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Interdisziplinäres Management des diabetischen Fußsyndroms

Die Herausforderungen liegen nicht im Medizinischen

<p class="article-intro">Wollen wir die Probleme im Management diabetischer Wundheilungsstörungen in den nächsten Jahren meistern und der Erreichung der St.-Vincent-Ziele (1989) endlich einen Schritt näherkommen, müssen wir vor allem strukturell neue Wege gehen.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>In den meisten Industriel&auml;ndern liegt die Inzidenz von diabetischen Ulzera bei ca. 2 % pro Jahr. Diabetes mellitus ist weltweit nach wie vor die h&auml;ufigste Ursache f&uuml;r nicht traumatische Amputationen, die ca. 1 % aller Menschen mit Diabetes in ihrem Leben betrifft.<sup>1</sup> In &Ouml;sterreich werden jedes Jahr an die 3000 Amputationen an Menschen mit Diabetes vorgenommen, das sind fast zwei Drittel aller Amputationen. Die Amputationsrate beim diabetischen Fu&szlig;syndrom konnte in den letzten Jahrzehnten nicht signifikant gesenkt werden.</p> <h2>Erhebliche Belastung f&uuml;r die Gesundheitssysteme</h2> <p>Der Krankheitsverlauf eines Patienten mit einer chronischen Wunde, unabh&auml;ngig von der &Auml;tiologie, erstreckt sich in der Regel &uuml;ber Jahre hinweg und ist durch Phasen variabler Intensit&auml;t und Akutrezidive gekennzeichnet. Chronische Wunden wirken sich massiv auf die Alltagskompetenz sowie die Lebensqualit&auml;t der Betroffenen und ihres Umfelds aus. Die Betreuung findet sowohl intra- als auch extramural statt und bedarf eines hohen pflegerischen und medizinischen Aufwands. Damit stellen chronische Wunden auch eine erhebliche Belastung f&uuml;r die Gesundheitssysteme dar.<sup>2</sup> Nach einer rezenten britischen Studie liegen die Kosten f&uuml;r nicht abgeheilte Ulzera (umgerechnet 15 000 Euro) vier- bis f&uuml;nfmal h&ouml;her als f&uuml;r abgeheilte Ulzera.<sup>3</sup> Damit kommt der (Rezidiv-)Prophylaxe sowie einer stadiengerechten Therapie bei bestehender Wundsituation eine entscheidende Bedeutung zu. Durch fr&uuml;hzeitige Intervention k&ouml;nnen die Rezidivraten und die daraus resultierenden Folgekosten vermindert und die Therapiedauer verk&uuml;rzt werden.</p> <h2>Defizite in der Versorgung</h2> <p>Dass das vor genau 30 Jahren in der &bdquo;St. Vincent Declaration&ldquo;4 formulierte Ziel, die Zahl von &bdquo;Amputationen aufgrund von diabetesbedingter Gangr&auml;n um mindestens die H&auml;lfte zu reduzieren&ldquo;, auf so besch&auml;mende Weise verfehlt wurde, liegt nicht am fehlenden medizinischen Wissen. Im Bereich der Wundauflagen beispielsweise wurden enorme Fortschritte erzielt. Eine bereits 2009 publizierte Studie aus Italien zeigt beispielhaft, dass durch systematische interdisziplin&auml;re Zusammenarbeit und erfolgreiche Revaskularisation im Verlauf von 6 Jahren die Rate der Major-Amputationen von 68 % auf 20 % und Todesf&auml;lle von 75 % auf 50 % reduziert werden kann.<sup>5</sup> Die &Ouml;sterreichische Diabetes Gesellschaft (&Ouml;DG) hat vor Kurzem wieder darauf hingewiesen, dass ein Gro&szlig;teil der Amputationen bei Menschen mit Diabetes vermeidbar w&auml;re, wenn Betroffene und Behandler mehr auf die F&uuml;&szlig;e achten w&uuml;rden und die therapeutischen Ma&szlig;nahmen, die l&auml;ngst zum wissenschaftlich belegten Standard geh&ouml;ren, entsprechend vom Gesundheitswesen &uuml;bernommen w&uuml;rden.<sup>6</sup> <br />Als Defizite der Versorgung, die ma&szlig;geblich zur nach wie vor hohen Inzidenz akuter Wundkomplikationen beitragen, sind fehlende Fr&uuml;herkennung, zu sp&auml;te sachgerechte Diagnostik sowie oft unzureichende Kausaltherapie zu nennen. H&auml;ufig mangelt es an multiprofessionaler Zusammenarbeit und an Informationsaustausch zwischen den betreuenden intraund extramuralen Schnittstellen bzw. zwischen den einzelnen Partnern der ambulanten Versorgung. <br />Die eminente Bedeutung der Fachkompetenz illustrieren deutsche Daten, wonach Patienten mit einem Ulcus cruris, die von einem wundversorgenden Facharzt behandelt wurden, eine signifikant h&ouml;here Heilungschance haben als Patienten ohne Beteiligung eines entsprechenden Facharztes.<sup>7</sup> Problematisch ist jedoch das Missverh&auml;ltnis zwischen der geringen Anzahl spezialisierter extramuraler Versorger und der wachsenden Anzahl der zu behandelnden Patienten &ndash; nach Berechnungen der Initiative Wund Gesund gab es in &Ouml;sterreich im Jahr 2015 rund 250 000 Personen mit chronischen Wunden.<sup>8 </sup></p> <h2>Beispiel &ndash; Gro&szlig;raum Wien</h2> <p>Die strukturellen Defizite lassen sich am Beispiel der Bundeshauptstadt verdeutlichen, die in dieser Hinsicht f&uuml;r die urbanen Ballungsr&auml;ume &Ouml;sterreichs repr&auml;sentativ sein d&uuml;rfte: Im Gro&szlig;raum Wien werden Menschen mit chronischen Wunden, abgesehen von der prim&auml;ren Versorgungsebene, vor allem in Spitalsambulanzen versorgt. Diese Einrichtungen sind &ndash; systembedingt &ndash; &uuml;berlastet, au&szlig;erdem kostenintensiv und aufgrund der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen personell schwierig zu besetzen. Auf der anderen Seite ist das Angebot an fach&auml;rztlichen, auf chronische Wundheilungsst&ouml;rungen spezialisierten Einrichtungen im extramuralen Bereich, welche die Spitalsambulanzen entlasten k&ouml;nnten, &uuml;berschaubar. Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung einer zeitlich und personell kontinuierlichen, qualit&auml;tsgesicherten und kosteneffizienten Versorgung dieser Patientengruppe kaum zu erf&uuml;llen sein (Tab. 1).</p> <p>&nbsp;</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Diabetes_1904_Weblinks_s12_tab1.jpg" alt="" width="780" height="842" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> International Diabetes Federation 2017: https://www.idf.org/e-library/guidelines/119-idf-clinical-practice-recommendations- on-diabetic-foot-2017.html <strong>2</strong> Augustin M et al.: Int Wound J 2014; 11: 283-92 <strong>3</strong> Guest J et al.: Int Wound J 2017; 15: 29-37 <strong>4</strong> St. Vincent Declaration 1989, https://www.oedg.at/pdf/StVincent_Declaration_dt.pdf <strong>5</strong> Faglia E et al.: Diabetes Care 2009; 32: 822-7 <strong>6</strong> &Ouml;sterreichische Diabetes Gesellschaft 2019, https://www.oedg.at/1907_PR_diabetischer-fuss.html <strong>7</strong> Heyer AK: Versorgungsepidemiologie des Ulcus cruris in Deutschland. Springer Medizin 2016 <strong>8</strong> Initiative Wund Gesund 2015: https://www.wund-gesund.at/site/assets/files/1085/wundreport_2015_so_steht_es_um_die_wundversorgung_ in_oesterreich.pdf</p> </div> </p>
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