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Berufsverband österreichischer Dermatologen (BVÖD)

Dermatologie soll auf zwei Standbeinen stehen

<p class="article-intro">Rund 100 Teilnehmer waren der Einladung des Vorstandes des BVÖD zur ersten Jahrestagung am 20. Oktober 2018 nach Salzburg gefolgt. Eine schöne Bestätigung für den Berufsverband, der sich innerhalb kürzester Zeit seines Bestehens zu einem ernst zu nehmenden Forum neben der ÖGDV innerhalb der Dermatologie entwickelt hat.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die deutschen Haut&auml;rzte k&ouml;nnen mittlerweile auf 65 Jahre Erfahrung mit dem Berufsverband zur&uuml;ckblicken. Dr. Johannes Neuhofer war es gelungen, Dr. Steffen Gass als Repr&auml;sentanten des deutschen Berufsverbandes (BVDD) zum ersten Kongress nach &Ouml;sterreich zu holen. Besonders erfreut zeigte sich der Leiter des BV&Ouml;D auch &uuml;ber die Teilnahme von Prim. Prof. Dr. Clemens Rappersberger, der als Incoming President der &Ouml;GDV mit seiner Teilnahme ein klares Zeichen setzte, dass die Dermatologie n&auml;mlich nicht nur pure Wissenschaft ist, sondern auch praxisbezogen sein muss. Neuhofer: &bdquo;Als ich vor 40 Jahren auf der Universit&auml;tsklinik in Innsbruck begonnen habe, galt das Credo: ,Wissenschaft ist alles, niedergelassene Dermatologen w&auml;ren Dermatologen zweiter Klasse. Die klinische Arbeit am Patienten sei unbedeutend, das k&ouml;nne jeder.?&ldquo; Doch im realen Leben sind 80 % der Dermatologen im niedergelassenen Bereich und die provokant gestellte Frage: &bdquo;Wozu brauchen wir die Dermatologie?&ldquo; l&auml;sst sich klar beantworten: damit Patienten in hoher Qualit&auml;t fachgerecht diagnostiziert und behandelt werden k&ouml;nnen. Wissenschaft und Forschung sowie die Arbeit in der Praxis sind laut Neuhofer untrennbar miteinander verbunden. L&auml;nder&uuml;bergreifend wird es gelingen, die Dermatologie auf einem hohen Niveau zu halten und die Bedeutung dieses Faches weiter hochzuhalten, war Neuhofer &uuml;berzeugt.</p> <h2>Nur gemeinsam sind wir stark</h2> <p>Prof. Rappersberger sah die Dermatologie ganz generell als das wichtigste Fach innerhalb der Humanmedizin, denn Dermatologen stellen oft als Erste die Diagnose einer inneren Erkrankung. Dermatologie und Allgemeinmedizin brauchen einander. Die epidemiologische Melanomstudie, von Rappersberger et al. 2016 im &bdquo;European Cancer Journal&ldquo; publiziert, verdeutlichte, dass 90 % der 8660 histopathologisch verifizierten Melanome im niedergelassenen Bereich entfernt wurden. Auch damit ist belegt, wie wertvoll die Arbeit des niedergelassenen Hautarztes f&uuml;r die Volksgesundheit ist, und es stellt das Ansinnen, die Behandlung des Melanoms an den Onkologen abzugeben, sehr stark infrage. Dermatologie soll eine Einheit bleiben.</p> <h2>Geburtshelfer des BV&Ouml;D</h2> <p>Das Sch&ouml;ne an der Dermatologie ist die Breite des Faches, kein Tag sei langweilig, dies best&auml;tigte auch S. Gass, der im selben Atemzug davor warnte, sich zu viel Pouvoir von angrenzenden F&auml;chern wegnehmen zu lassen. &bdquo;Die IVF-Spezialisten wollen die Andrologie, die Onkologen wollen das Melanom, an allen R&auml;ndern wird gezupft und gezerrt &hellip; wir m&uuml;ssen uns nach au&szlig;en und innen verteidigen.&ldquo; Dazu braucht man Institutionen, die das Mandat haben, die Interessen der Haut&auml;rzte zu wahren. Und so eine sei der Berufsverband. Deutschland z&auml;hlt rund 3500 Mitglieder, und 95 % der niedergelassenen Dermatologen in Deutschland sind beim BVDD. &bdquo;Damit kann man in der Politik schon etwas erreichen&ldquo;, so Gass. &bdquo;Wir sind bei vielen politischen Veranstaltungen aktiv, und Politik wird oft bei kleinen Veranstaltungen gemacht.&ldquo;</p> <h2>Vielerlei Projekte</h2> <p>Beispielsweise sammelt der BVDD durch sein Versorgungsforschungszentrum CVderm nationale Daten und vergleicht diese mit anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern. Mit fundierten Zahlen bei den Krankenkassen vorstellig zu werden, erzeugt nat&uuml;rlich geh&ouml;rig Druck. Weiters stellte Gass das Projekt &bdquo;Bitte ber&uuml;hren&ldquo;, eine mediale Awarenesskampagne zu Psoriasis, vor, bei der durch ein Fundraising aller Firmen in der &Ouml;ffentlichkeit Aufkl&auml;rung &uuml;ber Psoriasis betrieben wurde. Die Psoriasis wurde hierdurch als schwerwiegende nicht infekti&ouml;se Erkrankung in der Bev&ouml;lkerung bekannt gemacht. Mittlerweile hat das Projekt etliche Medienpreise erhalten. Inzwischen gibt es eine weiterf&uuml;hrende Kampagne, wie man Stigmatisierung verhindern kann. Als erste Fachgruppe &uuml;berhaupt haben die Deutschen unter dem Namen Teleguide eine S3-Leitlinie zum Umgang mit Telemedizin entwickelt &ndash; als State of the Art, wie Telemedizin betrieben wird &ndash;, auf die sie stolz sind.<br /> &bdquo;Wir brauchen die doppelte Manpower, um in diesem Konzert von Fachgruppen &uuml;berleben zu k&ouml;nnen. Die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik m&uuml;ssen stimmen, man muss auf der Klaviatur aktiv mitspielen. Manchmal ist es wichtiger, etwas zu verhindern, als etwas zu erreichen&ldquo;, war Gass &uuml;berzeugt. &bdquo;Die Dermatologie braucht den Wissenschaftler, der die Grundlagen schafft, und den Berufsverbandler, der die Rahmenbedingungen in der Politik absteckt und zugunsten der Dermatologie ver&auml;ndert.&ldquo;</p> <h2>Themen der Tagung</h2> <p>Rein wissenschaftliche Themen wurden auf der Jahrestagung nicht diskutiert, sondern allgemein n&uuml;tzliche Bereiche wie Vermeiden von Haftung, Verhalten im Klagsfall und wann der Arzt einen Gewerbeschein ben&ouml;tigt. Dass die Aufkl&auml;rung besonders sorgf&auml;ltig erfolgen muss, ist nichts Neues, doch immer wieder erg&auml;nzen wesentliche Aspekte das eigene Wissen. Als Faustregel kann man sich merken: Je weniger dringlich der Eingriff aus medizinischen Gr&uuml;nden ist, desto umfassender sollte die Aufkl&auml;rung sein. Der Aufkl&auml;rungsbogen muss unter Ber&uuml;cksichtigung der Pers&ouml;nlichkeitsstruktur und des Bildungsstandes &uuml;berreicht werden. Aktives Hinterfragen der Verst&auml;ndnisf&auml;higkeit ist essenziell. Sollte ein Patient den Eingriff, z.B. bei Liposuction, sofort w&uuml;nschen, muss das akribisch dokumentiert werden. Beim ausl&auml;ndischen Patienten scheitert das Gesetz, daher unbedingt notieren: &bdquo;Sprachprobleme&ldquo;. Diese und viele wertvolle Tipps mehr gab der juristische Experte Dr. Daniel Larcher von Baker McKenzie, Wien. N&uuml;tzliche steuerliche Ratschl&auml;ge erteilte Andrea J&auml;ger, Steuerberaterin und Wirtschaftspr&uuml;ferin in Wien. Dr. Alexander Samide, Sprecher des BV&Ouml;D, erkl&auml;rte die Grundz&uuml;ge einer Gewinn- und Verlustrechnung.<br /> Dass alles Marke ist, verdeutlichte Dr. Gerhard Hrebicek vom European Brand Institute. Der Markenwert wird im Kopf geschaffen. Umgelegt auf den Hautarzt bedeutet das, sich ein einpr&auml;gsames Logo oder eigene Farben f&uuml;r den Wartezimmerbereich oder die Mannschaft zuzulegen, die Homepage zu aktualisieren, seinen Social-Media-Auftritt zu initialisieren oder zu verbessern und somit Bindung zum Patienten herzustellen.<br /> Nat&uuml;rlich kam die Diskussion um Wahlarzt oder Kassenarzt nicht zu kurz. Insgesamt darf man zur erfolgreichen Tagung gratulieren und auf die n&auml;chsten Schritte des BV&Ouml;D gespannt sein.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: BVÖD-Jahrestagung, 20. Oktober 2018, Salzburg </p>
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