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AAN 2018

Good Vibrations in Los Angeles

<p class="article-intro">Ein wichtiges Highlight der 70. AAN-Jahrestagung in Los Angeles war die bevorstehende Renaissance der Prävention und Therapie der episodischen bzw. chronischen Migräne mit den CGRP-Antikörpern. Auch in der MS-Therapie gibt es neue Therapieoptionen, beispielsweise bei der pädiatrischen MS. Positive Daten zu den letzten verbliebenen ß-Amyloid-Antikörpern bei der Therapie der frühen Alzheimerdemenz sowie – natürlich – dem therapeutischen Einsatz von Cannabidiol sorgten für weitere Diskussionen.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die in Entwicklung befindlichen Antik&ouml;rper gegen das &laquo;calcitonin generelated peptide&raquo; (CGRP) bzw. dessen Rezeptor haben sich in mehreren hochrangig ver&ouml;ffentlichten Phase-III- bzw. -IIb-Studien in der Pr&auml;vention der episodischen bzw. chronischen Migr&auml;ne als wirksam erwiesen. Mit der CGRP-Blockade wird die durch das trigeminale Nervengeflecht beeinflusste Entstehung des Migr&auml;nekopfschmerzes unterbrochen.<br /> Auf dem AAN wurde eine F&uuml;lle neuer Daten f&uuml;r die monoklonalen CGRP-Antik&ouml;rper Galcanezumab, Eptinezumab und Fremanezumab sowie den Antik&ouml;rper gegen den CGRP-Rezeptor, Erenumab, zu verschiedenen Patientenpopulationen vorgestellt. Erenumab wurde inzwischen von der FDA zur Migr&auml;nepr&auml;vention zugelassen und in der EU zur Zulassung durch die EMA empfohlen. Prof. Peter Goadsby, Professor f&uuml;r Neurologie, Kings College London, stellte in Los Angeles die LIBERTYStudie zur Pr&auml;vention der episodischen Migr&auml;ne (im Mittel 9 Tage) bei intensiv vorbehandelten Patienten &ndash; unzureichende Response auf bis zu vier Pr&auml;ventionstherapien &ndash; vor.<sup>1</sup><br /><br /> Erenumab war beim prim&auml;ren Endpunkt &ndash; Prozentsatz von Patienten mit einer Reduktion der monatlichen Migr&auml;netage =50 % in den letzten vier Therapiewochen &ndash; signifikant wirksamer als Placebo (nach 12 Wochen: 30,3 % vs. 13,7 % ; Odds-Ratio [OR] 2,73; 95 % Konfidenzintervall [CI]: 1,43&ndash;5,19; p=0,002). Auch alle sekund&auml;ren Endpunkte wurden erreicht. Subgruppenauswertungen ergaben, dass die Wirksamkeit von Erenumab bei Patienten mit und ohne Aura vergleichbar gut war<sup>2</sup>, ebenso bei Frauen mit/ohne Menstruations-assoziierte Migr&auml;ne. <sup>3</sup><br /><br /> Intensiv untersucht wurde die kardiovaskul&auml;re Sicherheit. In einer placebokontrollierten, doppelblinden Studie mit 99 Patienten mit chronischer stabiler Angina pectoris traten w&auml;hrend eines Laufbandtests unter Erenumab im Vergleich zu Placebo keine Sicherheitssignale auf.<sup>4</sup> Die Analyse von vier RCT-Studien zeigte bei gesunden Probanden unter beiden Erenumab- Dosierungen keine signifikanten Blutdruckver&auml;nderungen.<sup>5</sup></p> <h2>Cannabidiol als Add-on bei der Epilepsie</h2> <p>Die intensive Diskussion zum Einsatz von Cannabis bei unzureichend eingestellten Patienten mit Epilepsie spiegelte sich auf dem AAN in zahlreichen Postern und Vortr&auml;gen wider. Cannabidiol (CBD) als orale L&ouml;sung (100mg/mL) wird in der Phase III bei jugendlichen und erwachsenen Patienten mit verschiedenen Epilepsieformen, darunter mit Lennox-Gastaut- Syndrom (LGS) oder Dravet-Syndrom (DS), untersucht. Eine Interimsanalyse der Extensionsstudie GWPCARE5 (NCT02224573) der doppelblinden 12-w&ouml;chigen Phase-III-Studien zeigt, dass die Add-on-Therapie mit Cannabidiol (CBD) &uuml;ber eine Gesamttherapiedauer von bis zu 60 Wochen zu einer Anfallsreduktion bei den verschiedenen Epilepsieformen um 48&ndash;70 % (LGS) bzw. 38&ndash;60 % (DS) und einer anhaltenden Verbesserung des globalen Eindruckes im S/CGIC (&laquo;Subject/ Caregiver Global Impression of Change&raquo;) f&uuml;hrte. Auftretende Nebenwirkungen, darunter ein Transaminasen-Anstieg, waren in mehr als drei Vierteln der Patienten mild bis moderat. Rund ein Viertel der Patienten (LGS: 26 % ; DS: 29 % ) beklagte ernste Nebenwirkungen, die jedoch nur in 6 bzw. 8 % als therapieinduziert gewertet wurden. Es traten 4 (LGS) bzw. 2 (DS) Todesf&auml;lle auf, die nicht als therapieinduziert eingestuft wurden.<sup>6, 7</sup><br /><br /> Als nicht signifikant wirksamer als Placebo erwies sich jedoch transdermales Gel (ZYN002) als Add-on-Therapie in der randomisierten, doppelblinden 12-w&ouml;chigen Phase-IIA-Studie STAR1 und in der Extensionsstudie STAR2 &uuml;ber weitere 52 Wochen. Teilnehmer waren 174 Patienten (18&ndash;70 Jahre) mit fokaler Epilepsie.<sup>8</sup></p> <h2>Positive Signale bei der Alzheimerdemenz</h2> <p>Hoffnungsvolle Signale kamen 2018 auch von aktuellen klinischen Studien mit einigen der verbliebenen Anti-&szlig;-Amyloid- Antik&ouml;rper. Aducanumab bindet, &auml;hnlich wie das inzwischen gescheiterte Solanezumab, an ein Struktur-Epitop, das sich auf aggregiertem (pathologischem) A&szlig;, nicht jedoch auf A&szlig;-Monomeren ausbildet. Der Antik&ouml;rper erwies sich bei Patienten mit prodromaler oder milder Alzheimerdemenz in einer Interimsanalyse nach 36 Monaten in der Phase-Ib-Kernstudie PRIME sowie der Extensionsstudie als sicher und vertr&auml;glich und reduzierte dosisabh&auml;ngig kontinuierlich die &szlig;-Amyloid-Last in den analysierten Regionen. Positiv ver&auml;nderten sich die explorativen Endpunkte Clinical Dementia Rating Scale Sum of Boxes (CDR-SOB) sowie MMSE.<sup>9</sup> Die h&auml;ufigsten schweren unerw&uuml;nschten Ereignisse waren &ouml;demat&ouml;se bzw. ergussartige Antik&ouml;rperreaktionen (ARIA; &laquo;amyloidrelated imaging abnormalities&raquo;). ARIA-E waren mit 3 % selten und traten vorwiegend fr&uuml;h im Therapieverlauf auf. Eine Dosistitration scheint das Auftreten zu beg&uuml;nstigen, zeigt die Studie. ARIA-E waren meist mild, asymptomatisch und verschwanden bzw. stabilisierten sich innerhalb von 4&ndash;12 Wochen. Die meisten Betroffenen setzten die Therapie fort.<sup>10</sup><br /> Die PET-Daten zweier Extensionsstudien der placebokontrollierten Doppelblindstudien Marguerite und Scarlet RoAD mit Gantenerumab zeigten nach 52 Wochen eine dosisabh&auml;ngige Reduktion der &szlig;- Amyloid-Last &uuml;ber alle Subgruppen von Patienten, die f&uuml;r die h&ouml;heren Dosierungen statistisch signifikant gegen&uuml;ber Placebo war. Die Phase-III-Studien GRADUATE 1 und 2 sollen daher nur mit diesen Dosierungen durchgef&uuml;hrt werden.<sup>11</sup></p> <h2>Neues von der MS</h2> <p>F&uuml;r Patienten mit p&auml;diatrischer RRMS bzw. sekund&auml;r progressiver MS (SPMS) gibt es mit den beiden S1P-Modulatoren Fingolimod bzw. Siponimod eine wichtige Erweiterung bzw. eine erstmalig wirksame Therapie. F&uuml;r Siponimod wurden die g&uuml;nstigen Ergebnisse einer Phase-II-Studie jetzt durch die Phase-III-Studie EXPAND best&auml;tigt. Das Medikament reduzierte das Risiko einer Behinderungsprogression (best&auml;tigt nach 3 und 6 Monaten) um 21&ndash;26 % bei Patienten mit und ohne Restschubaktivit&auml;t. Post-hoc-Berechnungen zeigen, dass das Ergebnis nicht durch eine m&ouml;gliche Restschubaktivit&auml;t getrieben wurde.<sup>12</sup><br /><br /> Bei der p&auml;diatrischen RRMS wurde Fingolimod inzwischen von der FDA zur Therapie der RRMS bei Kindern und Jugendlichen von 10 bis &lt;18 Jahre zugelassen. In der zulassungsrelevanten Studie PARADIGMS reduzierte Fingolimod die Schubrate im Vergleich zu Interferon (IFN) &szlig;-1a i.m. um 82 % (p&lt;0,001).<sup>13</sup> Das Risiko einer Behinderungsprogression (best&auml;tigt nach drei Monaten) wurde um 77,2 % (p=0,007) verringert. Sicherheit und Vertr&auml;glichkeit von Fingolimod bei dieser Patientenpopulation entsprachen dem Profil bei erwachsenen Patienten.<sup>14</sup></p> <h2>Neurofilamente als neue Biomarker?</h2> <p>Immer st&auml;rker kristallisiert sich der Nachweis von Neurofilament-Leichtketten als Biomarker f&uuml;r eine individuelle Beurteilung der Krankheitsaktivit&auml;t der MS und Prognoseabsch&auml;tzung heraus. Die NfL-Konzentration l&auml;sst R&uuml;ckschl&uuml;sse auf das Ausmass axonaler Destruktion und neuronaler Degeneration zu. Der Nachweis kann im Liquor (ELISA) oder im Serum mittels des &laquo;single molecule array&raquo; (SIMOA) erfolgen. Die auf dem AAN vorgestellten Studien unterstreichen den hohen klinischen Nutzen von NfL als fast &laquo;omnipotentem&raquo; Biomarker. Die retrospektive Auswertung der Phase-III-Studien CHAMPS (IFN-&szlig;-1a bei CIS-Patienten), ADVANCE (pegyliertes IFN-&szlig;-1a bei der RRMS) und SENTINEL (Natalizumab bei RRMS) ergab eine hochsignifikante Assoziation zwischen der NfL-Konzentration im Serum (sNfL) und klinischen und paraklinischen Outcomefaktoren:</p> <ul> <li>EDSS-Progression in den kommenden f&uuml;nf Jahren (p&lt;0,05)</li> <li>MRT: Anzahl der Gd+-L&auml;sionen; aktuelles T2-L&auml;sionsvolumen sowie in den kommenden 10 Jahren (jeweils p&lt;0,00001)</li> <li>Hirnatrophierate in den kommenden f&uuml;nf Jahren (p&lt;0,00001)</li> </ul> <p>Bei Patienten ohne Zeichen von Krankheitsaktivit&auml;t blieb das sNfL konstant niedrig (im Mittel 8,4pg/mL), w&auml;hrend es bei Zeichen von Krankheitsaktivit&auml;t erh&ouml;ht war (im Mittel 25pg/mL). In den Therapiearmen der Studien war das sNfL erniedrigt, am deutlichsten bei Natalizumab. <sup>15</sup> Sormani et al. konnten zeigen, dass die Integration der NfL-Konzentration die prognostische Aussagekraft des NEDA-Konzeptes (&laquo;no evidence of disease activity&raquo;) signifikant erh&ouml;ht.<sup>16</sup> Vergleichbare Daten zur sNfL-Reduktion wurden auch f&uuml;r weitere MS-Medikamente vorgestellt: Siponimod<sup>17</sup>, Ocrelizumab<sup>18</sup>, Fingolimod<sup>19</sup>.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: 70<sup>th</sup> Annual Meeting of the American Academy of Neurology, 21.–27. April 2018, Los Angeles </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Reuter U et al.: AAN 2018, Emerging Science Session 009 <strong>2</strong> McAllister P et al.: AAN 2018, Abstract P4.094 <strong>3</strong> Pavlovic JM et al.: AAN 2018, Abstract P4.096 <strong>4</strong> Depr&eacute; C et al.: AAN 2018, Oral Session S32.004<strong> 5</strong> Tepper SJ et al.: AAN 2018, Abstract P4.103 <strong>6</strong> Halford J et al.: AAN 2018, Abstract P1.264 <strong>7</strong> Miller I et al.: AAN 2018, Abstract S19.003 <strong>8</strong> Messenheimer J et al.: AAN 2018, Abstract P4.468 <strong>9</strong> Von Rosenstiel S et al.: AAN 2018, Abstract S2.003 <strong>10</strong> Budd S et al.: AAN 2018, Abstract S 2.004 <strong>11</strong> Klein G et al.: AAN 2018, Abstract S2.005 <strong>12</strong> McCree B et al.: AAN 2018, Abstract S8.005 <strong>13</strong> Arnold D et al.: AAN 2018, Oral Session S51.005 <strong>14</strong> Deiva K et al.: AAN 2018, Emerging Science Session 005 <strong>15</strong> Calabresi P et al.: AAN 2018, Abstract S24.001<strong> 16</strong> Sormani MP et al.: AAN 2018, Abstract S24.007 <strong>17</strong> Kuhle J et al.: AAN 2018, Abstract S8.006 <strong>18</strong> Calabresi P et al.: AAN 2018, Abstract S24.003 <strong>19</strong> Kuhle J et al.: AAN 2018, Abstract S24.004</p> </div> </p>
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