© Getty Images/iStockphoto

Highlights vom Jahrestreffen der IUGA 2015

<p class="article-intro">Das diesjährige Jahrestreffen der International Urogynecological Association (IUGA) fand von 9. bis 13. Juni in Nizza, Frankreich, statt. Österreichische Vertreter aus dem Bereich Urogynäkologie waren wieder stark präsent und konnten sich erneut in die internationale Agenda einbringen. Neben zahlreichen praxisorientierten Workshops beinhaltete das Programm unter anderem wissenschaftliche Präsentationen und Diskussionen aus allen Bereichen der Urogynäkologie sowie Impulsvorträge und die jährliche IUGA-Vorstandssitzung. </p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die IUGA feierte dieses Jahr im Rahmen des Jahrestreffens in Nizza ihr vierzigj&auml;hriges Bestehen. Gegr&uuml;ndet 1975 mit der Mission, die Urogyn&auml;kologie in die gesamte Welt zu tragen, erreicht die IUGA mittlerweile 3.000 Mitglieder aus 70 L&auml;ndern. Im Rahmen von diversen Ausbildungsprojekten wird urogyn&auml;kologisches Wissen seit vierzig Jahren im internationalen Austausch vermittelt und intensiviert.</p> <h2>Gro&szlig;es Angebot an praxisnahen Workshops</h2> <p>Das Jahrestreffen wurde auch dieses Jahr mit einer gro&szlig;en Auswahl an praxisorientierten Workshops er&ouml;ffnet. Zwei dieser Workshops waren von der &ouml;sterreichischen Delegation organisiert bzw. mitgestaltet worden. &bdquo;Publishing and reviewing - tips and tricks from the editors&ldquo; wurde zum wiederholten Male erfolgreich unter der Leitung von Prof. Dr. Paul Riss, Editor-in-Chief des &bdquo;International Urogynecology Journal&ldquo; (IUJ), angeboten. Neben Vortr&auml;gen zur Methodik des Publizierens konnten sich die Teilnehmer mit den Editoren des IUJ in einer praktischen &Uuml;bung mithilfe von Manuskript- und Reviewbeispielen austauschen.<br /> <br /> Im Workshop &bdquo;Prolapse-using POP-Q (Pelvic Organ Prolapse Quantification System) and understanding pelvic anatomy&ldquo; unter der Leitung von Dr. Thomas Aigm&uuml;ller hatten Teilnehmer die Gelegenheit, sich in praktischen &Uuml;bungen am Beckenmodell mit der Beckenbodenanatomie auseinanderzusetzen. Dazu wurden in einem innovativen Konzept Beckenbodenstrukturen mithilfe von Materialien wie Filz und B&auml;ndern nachgebaut. Auch die Anwendung des POP-Q anhand eines Filzscheidenmodells mit eingen&auml;hten Kn&ouml;pfen, welche die Punkte des POP-Q repr&auml;sentieren, fand gro&szlig;en Anklang unter den Teilnehmern und trug zu einem besseren Verst&auml;ndnis des POP-Q-Konzepts bei. <br /> <br /> Wiederum sehr gro&szlig;en Anklang fand der j&auml;hrliche &bdquo;Fellows&rsquo; Day&ldquo;. Speziell zugeschnitten auf junge Urogyn&auml;kologen in Ausbildung gab es die M&ouml;glichkeit, urogyn&auml;kologische laparoskopische Techniken in einem eigens errichteten &bdquo;laparoscopy lab&ldquo; zu trainieren und in Kleingruppen Beckenbodenstrukturen mithilfe von Plastilin nachzubauen. Vortr&auml;ge, Diskussionen und &bdquo;Networking&ldquo; untereinander rundeten das Programm ab.</p> <h2>Wissenschaftliche Highlights</h2> <p>Aus &uuml;ber 700 eingereichten Abstracts, einem Rekord in der Geschichte der IUGA, w&auml;hlte das IUGA Scientific Committee rund 150 Arbeiten zur Pr&auml;sentation aus. E-Poster waren zus&auml;tzlich w&auml;hrend des gesamten Kongresses auf bereitgestellten Bildschirmen einsehbar.<br /> <br /> Das wissenschaftliche Programm wurde mit Podiumspr&auml;sentationen zum Thema Prolaps eingeleitet. Eine niederl&auml;ndische Gruppe pr&auml;sentierte Ergebnisse eines &bdquo;long-term&ldquo; Follow-ups (sieben Jahre) einer multizentrischen randomisierten Studie, in welcher trokargef&uuml;hrte &bdquo;Mesh&ldquo;-Operationen mit konventionellen vaginalen Plastiken bei rezidivierendem Prolaps verglichen wurden. Die Autoren schlussfolgerten, dass die Gesamterfolgsraten beider Techniken sieben Jahre nach der Operation gleichwertig waren (jeweils 60 % ).<sup>1</sup> <br /> <br /> Eine weitere randomisierte Studie untersuchte die Wahrscheinlichkeit des Rezidivs eines Vaginalprolapses 24 Monate nach uterosakraler Suspension des apikalen Kompartments im Vergleich der Anwendung von resorbierbarem (PDS<sup>&reg;</sup>) versus nicht resorbierbarem (Prolene<sup>&reg;</sup>) Nahtmaterial. Es zeigte sich eine geringere Rate an Rezidiven bei Anwendung des nicht resorbierbaren Nahtmaterials.<sup>2</sup><br /> <br /> Einen weiteren wissenschaftlichen Themenschwerpunkt stellten Schwangerschaft und Geburt in Zusammenhang mit Beckenbodensymptomatik dar. Eine Studie untersuchte den Effekt von vaginalen Geburten auf anorektale Funktionen bei Frauen, welche bereits im Rahmen einer vorherigen Geburt eine Verletzung des Sphincter ani (OASI) erlitten hatten. Die Autoren erstellten ein standardisiertes Protokoll zur Erhebung der anorektalen Symptomatik/Physiologie in diesem Kollektiv (Inkontinenz, Ausma&szlig; der Sphinkternarbe, analer Verschlussdruck) und erstellten nach einem Scoring-Schema Empfehlungen zu einer weiteren vaginalen Geburt versus einer elektiven Sectio. Patientinnen, welche die jeweilige Empfehlung befolgten, zeigten keine Verschlechterung der anorektalen Funktion 12 Wochen post partum.<sup>3</sup><br /> <br /> Den Preis f&uuml;r das beste Abstract erhielt dieses Jahr eine Arbeit aus dem Bereich der Grundlagenforschung zum Thema genetische Assoziation von Stress- und Dranginkontinenz. Cartwright et al untersuchten im Rahmen einer &bdquo;genome wide association study&ldquo; an &uuml;ber 13.000 Frauen m&ouml;gliche Assoziationen zwischen bestimmten Genloci und Inkontinenz. Die Gene MARCO (kodierend f&uuml;r den Makrophagenrezeptor) und EDN1 (kodierend f&uuml;r Endothelin) zeigten eine starke Assoziation zu sowohl Stress- als auch Dranginkontinenz und repr&auml;sentieren damit die ers&shy;ten beiden replizierten Genloci, welche in Zusammenhang mit Inkontinenz identifiziert wurden.<sup>4</sup></p> <h2>Ausblick</h2> <p>Im Rahmen der IUGA-Vorstandssitzung wurde unter anderem angek&uuml;ndigt, in Zukunft mehr Raum f&uuml;r exzellente wissenschaftliche Pr&auml;sentationen aus dem Bereich der Grundlagenforschung zu schaffen. <br /> <br /> Diskutiert wurde zudem ein kurz vor dem Jahrestreffen publizierter Report der Europ&auml;ischen Kommission zur Sicherheit der Anwendung von Vaginalnetzen (&bdquo;mesh&ldquo;). Eine daraufhin gebildete Arbeitsgruppe der IUGA verfasste einen Kommentar zu dieser Thematik, welcher im August 2015 an die Europ&auml;ische Kommission weitergeleitet wurde (http://iugasource.com/emails/2015/images/scooparticle072415.pdf). <br /> <br /> Das 41. Jahrestreffen der IUGA wird von 2. bis 6. August 2016 in Kapstadt, S&uuml;dafrika, stattfinden.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Universitätsklinik für Frauenheilkunde<br/> Medizinische Universität Wien<br/> E-Mail: marianne.koch@meduniwien.ac.at<br/> Quelle:<br/> IUGA-Kongress 2015, 9.–13. Juni 2015, Nizza </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Damoiseaux A et al: Long-term follow-up (7 years) of a randomized controlled trial: trocar-guided mesh compared with conventional vaginal repair in recurrent pelvic organ prolapse. Int Urogynecol J 2015; 26: 23-25<br /><strong>2</strong> Urz&uacute;a MJ et al: Permanent versus delayed absorbable suture in uterosacral ligament suspension for the apical compartment: a prospective randomized study with a 24 months mean follow-up. Int Urogynecol J 2015; 26: 27-29<br /><strong>3</strong> Jordan PA et al: Effect of subsequent vaginal delivery on bowel symptoms and anorectal function in women who sustained a previous obstetric anal sphincter injury (OASI). Int Urogynecol J 2015; 26: 45-46<br /><strong>4</strong> Cartwright R et al: Identification of two novel genomic loci associated with stress and urgency urinary incontinence in a genom wide association study. Int Urogynecol J 2015; 26: 53-54</p> </div> </p>
Back to top