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Diabetesleitlinien im Wandel der Zeit

<p class="article-intro">Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft hat im Jahr 2004 erstmals Leitlinien für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 herausgegeben und damit einen maßgeblichen Schritt in Richtung österreichweiter Standardisierung der Behandlung des Diabetes mellitus getan. Unverändert zu damals finden sich auch heute die moderne Medizin und insbesondere die Diabetesbehandlung mit einem exponentiell zunehmenden Ausmaß an Komplexität konfrontiert, welche eine große Herausforderung für die behandelnden Teams ist.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Von regionalen Unterschieden zu einem gemeinsamen Standard</h2> <p>Mit dem Ende der 1990er-Jahre sind durch das Internet die Verteilungsm&ouml;glichkeiten als auch die Verf&uuml;gbarkeit von wissenschaftlichen Dokumenten und Leitlinien revolutioniert worden. In diesen Jahren waren die therapeutischen Ans&auml;tze und die verf&uuml;gbaren Substanzen verglichen mit heute limitiert, sodass die Auswahl der korrekten Therapiestrategien noch deutlich einfacher war. In der &Auml;ra vor den gro&szlig;en Endpunktstudien (ACCORD, ADVANCE und VADT) und den substanzspezifischen, auf das kardiovaskul&auml;re Outcome gerichteten Studien wurde generell hinsichtlich der Glyk&auml;mie ein &bdquo;The lower, the better&ldquo;-Konzept verfolgt und ein HbA<sub>1c</sub> &lt;6,5 % empfohlen. Bis zum Erscheinen der ersten Leitlinien der &Ouml;DG und der einfachen Verf&uuml;gbarkeit &uuml;ber das Internet gab es doch deutlich gr&ouml;&szlig;ere regionale Unterschiede in der Behandlung des Diabetes mellitus. Durch die breite Distribution der Leitlinien war es m&ouml;glich, &uuml;ber die Jahre hinweg eine h&ouml;here Standardisierung in der Behandlung des Diabetes mellitus zu erreichen.</p> <h2>Pathophysiologisches Verst&auml;ndnis f&uuml;hrt zu neuen Therapien</h2> <p>Auf das rasant zunehmende pathophysiologische Verst&auml;ndnis der Erkrankung folgte eine exponentielle Zunahme der zur Verf&uuml;gung stehenden blutzuckersenkenden Substanzen. War es vor 15 Jahren noch nicht sinnvoll, mehr als zwei unterschiedliche orale blutzuckersenkende Substanzen zu kombinieren, so scheinen heute doch auch Mehrfachkombinationen bei ausgew&auml;hlten Patienten differenzialtherapeutisch sehr wertvoll zu sein. &Uuml;ber die Jahre haben sich die zu ber&uuml;cksichtigenden Faktoren f&uuml;r die Auswahl der individuellen, optimal adaptierten Diabetestherapie vervielfacht. Heute gilt es prim&auml;r, ein HbA<sup>1c</sup>- Ziel mit dem Patienten, entsprechend seiner Erkrankungssituation, zu vereinbaren. Faktoren wie der Lebensstil, Surrogatparameter f&uuml;r Insulinresistenz, substanzspezifische kardiovaskul&auml;re Effekte, Alter und Komorbidit&auml;ten der Patienten sowie die Hypoglyk&auml;miegefahr m&uuml;ssen ber&uuml;cksichtigt werden. Die zunehmende Zahl an Substanzen gleicher Wirkklassen macht es schwierig, den generellen &Uuml;berblick zu bewahren, und stellt gerade am Beginn der medizinischen Laufbahn eine gro&szlig;e Herausforderung dar.</p> <h2>Leitlinien geben Handlungsrahmen vor</h2> <p>Mithilfe der Leitlinien ist ein strukturierter Einstieg mit klaren Zielwertdefinitionen und Behandlungspfaden m&ouml;glich, wobei in weiterer Folge die pers&ouml;nliche Erfahrung mit jeder einzelnen Substanz einen weiterhin sehr hohen Stellenwert beh&auml;lt. Es ist wohl aber eine Synergie aus einem durch die Leitlinien vorgegebenen Handlungsrahmen, der klinischen Expertise der Behandler und den Patientenfaktoren, welche f&uuml;r eine optimale Behandlung der Patienten erforderlich ist. Die initialen Probleme der entsprechenden Verteilung des Wissens sind durch die zunehmende Komplexit&auml;t der Behandlungswege abgel&ouml;st worden.<br /> Trotz der dynamischen Entwicklungen scheinen die Rolle von Metformin und der weiterhin hohe Stellenwert dieser Substanz besonders bemerkenswert. Zu den gro&szlig;en Meilensteinen geh&ouml;ren die Individualisierung der HbA<sub>1c</sub>-Zielwerte, welche jedoch keinesfalls als Grund f&uuml;r eine weniger stringente Therapief&uuml;hrung gesehen werden darf, gerade aber bei multimorbiden Patienten ad&auml;quate Anpassungen der Therapie erlauben.<br /> Auch das zunehmende Verst&auml;ndnis substanzspezifischer, kardiovaskul&auml;rer Effekte, welche unabh&auml;ngig von den glyk&auml;mischen Effekten sind, spiegelt sich zusehends in den Leitlinien wider und wird in den zuk&uuml;nftigen Leitlinien deutlich an Wertigkeit gewinnen. &Uuml;ber die Jahre sind viele Kapitel der Leitlinien detailreicher ausgearbeitet worden, auch neuen technologischen Entwicklungen wie der Insulinpumpentherapie oder der kontinuierlichen Glukosemessung wird ein entsprechender Raum gegeben.<br /> F&uuml;r die Erstellung zuk&uuml;nftiger Leitlinien wird die Fokussierung auf eine m&ouml;glichst konzentrierte und effektive Wissensweitergabe die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung darstellen, da beinahe t&auml;glich neue relevante Erkenntnisse gewonnen werden.</p> <div id="fazit"> <h2>Praxistipp</h2> Am Anfang der medizinischen Laufbahn sollte man besonders auf die Leitlinien achten &ndash; sie geben Sicherheit und helfen dabei, die &Uuml;bersicht zu bewahren.</div></p>
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