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Schon früh nach Komorbidität fahnden
Jatros
30
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23.11.2017
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<p class="article-intro">Pädiatrische Psoriasispatienten sind vergleichbar häufig von Komorbiditäten betroffen wie Erwachsene. Einer Empfehlung von US-Medizinern zufolge sollten schon früh Risikofaktoren beachtet werden, um Begleiterkrankungen durch eine frühe Intervention verhindern zu können.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Für Kinder mit schwerer Psoriasis gilt genauso wie für Erwachsene: Prozesse beschränken sich nicht auf die Haut, sondern die Psoriasis ist eine inflammatorische Systemerkrankung, was das erhöhte Risiko für Komorbidität erklärt.<br /> Bei etwa jedem dritten Psoriasispatienten beginnen die Hautveränderungen bereits in der Kindheit. Je früher künftige Risiken erkannt werden, umso besser können Langzeitfolgen von Begleiterkrankungen durch frühzeitige Intervention im Zaum gehalten werden. Im Rahmen einer Literaturübersichtsarbeit wurden jetzt erstmals die wesentlichen Punkte für ein Komorbiditäts-Screening bei pädiatrischen Patienten mit Psoriasis publiziert.<sup>1</sup> Die Literaturauswertung schloss Artikel über Psoriasis und Komorbiditäten auf PubMed von Januar 1999 bis einschließlich Dezember 2015 ein; 153 Manuskripte wurden ausgewählt, von denen sich 26 mit pädiatrischen Patienten beschäftigten.</p> <h2>Wesentliche Screening-Punkte</h2> <p><strong>Übergewicht:</strong><br /> Kinder mit Psoriasis sind häufiger übergewichtig oder adipös als Kinder ohne diese Erkrankung. Es wird deshalb empfohlen, die Kinder ab einem Alter von zwei Jahren jährlich anhand von BMI-Perzentilen auf Übergewicht und Adipositas zu screenen. Sind Kinder übergewichtig, sollen zunächst mit den Eltern Lebensstiländerungen diskutiert werden. Die Korrelation von Übergewicht und Psoriasis wird auch bei Kindern darauf zurückgeführt, dass systemische proinflammatorische Reaktionen zumindest teilweise durch das vermehrte Fettgewebe gefördert werden.<br /><br /> <strong>Diabetes:</strong><br /> Kinder und Jugendliche mit Psoriasis erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes, ein Effekt, der zum Teil auch mit dem zu hohen Körpergewicht in Verbindung steht. Deshalb sollen Übergewichtige mit zwei Risikofaktoren (z.B. BMI =85. Perzentil, Typ-2-Diabetes in der Familie, Krankheiten im Zusammenhang mit Insulinresistenz wie Hypertonie, polyzystisches Ovarialsyndrom etc., Diabetes oder Gestationsdiabetes der Mutter) ab einem Alter von zehn Jahren oder ab dem Beginn der Pubertät alle drei Jahre auf Diabetes untersucht werden (Bestimmung der Nüchtern- Glukosekonzentration), adipöse Kinder grundsätzlich alle drei Jahre, auch wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen.<br /><br /> <strong>Dyslipidämie:</strong><br /> Bei Kindern mit schwerer Psoriasis werden häufig alterierte Stoffwechsel- und Lipidwerte gemessen, die das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Deshalb wird empfohlen, zwischen dem neunten und elften sowie zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr ein allgemeines Lipid-Screening (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride) durchzuführen; bestehen bereits weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren, sollte engmaschiger kontrolliert werden.<br /><br /> <strong>Bluthochdruck:</strong><br /> Ab einem Alter von drei Jahren empfehlen die US-Experten jährliche Blutdruckkontrollen.<br /><br /> <strong>Nichtalkoholische Fettleber (NAFLD):</strong><br /> Bestehen neben Übergewicht oder Adipositas weitere Risikofaktoren wie Insulinresistenz, Prädiabetes oder Diabetes, Dyslipidämie, obstruktive Schlafapnoe oder eine NAFLD in der Familie, soll spätestens zwischen neun und elf Jahren die Alaninaminotransferase (ALT) bestimmt werden.<br /><br /> <strong>Polyzystisches Ovarialsyndrom:</strong><br /> Bei Mädchen ist auf ein polyzystisches Ovarialsyndrom zu achten.<br /><br /> <strong>Entzündliche Darmerkrankungen:</strong><br /> Wenn die Kinder wenig wachsen, ohne ersichtlichen Grund an Gewicht verlieren oder Symptome einer entzündlichen Darmerkrankung bestehen, ist eine gastrointestinale Abklärung zu erwägen.<br /><br /> <strong>Arthritiden:</strong><br /> Im Review wird auf die unterschiedliche klinische Manifestation einer Psoriasis- Arthritis (PsA) im Kindesalter hingewiesen: Bei Kleinkindern ähnelt sie meist einer juvenilen idiopathischen Arthritis. Tritt sie zwischen zehn und zwölf Jahren auf, hat sie eher Gemeinsamkeiten mit einer Spondyloarthritis. Anders als bei Erwachsenen treten in Zusammenhang mit PsA bei 80 % der Kinder die Gelenkbeschwerden bereits zwei bis drei Jahre vor den ersten Hauterscheinungen auf. Kinder, die bereits Hautveränderungen haben, sollen den Empfehlungen zufolge nach Schmerzen und Gelenkschwellungen, Daktylitis („Wurstfinger“), Gelenksteifigkeit nach Ruhe, Gangveränderungen, Schmerzen an der Achillessehne oder sonstigen Sehnenansätzen sowie Schmerzen oder Rötung der Augen als Anzeichen einer Uveitis befragt bzw. darauf untersucht werden.<br /><br /> <strong>Psychiatrische Erkrankungen:</strong><br /> Kinder und Jugendliche mit Psoriasis haben ein um 25–30 % höheres Risiko für Depressionen und/oder Angsterkrankungen als gesunde Gleichaltrige. Auch der Alkoholkonsum bei Jugendlichen und somit die Gefahr einer Suchtentwicklung scheinen über dem Durchschnitt zu liegen. Um diese Probleme rechtzeitig zu erkennen, empfehlen die Experten ein jährliches Screening auf Depression und Angsterkrankungen sowie ab einem Alter von elf Jahren die jährliche Untersuchung auf Substanzmissbrauch. Zudem sollte bei allen Kindern regelmäßig die Lebensqualität evaluiert werden.</p> <h2>Conclusio</h2> <p>Die Empfehlungen umfassen ein jährliches Screening auf Übergewicht und Adipositas ab dem Alter von 2 Jahren, Screening auf Typ-2-Diabetes alle 3 Jahre, beginnend im Alter von 10 Jahren, allgemeines Lipid-Screening zwischen 9 und 11 und zwischen 17 und 21 Jahren, jährliches Screening auf Hypertonie, beginnend im Alter von 3 Jahren, sowie Screening auf Arthritis und jährliches Screening auf Depressionen und Angststörungen. Allerdings betonen die Autoren dieser Empfehlungen, dass es zu Psoriasis bei Kindern nur wenige Studien gibt; aus diesem Grund können derzeit nur Empfehlungen des Evidenzgrades C gegeben werden. Weitere Studien wären erforderlich, um Empfehlungen mit höherer Evidenz aussprechen zu können. Finanziert wurde die Studie durch die National Psoriasis Foundation, Rady Children’s Hospital/University of California, San Diego Eczema and Inflammatory Skin Disease Center.</p></p>
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<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Osier E et al.: Pediatric Psoriasis Comorbidity Screening Guidelines. JAMA Dermatol 2017; online 17th of May 2017; doi: 10.1001/jamadermatol.2017.0499</p>
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