehrere im Rahmen des ERS 2021 präsentierte Studien bringen eine gute Nachricht: Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Risiko für einen Schaden an der Lunge nach Covid-19 gering.
Eine Arbeit des schwedischen Karolinska-Instituts in Stockholm untersuchte 661 zwischen 1994 und 1996 geborene junge Erwachsene, die im Rahmen von BAMSE, einer Geburtskohorte, seit Jahren regelmässig beobachtet werden. Die letzten Untersuchungen vor der Pandemie wurden in den Jahren 2016 und 2019 durchgeführt. Zu den gesammelten Daten zählten das Blutbild, die Lungenfunktion sowie Entzündungsmarker.
Von den 661 Studienteilnehmern hatten 178 (27 %) Antikörper gegen SARS-CoV-2 und damit offenbar eine Infektion überstanden. Für die Studie gemessen wurden das Einsekundenvolumen (FEV1) und die forcierte Vitalkapazität (FVC) und daraus wurde das Verhältnis FEV1/FVC als Masszahl für eine etwaige Atemwegsobstruktion errechnet. Die Werte wurden mit den Untersuchungsergebnissen aus der Zeit vor der Infektion verglichen. Als Kontrollgruppe dienten Probanden aus der Kohorte, die keine Antikörper gegen SARS-CoV-2 hatten.
Die Studie fand weder hinsichtlich der Lungenfunktion noch hinsichtlich des Blutbildes oder der Entzündungsmarker Unterschiede zwischen den Gruppen. In einem weiteren Schritt wurden Probanden, die unter Asthma litten, separat ausgewertet. Auch in dieser Kohorte wurden 24 % positiv auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 gestestet. In dieser Auswertung ergab sich ein Trend in Richtung einer etwas schlechteren Lungenfunktion, der jedoch Signifikanz verfehlte.
Studienautorin Dr. Ida Mogensen betonte, dass man in diese Richtung weiterforschen werde, zumal die Zahl der Asthmapatienten in dieser Kohorte zu klein war, um robuste Aussagen zu erlauben. Insgesamt seien die Ergebnisse aber für junge Erwachsene beruhigend.
Covid-19 bei Kindern: Eingeschränkte Lungenfunktion ist selten
Teilweise Entwarnung kann auch für Kinder und Jugendliche gegeben werden. Eine Gruppe der Ruhr-Universität in Bochum untersuchte zwischen August 2020 und März 2021 die Langzeiteffekte einer Covid-19-Infektion in einer Kohorte von 73 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren. Man wisse zwar, dass Kinder und Jugendliche meist weniger schwer an Covid-19 erkranken als Erwachsene, aber es sei noch sehr wenig über mögliche Langzeiteffekte bekannt. Hier Evidenz zu generieren sei wichtig, da für diese Altersgruppen zum Teil noch keine Impfstoffe zur Verfügung ständen und daher noch viele Kinder an Covid-19 erkranken würden.
Für die Studie wurden zwischen zwei Wochen und sechs Monate nach einer Covid-19-Erkrankung aufwendige Lungenfunktionstests inklusive Ganzkörperplethysmografie und Messung der Diffussionskapazität durchgeführt und die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe von 45 Kindern verglichen, die keine Corona-Infektion hatten, aber andere Infektionskrankheiten durchgemacht haben konnten. Sowohl in der Covid- als auch in der Kontrollgruppe hatte jeweils rund ein Drittel der Patienten eine symptomatische Infektion hinter sich. Die Studienteilnehmer waren unterschiedlich schwer erkrankt. Eine Erkrankung wurde als schwer klassifiziert, wenn das Kind unter Atemnot gelitten, für mehr als fünf Tage über 38,5 Grad gefiebert, Bronchitis oder Pneumonie entwickelt hatte oder für mehr als einen Tag hospitalisiert worden war.
Die Ergebnisse sahen auf den ersten Blick alarmierend aus: 19 der Kinder und Jugendlichen zeigten persistierende oder neue Symptome nach der Infektion mit SARS-CoV-2, darunter häufig auch Fatigue. Acht gaben respiratorische Symptome an, sechs davon berichteten anhaltende Atemprobleme und zwei hatten persistierenden Husten. Zwei zeigten eine auffällige Lungenfunktion. Allerdings ergab die Auswertung der Kontrollgruppe, dass Auffälligkeiten der Lungenfunktion bei Kindern, die kein Covid-19 durchgemacht hatten, sogar noch häufiger waren. Insgesamt zeigten die Auswertungen eine Reduktion der forcierten Vitalkapazität bei Patienten, die eine schwere Infektion durchgemacht hatten. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um SARS-CoV-2 oder einen anderen Erreger gehandelt hatte.
„Alles in allem haben wir gesehen, dass die Schwere der Infektion der einzige Prädiktor für eine leichte Reduktion der FVC nach der Erkrankung war. Dieser Effekt war unabhängig davon, um welche Erkrankung es sich gehandelt hatte. Auffällig ist das Auftreten von Atemproblemen bei normaler Lungenfunktion. Das kann beispielsweise die Folge dysfunktionaler Atmung sein, wie wir sie auch bei Erwachsenen beobachtet haben“, kommentierte Studienautorin Dr. Anne Schlegtendal.
Quelle:
1) Mogensen I et al.: Lung function before and after infection in young adults. ERS 2021, OA4053
2) Schlegtendal A et al.: Pulmonary function in children and adolescents after COVID-19. ERS 2021, OA1303
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