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Dermatologie soll auf zwei Standbeinen stehen
Jatros
30
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10.12.2018
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<p class="article-intro">Rund 100 Teilnehmer waren der Einladung des Vorstandes des BVÖD zur ersten Jahrestagung am 20. Oktober 2018 nach Salzburg gefolgt. Eine schöne Bestätigung für den Berufsverband, der sich innerhalb kürzester Zeit seines Bestehens zu einem ernst zu nehmenden Forum neben der ÖGDV innerhalb der Dermatologie entwickelt hat.</p>
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<p class="article-content"><p>Die deutschen Hautärzte können mittlerweile auf 65 Jahre Erfahrung mit dem Berufsverband zurückblicken. Dr. Johannes Neuhofer war es gelungen, Dr. Steffen Gass als Repräsentanten des deutschen Berufsverbandes (BVDD) zum ersten Kongress nach Österreich zu holen. Besonders erfreut zeigte sich der Leiter des BVÖD auch über die Teilnahme von Prim. Prof. Dr. Clemens Rappersberger, der als Incoming President der ÖGDV mit seiner Teilnahme ein klares Zeichen setzte, dass die Dermatologie nämlich nicht nur pure Wissenschaft ist, sondern auch praxisbezogen sein muss. Neuhofer: „Als ich vor 40 Jahren auf der Universitätsklinik in Innsbruck begonnen habe, galt das Credo: ,Wissenschaft ist alles, niedergelassene Dermatologen wären Dermatologen zweiter Klasse. Die klinische Arbeit am Patienten sei unbedeutend, das könne jeder.?“ Doch im realen Leben sind 80 % der Dermatologen im niedergelassenen Bereich und die provokant gestellte Frage: „Wozu brauchen wir die Dermatologie?“ lässt sich klar beantworten: damit Patienten in hoher Qualität fachgerecht diagnostiziert und behandelt werden können. Wissenschaft und Forschung sowie die Arbeit in der Praxis sind laut Neuhofer untrennbar miteinander verbunden. Länderübergreifend wird es gelingen, die Dermatologie auf einem hohen Niveau zu halten und die Bedeutung dieses Faches weiter hochzuhalten, war Neuhofer überzeugt.</p> <h2>Nur gemeinsam sind wir stark</h2> <p>Prof. Rappersberger sah die Dermatologie ganz generell als das wichtigste Fach innerhalb der Humanmedizin, denn Dermatologen stellen oft als Erste die Diagnose einer inneren Erkrankung. Dermatologie und Allgemeinmedizin brauchen einander. Die epidemiologische Melanomstudie, von Rappersberger et al. 2016 im „European Cancer Journal“ publiziert, verdeutlichte, dass 90 % der 8660 histopathologisch verifizierten Melanome im niedergelassenen Bereich entfernt wurden. Auch damit ist belegt, wie wertvoll die Arbeit des niedergelassenen Hautarztes für die Volksgesundheit ist, und es stellt das Ansinnen, die Behandlung des Melanoms an den Onkologen abzugeben, sehr stark infrage. Dermatologie soll eine Einheit bleiben.</p> <h2>Geburtshelfer des BVÖD</h2> <p>Das Schöne an der Dermatologie ist die Breite des Faches, kein Tag sei langweilig, dies bestätigte auch S. Gass, der im selben Atemzug davor warnte, sich zu viel Pouvoir von angrenzenden Fächern wegnehmen zu lassen. „Die IVF-Spezialisten wollen die Andrologie, die Onkologen wollen das Melanom, an allen Rändern wird gezupft und gezerrt … wir müssen uns nach außen und innen verteidigen.“ Dazu braucht man Institutionen, die das Mandat haben, die Interessen der Hautärzte zu wahren. Und so eine sei der Berufsverband. Deutschland zählt rund 3500 Mitglieder, und 95 % der niedergelassenen Dermatologen in Deutschland sind beim BVDD. „Damit kann man in der Politik schon etwas erreichen“, so Gass. „Wir sind bei vielen politischen Veranstaltungen aktiv, und Politik wird oft bei kleinen Veranstaltungen gemacht.“</p> <h2>Vielerlei Projekte</h2> <p>Beispielsweise sammelt der BVDD durch sein Versorgungsforschungszentrum CVderm nationale Daten und vergleicht diese mit anderen europäischen Ländern. Mit fundierten Zahlen bei den Krankenkassen vorstellig zu werden, erzeugt natürlich gehörig Druck. Weiters stellte Gass das Projekt „Bitte berühren“, eine mediale Awarenesskampagne zu Psoriasis, vor, bei der durch ein Fundraising aller Firmen in der Öffentlichkeit Aufklärung über Psoriasis betrieben wurde. Die Psoriasis wurde hierdurch als schwerwiegende nicht infektiöse Erkrankung in der Bevölkerung bekannt gemacht. Mittlerweile hat das Projekt etliche Medienpreise erhalten. Inzwischen gibt es eine weiterführende Kampagne, wie man Stigmatisierung verhindern kann. Als erste Fachgruppe überhaupt haben die Deutschen unter dem Namen Teleguide eine S3-Leitlinie zum Umgang mit Telemedizin entwickelt – als State of the Art, wie Telemedizin betrieben wird –, auf die sie stolz sind.<br /> „Wir brauchen die doppelte Manpower, um in diesem Konzert von Fachgruppen überleben zu können. Die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik müssen stimmen, man muss auf der Klaviatur aktiv mitspielen. Manchmal ist es wichtiger, etwas zu verhindern, als etwas zu erreichen“, war Gass überzeugt. „Die Dermatologie braucht den Wissenschaftler, der die Grundlagen schafft, und den Berufsverbandler, der die Rahmenbedingungen in der Politik absteckt und zugunsten der Dermatologie verändert.“</p> <h2>Themen der Tagung</h2> <p>Rein wissenschaftliche Themen wurden auf der Jahrestagung nicht diskutiert, sondern allgemein nützliche Bereiche wie Vermeiden von Haftung, Verhalten im Klagsfall und wann der Arzt einen Gewerbeschein benötigt. Dass die Aufklärung besonders sorgfältig erfolgen muss, ist nichts Neues, doch immer wieder ergänzen wesentliche Aspekte das eigene Wissen. Als Faustregel kann man sich merken: Je weniger dringlich der Eingriff aus medizinischen Gründen ist, desto umfassender sollte die Aufklärung sein. Der Aufklärungsbogen muss unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsstruktur und des Bildungsstandes überreicht werden. Aktives Hinterfragen der Verständnisfähigkeit ist essenziell. Sollte ein Patient den Eingriff, z.B. bei Liposuction, sofort wünschen, muss das akribisch dokumentiert werden. Beim ausländischen Patienten scheitert das Gesetz, daher unbedingt notieren: „Sprachprobleme“. Diese und viele wertvolle Tipps mehr gab der juristische Experte Dr. Daniel Larcher von Baker McKenzie, Wien. Nützliche steuerliche Ratschläge erteilte Andrea Jäger, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin in Wien. Dr. Alexander Samide, Sprecher des BVÖD, erklärte die Grundzüge einer Gewinn- und Verlustrechnung.<br /> Dass alles Marke ist, verdeutlichte Dr. Gerhard Hrebicek vom European Brand Institute. Der Markenwert wird im Kopf geschaffen. Umgelegt auf den Hautarzt bedeutet das, sich ein einprägsames Logo oder eigene Farben für den Wartezimmerbereich oder die Mannschaft zuzulegen, die Homepage zu aktualisieren, seinen Social-Media-Auftritt zu initialisieren oder zu verbessern und somit Bindung zum Patienten herzustellen.<br /> Natürlich kam die Diskussion um Wahlarzt oder Kassenarzt nicht zu kurz. Insgesamt darf man zur erfolgreichen Tagung gratulieren und auf die nächsten Schritte des BVÖD gespannt sein.</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: BVÖD-Jahrestagung, 20. Oktober 2018, Salzburg
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