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Industrie unterstützt Ärztefortbildungen

„Bei Fortbildungen kompensieren wir ein Systemversagen“

<p class="article-intro">In einem Gespräch zum Thema, weshalb die pharmazeutische Industrie Fortbildungen für Ärzte unterstützt, betont der Generalsekretär der Pharmig, dass sich die Industrie an klare Linien solcher Fortbildungen halten muss und auch hält. Aus seiner Sicht wird Fortbildung aufgrund der immer komplexer werdenden Medizin auch zunehmend an Bedeutung gewinnen.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><strong>Die Pharmaindustrie in &Ouml;sterreich unterst&uuml;tzt eine Vielzahl von Fortbildungen f&uuml;r &Auml;rzte. Warum ist aus Ihrer Sicht diese Fortbildung so wichtig?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Aus unserer Sicht ist es essenziell, dass &Auml;rzte &uuml;ber neue Entwicklungen und Innovationen, die von der pharmazeutischen Industrie betrieben und beforscht werden, auf dem Laufenden sind. Man kann das mit einer Produktschulung, wie sie auch in anderen Bereichen erfolgt, vergleichen. So m&uuml;ssen beispielsweise auch Auto- oder Flugzeughersteller verschiedene Personen zu ihren Produkten schulen und auf dem aktuellen Stand halten. Der Hersteller wei&szlig;, wie man mit dem Produkt umgeht, wie man es appliziert, wo man es anwendet und wo nicht. Er wei&szlig; auch, was die zum Teil langj&auml;hrige Forschung ergeben hat.</p> <p><strong>&amp;Welche sind die wichtigsten Richtlinien, die Unternehmen, Vortragende und Veranstalter unterst&uuml;tzter Fortbildungen einhalten m&uuml;ssen?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Die &Ouml;sterreichische &Auml;rztekammer und die &Ouml;sterreichische Akademie der &Auml;rzte regeln die Zusammenarbeit zwischen Sponsoren und Fortbildungsanbietern zur Erlangung von DFPPunkten sehr genau. Insbesondere muss diese offengelegt werden. Zus&auml;tzlich haben wir in der pharmazeutischen Industrie bzw. Pharmig auch unseren eigenen Verhaltenskodex. So d&uuml;rfen Fortbildungsveranstaltungen keinen wie auch immer gearteten Freizeitcharakter haben. Weiters darf ein Sponsor Fortbildungsunterlagen, die an &Auml;rzte ausgegeben werden, inhaltlich nicht gestalten und beeinflussen. Dar&uuml;ber hinaus darf die Fortbildung keinen Marketingcharakter haben und nur Forschungsergebnisse vermitteln. Basierend unter anderem auf diesen Informationen entscheidet aber letztlich der Arzt, welche Therapie f&uuml;r welchen Patienten die richtige ist. In diesem Zusammenhang m&ouml;chte ich darauf hinweisen, dass die Industrie ein Systemversagen kompensiert. Sie unterst&uuml;tzt die &Auml;rzte in der Fortbildung, weil es sonst keiner macht.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Diabetes_1902_Weblinks_a4-1.jpg" alt="" width="592" height="465" /></p> <p><strong>Aber muss diese Fortbildung gratis sein, damit sie angenommen wird?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> &Auml;rzte verdienen, gemessen am allgemeinen Durchschnittseinkommen, in der Regel zwar gut, dennoch kann man ihnen nicht zumuten, die Teilnahme an allen Veranstaltungen und Fortbildungen selbst zu bezahlen, da diese mitunter sehr teuer sind. Sie verdienen auch nicht so gut, dass sie sich auf allen Gebieten, die f&uuml;r den Beruf notwendig sind, st&auml;ndig weiterbilden k&ouml;nnten. Zudem hat sich die Medizin im Laufe der Zeit immer weiter spezialisiert, sodass Fortbildungen zu bestimmten Indikationen zum Teil im kleinen Spezialistenkreis in dislozierten Gegenden der Welt stattfinden. Dennoch ben&ouml;tigen wir als Gesellschaft dieses Wissen und es kostet den einzelnen Arzt viel Geld, dieses Wissen zu erwerben. Daher unterst&uuml;tzt die Industrie dies sehr gerne. Dies hilft dem Arzt im Kontakt mit den Patienten, was auch im Interesse der Industrie ist, denn diese arbeitet ausschlie&szlig;lich patientenorientiert. Zugegebenerma&szlig;en k&ouml;nnten auch der Staat oder andere Institutionen diese Fortbildung &uuml;bernehmen. Da dies aber keiner in dieser Breite macht, springt die Industrie ein.</p> <p><strong>Neben unterst&uuml;tzten Fortbildungsformen gibt es eine steigende Zahl an Angeboten, f&uuml;r die &Auml;rzte etwas bezahlen m&uuml;ssen. Wo sehen Sie die Vorteile solcher Angebote gegen&uuml;ber konventionellen Formen?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Ich sehe dabei keinen Vorteil. Es ist aber das gute Recht, eine Fortbildung anzubieten, bei der &Auml;rzte f&uuml;r die Teilnahme bezahlen m&uuml;ssen. Hinterfragen w&uuml;rde ich, ob eine solche Veranstaltung an Orten stattfinden muss, die einen hohen Freizeitcharakter haben. Es kann nat&uuml;rlich ein Zusatznutzen f&uuml;r &Auml;rzte sein, wenn das eine oder andere Freizeitprogramm in nicht allzu gro&szlig;er Reichweite ist, es ist aber nicht das, was die Industrie unter Weiterbildungsveranstaltungen versteht. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass nur Veranstaltungen unterst&uuml;tzt werden, die frei von jedem Freizeit- oder Unterhaltungsprogramm sind. Es gibt diesbez&uuml;glich strenge Regeln, an die sich Unternehmen halten m&uuml;ssen, wenn sie eine Veranstaltungen unterst&uuml;tzen wollen. Das Arzneimittelgesetz und unser Verhaltenscodex sprechen da eine ganz klare Sprache.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Diabetes_1902_Weblinks_a4-2.jpg" alt="" width="596" height="424" /></p> <p><strong>In welche Richtung wird sich die &Auml;rztefortbildung entwickeln?</strong></p> <p><strong>A. Herzog:</strong> Die &Auml;rztefortbildung wird immer ein relevanter Teil sein, denn die pharmazeutische Industrie forscht unerm&uuml;dlich. Derzeit wird sehr stark im onkologischen Bereich geforscht, weil noch ein weitgehend unerforschtes Gebiet vor uns liegt. Au&szlig;erdem gibt es vonseiten der Patienten und der Familien der Patienten eine sehr gro&szlig;e Nachfrage und einen hohen Erfolgsdruck auf die Industrie. Daher sind auch entsprechende Weiterbildungsveranstaltungen sinnvoll und notwendig. Fortbildungsma&szlig;nahmen werden auch durch die zunehmende Spezialisierung der &Auml;rzte immer wichtiger.</p> <p><strong><em>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</em></strong></p></p>
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