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Brauchen wir alternative Honorierungsmodelle?
DAM
Autor:
Dr.<sup>in</sup> Martina Hasenhündl
Leiterin der Medizinischen Fortbildungsakademie NÖ<br> E-Mail: martina.hasenhuendl@arztnoe.at
30
Min. Lesezeit
12.07.2018
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<p class="article-intro">Mein Thema der vergangenen Ausgaben war der finanzielle Aufbau der allgemeinmedizinischen Ordinationen in Österreich. Zusammenfassend kann man Folgendes sagen: Ein großer organisatorischer Aufwand in den Ordinationen sorgt dafür, dass in Summe ein enormer Umsatz erwirtschaftet werden muss, um als Allgemeinmediziner ein adäquates Einkommen zu erzielen – von dem man jedoch bei Weitem nicht reich wird.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Die Abrechnungsmodalitäten der Kassen sorgen zusätzlich dafür, dass für das Erreichen dieses Umsatzes unzählige minimal entlohnte Einzelleistungen abgerechnet werden müssen, was auch den hohen internen Aufwand erklärt. Diese Interaktion führt dazu, dass viele typische allgemeinmedizinische Leistungen auf der Strecke bleiben, denn sie werden nicht kostendeckend entlohnt. Also können sie in einer allgemeinmedizinischen Ordination aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht durchgeführt werden.<br /> Österreich hat in diesem Zusammenhang mehrere Probleme: Einerseits werden unzählige Leistungen aus diesen Gründen entweder gar nicht geleistet oder sie werden auf Ebenen verlagert, auf die sie nicht hingehören. Und beides macht das Gesamtsystem irrsinnig teuer. Sei es durch Behandlungen am falschen Ort, wo allgemeinmedizinische Leistungen korrekt durchgerechnet dann locker einmal mindestens das Zehnfache kosten. Oder sei es durch Folgeschäden aufgrund von notwendigen, aber nicht durchgeführten allgemeinmedizinischen Behandlungen, die dann ebenfalls teuer in den Spitälern nachbehandelt werden müssen, wenn es nicht mehr vermeidbar ist.<br /> Ein Folgeproblem ist der mangelnde Ärztenachwuchs. Die Standespolitik predigt seit Jahrzehnten, dass ein Mangel an Jungärzten im System droht. Und das, obwohl wir in Österreich ausreichend Ärztinnen und Ärzte ausbilden. Leider reduziert die Politik das ärztliche Dasein auf „Geldverdienen“ und macht sich keinerlei Gedanken über die Wünsche und vor allem die Ziele der Jungärzteschaft. Wenn man sich für diesen Beruf entschieden hat, dann hat das seine Gründe. Unter anderem weil man Menschen helfen möchte, und zwar mit dem, was man gelernt hat. Man möchte seiner Ausbildung und seinen medizinischen Neigungen entsprechend arbeiten können.<br /> Wer sich jedoch unser System ansieht und die politischen Diskussionen verfolgt, der erkennt ganz schnell, dass das System in Schieflage geraten ist. Die Allgemeinmediziner sind längst zu reinen Kostenfaktoren degradiert, die in der täglichen Praxis viel mehr zu tun haben, als für eine vernünftige Primärversorgung zu sorgen. Daran ändern auch die teilweise schon eröffneten, mit Geld und Sondervereinbarungen subventionierten, sogenannten Primärversorgungszentren nichts. Ein junger Allgemeinmediziner möchte das tun, was er gelernt hat. Er möchte Primärversorgung betreiben.<br /> Daher müssen wir dafür sorgen, dass im System echte Primärversorgung möglich ist, und zwar flächendeckend. Damit würden wir einige der bestehenden Probleme lösen. Wie geht das? In einer allgemeinmedizinischen Ordination soll all das kostendeckend gemacht werden, was dort aus fachlicher und technischer Sicht gemacht werden kann. Zu diesem Zweck muss der Leistungskatalog dramatisch vereinfacht werden, wobei die ärztliche Tätigkeit entweder an Pauschalen, die ärztliche Arbeitszeit oder an ein cleveres Mischsystem angelehnt werden muss. Parallel dazu müssen ärztliche Kooperationsformen – auch die Anstellung von Ärzten bei Ärzten – im Rahmen des Kassensystems erlaubt werden bzw. viel einfacher möglich sein.<br /> Um diese Fantasien wahr werden zu lassen, bedarf es leider zweier Grundvoraussetzungen: Einerseits benötigen wir mindestens doppelt so viele Allgemeinmediziner im Rahmen des Kassensystems als derzeit. Die gibt es schlicht und einfach nicht. Andererseits brauchen wir clevere Steuerungsmechanismen. Eine strikte Trennung des Spitalsbereichs vom niedergelassenen Bereich ist nämlich kontraproduktiv im Sinne einer echten Primärversorgung.</p></p>
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