Ganzkörperbestrahlung bleibt bevorzugte Konditionierung vor Transplantation
Die Ganzkörperbestrahlung (TBI) ist bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) die am häufigsten verwendete myeloablative Strategie vor allogener Stammzelltransplantation. Um Toxizitäten der Bestrahlung zu vermeiden wurde untersucht, ob eine Chemotherapie die TBI ersetzen kann.
Die prospektive, randomisierte Studie FORUM schloss Patienten ab einem Alter von 4 Jahren ein, für die ein gematchter verwandter Spender (MSD) oder ein gematchter nicht verwandter Spender (MUD) vorhanden war. Randomisiert erhielten die Patienten entweder eine Chemotherapie mit Fludarabin, Thiotepa und Bulsulfan oder Fludarabin, Thiotepa und Treosulfan oder TBI und Etoposid. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben.
Zwischen 2013 und 2018 wurden 413 Patienten in die Studie aufgenommen, bevor die Randomisierung aufgrund eines signifikant unterlegenen Therapieerfolgs mit der Chemotherapie geschlossen wurde. Die 2-Jahres-OS-Rate betrug 75% unter Chemotherapie versus 91% unter TBI. Innerhalb der Per-Protokoll-Population waren nach 2 Jahren 91% (TBI) und jeweils 77% der Patienten unter den beiden Chemotherapieregimen am Leben. 85%, 64% (Bulsulfan-Arm) und 58% (Treosulfan-Arm) der Patienten waren ohne Ereignis. Einen Krankheitsrückfall erlitten 12%, 30% und 31% und an ihrer Erkrankung verstarben 3%, 6% bzw. 12% der Patienten. In einer multivariaten Analyse wurden keine Unterschiede für den Therapieerfolg mit unterschiedlichem Spendertyp, Remissionsstatus bei Stammzelltransplantation, Stammzellquelle oder MRD-Status bei Stammzelltransplantation gesehen.
Fazit
Die Ganzkörperbestrahlung war den Busulfan- bzw. Treosulfan-haltigen Chemotherapien bezüglich des Gesamtüberlebens und des ereignisfreien Überlebens (EFS) überlegen. Es wurde kein Unterschied zwischen den Chemotherapie-Regimen beobachtet. Die Therapie-bedingte Mortalität war insgesamt niedrig.
Quelle: Peters C et al.: TBI or chemotherapy based conditioning for children and adolescents with ALL: A prospective randomized multicenter-study `FORUM´ on behalf of the AIEOP-BFM-ALL-SG, IBFM-SG, INTREALL-SG and EBMT-PD-WP. EHA 2020, Abstr. #S102
Bericht: Dr. Ine Schmale
Das könnte Sie auch interessieren:
Effektive Niedrigdosisbestrahlung bei orbitalem MALT-Lymphom
Das MALT-Lymphom ist eine seltene Form des malignen Non-Hodgkin-Lymphoms. Es macht etwa 7–8% der jährlich diagnostizierten Fälle von Non-Hodgkin-Lymphomen aus.1 Der folgende Fallbericht ...
Einheitliches Vorgehen oder individuelle Strategien?
Die Behandlung des neu diagnostizierten multiplen Myeloms (NDMM) hat sich mit der Entwicklung neuer Medikamente stark verändert, vor allem durch hochwirksame Kombinationen, die einen ...
Bislang unerreichtes Ansprechen, aber auch komplexe Herausforderungen
Bei indolenten Lymphomen ist der Krankheitsverlauf meist langsam, doch sie können auch zu aggressiven Tumoren transformieren, was mit einer ungünstigen Prognose einhergeht. Was sich bei ...