Labortest kann optimale Aspirindosis bestimmen
Bericht:
Hanna Gabriel, MSc
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Um einer Präeklampsie vorzubeugen, kommt standardmäßig Aspirin in niedriger Dosierung zum Einsatz. Eine Studie der Medizinischen Universität Graz zeigt erhebliche individuelle Schwankungen der thrombozytenaggregationshemmenden Wirkung und spricht sich für einen personalisierten Ansatz aus.1
Die Präeklampsie-Prophylaxe mit Aspirin trägt wesentlich zur Senkung mütterlicher sowie neonataler Morbidität und Mortalität bei. Dennoch werden nicht alle Patientinnen durch die niedrig dosierte Therapie erfolgreich geschützt. Das Ziel der aktuellen Studie1 war, die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung von Aspirin mittels Lichttransmissionsaggregometrie (LTA) nach Gustav Born zu quantifizieren. Hierzu wurden die Daten von 248 Patientinnen mit erhöhtem Präeklampsierisiko erfasst. Ein Großteil der Patientinnen (n=229) erhielt 100mg Aspirin täglich, den restlichen 19 Patientinnen wurden von Beginn an 150mg Aspirin verabreicht. Der Therapiestart lag bei allen Patientinnen vor der 16. SSW.
Im Verlauf der Therapie wurde mit der LTA die individuelle Wirksamkeit auf die Thrombozytenfunktion ermittelt, um gegebenenfalls die tägliche Dosis auf 150mg zu steigern. Hierzu wurde in routinemäßig entnommenen Plasmaproben die Thrombozytenaggregation mittels dreier spezifischer Agonisten (Arachidonsäure, Kollagen und ADP) sowie TRAP („thrombin receptor activating peptide“) als Positivkontrolle induziert. Eine Einstufung als effektive Aspirintherapie erfolgte, wenn sowohl die kollageninduzierte Thrombozytenaggregation stark reduziert war (Amplitude von <25% und/oder <200AUC [„area under the curve“]) als auch keine arachidonsäureinduzierte Aggregation induzierbar war.
Bei 60% (138/229) aller Patientinnen mit 100-mg-Dosierung konnte keine hinreichende thrombozytenhemmende Wirkung festgestellt werden. Bei 138 Patientinnen erfolgte eine Dosissteigerung auf 150mg, jedoch konnten 67 von diesen im Rahmen der Studie aufgrund eines Wechsels in private Behandlung nicht weiter evaluiert werden. Ungeachtet der Dosierung sprachen insgesamt 65% (117/181) der Patientinnen auf die Aspirintherapie an, während beim verbleibenden Drittel kein thrombozytenhemmender Effekt erzielt werden konnte.
In einem zweiten Schritt wurden die Aggregationswerte zwischen den beiden Gruppen des effektiven vs. des ineffektiven Therapieansprechens unter den zwei Dosierungen (100mg vs. 150mg) für die drei Agonisten (Arachidonsäure, Kollagen und ADP) verglichen. Eine generelle Intensivierung der thrombozytenhemmenden Wirkung durch Verabreichung von 150mg statt 100mg Aspirin konnte nicht gezeigt werden. Allerdings ergab sich eine signifikante Reduktion der durch Kollagen induzierten Thrombozytenaggregation bei derjenigen Untergruppe, deren Dosis aufgrund der ersten LTA-Messungen erhöht wurde. Die 18 effektiv therapierten Patientinnen zeigten hierbei eine deutliche Intensivierung der thrombozytenhemmenden Wirkung durch Abnahme der Aggregation von 39±17,9% (100mg) auf 17,3±9,1% Maximalaggregation (150mg) (p<0,0005). Jene Patientinnen, die trotz Erhöhung nicht auf die Aspirintherapie ansprachen, zeigten eine wesentlich mildere Reduktion von 50,4±18,7% (100mg) auf nur 44,7±12% Maximalaggregation (150mg) (p<0,05). Den Autoren zufolge hätten diese Patientinnen womöglich von einer Steigerung über die derzeit gültige maximale Dosierung von 150mg/Tag profitiert.
Diskussion
Die vorliegenden Ergebnisse weisen im Einklang mit anderen Veröffentlichungen auf eine teilweise Ineffektivität der Aspirinprophylaxe bei Präeklampsie hin. Dieses Phänomen des unterschiedlichen Therapieansprechens kommt leider häufiger vor als gedacht und ist bei Aspirin ein seit langer Zeit bekanntes Problem in der Kardiologie und Neurologie. Ursächlich könnte hierfür die noch nicht vollständig bestimmte Pathogenese sein, aufgrund deren Aspirin nur bei früh einsetzender Präeklampsie vorbeugend wirken kann. Auch die Möglichkeit einer Aspirinresistenz, wie sie bereits in der Literatur beschrieben wurde, schließen die Autoren nicht aus. Zudem sind individuelle pharmakodynamische Unterschiede und Faktoren wie Ethnizität oder Krankheitsgeschichte zu berücksichtigen.
Fazit
Die Studie konnte zeigen, dass in der Aspirintherapie mit individuell unterschiedlichen und dosisabhängigen Ansprechraten der Patientinnen zu rechnen ist. Ein Drittel aller Risikopatientinnen wird durch die Therapie mit 150mg Aspirin nicht ausreichend geschützt. Die Autorenunterstreichen die Notwendigkeit eines personalisierten Ansatzes zur Präeklampsieprophylaxe. Mit LTA, einem einfachen und kostengünstigen Labortest, könnten Monitoring und Anpassung der Aspirindosis individualisiert werden. Ob Dosierungen im Bedarfsfall über 150mg hinausgehen könnten, muss erst in weiteren Studien geklärt werden.
Literatur:
1 Stern C et al.: Low dose aspirin in high-risk pregnancies: The volatile effect of acetylsalicylic acid on the inhibition of platelets uncovered by G. Born’s light transmission aggregometry. J Reprod Immunol 2021; 145: 103320
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