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Der Bogen ist überspannt
DAM
Autor:
Dr. Wolfgang Werner
Präsident des ÖHV<br /> E-Mail: ordination@drwwerner.at</p>
30
Min. Lesezeit
23.02.2017
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<p class="article-intro">Die Protestmaßnahmen der Ärztekammern sind Ausdruck massiver Ablehnung der von der Legislative geplanten Eingriffe in das Gesundheitswesen.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Ohne Mitsprache der Ärzteschaft, welche naturgemäß neben den Patienten die Hauptbetroffene einer jeden Gesundheitsreform sein muss, sollen zu unserem Nachteil ohne Rücksicht auf Verluste bedenkliche Reformen durchgepeitscht werden. Überflüssig zu sagen, dass die Betreiber dieser Reform der Medizin ziemlich fernstehen: nämlich Wirtschafts- und Sozialbürokraten von Kammern, Ministerien, Parteien und Gewerkschaften.<br /><br />Dementsprechend sieht der Inhalt der Artikel-15a-Vereinbarung aus: So sollen z.B. niedergelassene Ärzte allmählich durch Primärversorgungseinheiten (PVE, auch als „Primary Healthcare Center“, PHC, bekannt) ersetzt werden. Der Vereinbarung zufolge sind Einzelordinationen künftig nicht mehr erwünscht und sollen sukzessive abgebaut werden. ELGA und ICD-Codierungen werden von allen zwingend zu verwenden sein. Auch die Niederlassung von Privatärzten/Wahlärzten soll reglementiert werden, gegebenenfalls soll das Wahlarztsystem sogar abgeschafft werden.<br /><br />Sowohl Ärzten als auch Patienten droht stete Bevormundung durch die Einführung von „Lotsensystemen“, welche außerdem mit hohem Administrationsaufwand verbunden sein werden. Die Demontage der ärztlichen Entscheidungsfunktion und der Ersatz derselben durch die geplante zwingende Mitsprache nicht ärztlicher und auch medizinferner Berufsgruppen sind zu befürchten. Damit nicht genug, sollen auch zusätzliche Kontrollinstanzen (Bundesgesundheitsagentur und Landesgesundheitsfonds) mit Durchgriffsrecht in der Entscheidungshoheit von Spitälern und Ordinationen geschaffen werden.<br /><br />Generell gewinnt man den Eindruck, der Sozialpolitik wird gegenüber medizinischen Entscheidungen höhere Priorität eingeräumt.<br /><br />Eine Störung des bis heute tauglichen medizinischen und sozialen Gefüges wird die Folge sein. Bürokratie und Kontrollwahn durch Schaffung zusätzlicher Kontrollinstanzen werden Einzug halten. Selbstständigkeit und berufliche Freiheit sind nach Umsetzung dieser geplanten 15a-Vereinbarung nicht mehr garantiert.<br /><br />Der schöne Arztberuf wird spätestens dann seine Attraktivität verlieren. Junge Kolleginnen und Kollegen werden vermehrt danach trachten, ihr berufliches Glück im Ausland zu suchen. Zu einem erfüllten Berufsleben gehören auch berufliche Freiheit und Freude an der Berufsausübung. Doch diese sind durch die 15a-Vereinbarung schwer gefährdet.<br /><br />Wir fordern deshalb die Verantwortlichen in der Politik dazu auf, von der 15a-Vereinbarung Abstand zu nehmen und eine Überarbeitung unter sachverständiger ärztlicher Mitwirkung vorzunehmen.</p></p>
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