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Die Zukunft in unserem Verständnis des Problems?
Jatros
Autor:
Dr. Marianne Koch PhD
Universitätsklinik für Frauenheilkunde<br> Medizinische Universität Wien<br> E-Mail: marianne.koch@meduniwien.ac.at
30
Min. Lesezeit
30.11.2017
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<p class="article-intro">Wenn Sie angesichts dieses Titels nicht direkt weitergeblättert haben: Herzliche Gratulation, Sie haben sich an ein Thema gewagt, mit dem Sie möglicherweise noch nie zu tun hatten. Proteomics – was ist das?</p>
<p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>Der Forschungszweig Proteomics untersucht die Gesamtheit der Proteine, die von einem Genom kodiert werden.</li> <li>Da bisher zwar die Risikofaktoren der Belastungs- und Stressharninkontinenz bekannt sind, aber nicht die exakte Ätiologie, erforscht Proteomics nun, ob ein Zusammenhang mit dem Proteom besteht.</li> <li>Erste Ergebnisse zeigen Unterschiede im Proteom zwischen Inkontinenzpatienten und gesunden Personen.</li> </ul> </div> <p>Proteomics leitet sich von Proteom – also der Gesamtheit der Proteine in einem Organismus – ab und wird in der Forschung als Überbegriff für die Erforschung des Proteoms verwendet. Wenn wir uns an den Biologieunterricht erinnern, wissen wir, dass unser Gencode in der DNA über die mRNA kopiert/transkribiert wird. Anschließend werden an den Ribosomen in der Zelle Peptide und Proteine basierend auf dem genetischen Code zusammengebaut. Ein einfaches Beispiel ist der Vergleich von Raupe und Schmetterling. Raupe und Schmetterling haben ein identes Genom, jedoch ein unterschiedliches Proteom. Der Forschungszweig Proteomics untersucht also die Gesamtheit der Proteine, die von einem Genom kodiert werden. Die Proteomics-Forschung ermöglicht die Analyse der Expression, Lokalisation, Funktion und Interaktion der Proteine, die von einem Organismus exprimiert werden.</p> <h2>Proteomics und Belastungsinkontinenz</h2> <p>Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Kooperation mit der Core Facility Proteomics der Medizinischen Universität Wien mit Proteomics im Zusammenhang mit Belastungsinkontinenz. Risikofaktoren der Belastungs- oder auch Stressharninkontinenz sind bekannt (Alter, Parität, Anzahl der vaginalen Geburten, Adipositas und familiäre Disposition), jedoch ist die exakte Ätiologie der Belastungsharninkontinenz nach wie vor unklar. Zwei Forschungsgebiete nehmen sich unter anderem derzeit dieser Fragestellung an: Proteomics und Genomics.<br /> Ein „benchmark systematic review“ im Bereich Genomics wurde 2015 publiziert.<sup>1</sup> Hierbei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang von Polymorphismen des COL1A1-Gens („collagen type 1, alpha 1 chain“) mit Stressharninkontinenz und Prolaps. Im Bereich möglicher Proteinbiomarker für die Belastungsharninkontinenz wurden unter anderem das C-reaktive Protein, Serum-Relaxin und „collagen-turnover markers“ untersucht, jedoch ohne signifikante Ergebnisse. Östrogen- und Androgenspiegel könnten jedoch laut einer Studie von 2017 eine Rolle in der Entstehung der Stressharninkontinenz spielen.<sup>2</sup> Im Unterschied zu diesen bisherigen Studien, in welchen nach spezifischen Proteinbiomarkern gesucht wurde, untersuchen wir nun im Rahmen einer Proteomics-Studie das gesamte Proteom. Hierzu verwenden wir Urin- und Serumproben von Patientinnen mit Stressharninkontinenz und vergleichen deren Proteom mit demjenigen von gesunden Probandinnen. Hierbei zeigte sich in ersten Ergebnissen ein signifikant unterschiedliches Proteinmuster zwischen kranken und gesunden Probanden. Unterschiede zeigten sich zusammengefasst in den Bereichen Immunsystem, Koagulation, Lipoproteinmetabolismus und Zytoskelettstabilität. Inwiefern diese ersten Ergebnisse aussagekräftig in Bezug auf die Ätiologie der Belastungsharninkontinenz sind, bleibt jedoch derzeit offen.</p></p>
<p class="article-footer">
<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Cartwright R et al.: Systematic review and metaanalysis of genetic association studies of urinary symptoms and prolapse in women. Am J Obstet Gynecol 2015; 212: 199. e1-24 <strong>2</strong> Bodner-Adler B et al.: Role of serum steroid hormones in women with SUI: a case-control study. BJU Int 2017; 120: 416-21</p>
</div>
</p>
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